Team Abe – Der geheimnisvolle Kleiderschrank - Page 4

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mich hören?!“
Die Musik wurde deutlich leiser gestellt und um den Schauplatz bildete sich derweil eine breite kreisförmige Mauer, bestehend aus schaulustigen Diskothekbesuchern.
„Wo bin ich?“
„Im ‚Let’s Dance‘ … Hast du Schmerzen?“
Meir half der jungen Frau auf, gemeinsam gingen sie in das angrenzende Bistro und setzen sich dort an einen Tisch. Im Tanzsaal herrschte bereits wieder munteres Treiben, so als wäre nichts geschehen.
„Danke … Wie ist noch mal dein Name?“
„Meir!“
„OK … ich …“
„Sollen wir vielleicht besser in die Notaufnahme fahren?“
„Nein, bitte nicht … Das will ich nicht!“
Er bestellte ein großes Glas Wasser, das von ihr kurz nach dem Eintreffen gierig geleert wurde.
„Jetzt geht es mir schon wieder etwas besser … Sorry, ich heiße übrigens Frida … Mist, wo ist denn bloß meine Handtasche?!“
Sämtliche Erinnerungen der vergangenen Stunden schienen nur noch sehr bruchstückhaft in ihrem Gedächtnis zu existieren.
„Ich war hier verabredet, aber irgendetwas muss bei meiner besten Freundin dazwischengekommen sein …“
Frida konnte sich noch daran erinnern eine Cola getrunken zu haben und anschließend von einer fremden Frau angesprochen worden zu sein, mehr war leider nicht mehr abrufbar. Meir begab sich daraufhin im Beisein einer Beschäftigten auf die Suche nach der verschwunden Handtasche, doch weder an der Garderobe noch in den Räumlichkeiten des Damen-WC wurden sie fündig, nachdem alle übrigen Möglichkeiten bereits ausgeschlossen werden konnten.
„Mein Smartphone, alle möglichen Ausweise, die Geldkarte und 100,- € … Alles weg?!“
„Wirklich ärgerlich! Wenn du magst, würde ich dich gerne nach Hause bringen …“
Ja genau, ihr sympathischer Helfer war der auffällige Tänzer, den sie zu Beginn des Abends beobachtet hatte … Somit landete ein weiteres buntes Puzzleteil auf dem immer noch viel zu schwarzen Untergrund namens Erinnerungsverlust … Frida willigte ein, beide holten ihre Jacken ab und verließen die Diskothek um kurz vor eins. Zielstrebig ging Meir Richtung Hauptbahnhof, hielt dann allerdings abrupt an, so als stünde er vor einem Hindernis, um dann einen völlig anderen Weg einzuschlagen.
„Ist alles OK?“
„Sorry, ich bin ja heute mit dem Auto gekommen …“
Die rechte Hintertür wurde zu Fridas Erstaunen geöffnet.
„Ich kann auch gerne vorne Platz nehmen.“
„Wie bitte? Ach so, ja natürlich …“
Wer von den beiden war eigentlich verwirrter? Andererseits macht es ihn noch sympathischer …
„Dann bräuchte ich noch deine Adresse.“
Es dauerte recht lang bis Meir die Daten in das für ihn völlig unbekannte Navi eingetippt hatte.
„Die Karre ist … ähm … nur geliehen …“
Der beste Autofahrer schien er auch nicht gerade zu sein, aber sie erreichten immerhin warm und sicher das Ziel, wobei die Heizung etwas überreguliert zu sein schien.
„Geh bitte zum Arzt, um dich durchchecken zu lassen. Wegen der Handtasche musst du unbedingt Anzeige erstatten und lass auf jeden Fall ganz schnell deine Geldkarte sperren … Warte, ich schreib dir meine Handynummer auf …“
Warum fiel ihm dies erst jetzt ein? Fridas Smartphone könnte doch eigentlich geortet werden. Wenigstens ein Versuch musste es wert sein. Sie wollte allerdings nur noch ins Bett, gab ihm aber noch die auswendig gelernte Nummer samt Festnetzkontakt.
„Melde dich bitte ...“
„Keine Angst, das werde ich tun. Vielen Dank für alles! Wenn du etwas wegen meines Handys herausbekommen solltest, dann …“
