Pilze

Bild von Jürgen Wagner
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Im Käse, im Darm, in der Hefe, im Boden
Ein Transformateur, der hoch zu loben
Sein Geflecht wächst verborgen in feiner Gestalt
Wir ernten die Früchte in Wiese und Wald

Sie heben, beglücken, entführen und stärken,
vergiften, durchdringen, bewachsen, zerstören
Sie sind wie die Pflanzen und Tiere uralt
Hast du sie gefunden, genieße sie bald!

2017 - Die Pilze sind nicht nur die 'Müllabfuhr' des Waldes, sie vernetzen auch in ihrem unterirdischen Geflecht die Bäume und leiten Informationen weiter. Was wir im Wald suchen, sind lediglich die Früchte, das eigentliche große Netzwerk bleibt verborgen. Die Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, aber genauso alt und unverzichtbar für das Weiterleben, da sie organische Stoffe aufnehmen und weiterverarbeiten. Ihre Kraft reicht von der Stärkung über die Bewusstseinserweiterung bis hin zur Vergiftung. Ihre Artenvielfalt ist größer als die der Pflanzen und Tiere.

Video:

Musik und Gestaltung: Jürgen Wagner
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Interne Verweise

Kommentare

03. Mai 2017

Ja, ohne Pilze geht es nicht -
Zu Recht gewürdigt per Gedicht!
(Krause schwärmt für PILS weit mehr -
Deshalb scheint die auch so schwer ...)

LG Axel

03. Mai 2017

Auf PILS, da wär ich nicht gekommen
Doch Wein zu Pilz, das könnt' auch frommen

Benedikt B.
03. Mai 2017

Staune, wieviel Information in zwei Versen enthalten sein kann!
Habe auch die schweigenden Gesellen im Video mit Vergnügen angeschaut.

So bunt und skurril wie die Farben und Formen der Pilze sind übrigens auch ihre Namen. Kleine Auswahl?

Hallimasch, Hexen-Röhrling, Karbo-Egerling, Frauen-Täubling, Krempling, Krause Glucke, Parasol, Samtfuß-Rübling, Goldblatt, Nelken-Schwindling, Pfifferling, Violetter Lacktrichterling, Nebelkappe usw.

Habe oft Pilze gesammelt. Welche Freude, plötzlich einen unzerfressenen, großen Steinpilz oder eine Schar Stoppelpilze zu finden!

Wünsche ähnliches Finderglück