„Du kannst dich auf mich verlassen!“
Meir wollte so lange warten bis sie das elterliche Einfamilienhaus betrat. Auf den Treppenstufen direkt vor dem Gebäude drehte sich Frida noch einmal um, hob ihre Hand zum Abschied und verschwand erst dann im Inneren. Der Wagen fuhr ein paar Straßen weiter, um dort am Rande eines kleinen Parks zu halten. Energisches Antippen führte zur schuldbewussten Weitergabe seines Smartphones ...
„Danke, dass ich auch noch mal etwas sagen bzw. schreiben darf … Ich habe übrigens genau gesehen, wie Frida dieser aufgetakelten Frau ihre Handtasche gegeben hat …“
„Was soll das heißen?“
„Sie war mit einer Freundin tanzen, hat sich irgendetwas eingeschmissen und dann wohl offensichtlich die Kontrolle verloren.“
„Und die Freundin haut dann einfach so mit der ihr anvertrauten Tasche ab? Das ergibt doch gar keinen Sinn, außerdem ist die Person, mit der sich Frida verabredet hatte verhindert gewesen … Nein, ich glaube eher an eine unfreiwillige Drogeneinnahme mit anschließendem Bestohlenwerden. Schau dir doch mal das Mädel an … Die macht so was nicht …“
„Na klar, das arme kleine hübsche Ding … Ihr Männer seid doch alle gleich!“
Meir bekam ein schlechtes Gewissen, denn er hatte sich seit dem Vorfall in der Diskothek nicht mehr um seine unsichtbare Begleitung gekümmert, die ihm jetzt auch noch den eigenmächtigen Medikamentenentzug beichtete ...
„Ich bin innerlich total rappelig und werde heute Nacht mit Sicherheit nicht schlafen können.“
„Mensch Rana, was sollen wir denn jetzt machen?!“
Der spontan ausgedachte Plan lautete, sich beim Eintreffen der Frühschicht um kurz nach fünf in der Klinik die Tabletten zu besorgen. Bis dahin hatten die beiden allerdings noch ein paar Stunden Zeit.
„Du wolltest doch Fridas Smartphone orten …“
Meir aktivierte eine entsprechende App, gab die Handynummer ein und wartete ab.
„Mein Onkel ist übrigens Programmierer und …“
Tatsächlich, die SIM-Karte musste noch in dem Gerät stecken. Vielleicht war es ja auch nach wie vor eingeschaltet. Rana stieg aus, um dann auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen.
„Ich werde verrückt …“
Schneller als beim ersten Mal gab Meir eine Adresse in das Navi ein. Ohne ihr Details mitzuteilen, steuerte er den Wagen durch die nahezu leergefegten Straßen. Schließich hielten sie genau dort, wo die Unsichtbare am vergangenen Abend den Autodiebstahl begangen hatte.
„Dieses Problem sind wir gleich schon mal los.“
Er öffnete einen ausreichenden Spalt breit das Fenster, stieg aus, gefolgt von seiner Begleitung, aktivierte den Schließmechanismus und presste den Schlüssel anschließend durch die vorbereitete Lücke hindurch ins Innere des Wagens. Wenig später standen beide wieder vor dem Studierendenwohnheim, in dem Meir lebte.
„Du wirst es nicht glauben, aber das Signal kommt aus einem dieser unzähligen Apartments ...“

Wirklich unglücklich der Umstand, nicht mehr über einen fahrbaren Untersatz zu verfügen, denn die Anreise per Öffentlichem Nahverkehr war zu dieser Tageszeit vor allem beim Warten an den Haltestellen aufgrund der recht niedrigen Temperaturen eine kleine Tortur. Klar, Rana hätte eigentlich nicht so früh vor dem Haupteingang des Klinikums stehen müssen, aber es kam bereits wiederholt zu leichten Halluzinationen, weshalb dringend gehandelt werden musste. Die restliche Nacht verbrachte sie zuvor bei Meir. Er war bereits kurz nach der gemeinsamen Ankunft eingeschlafen und entgegen

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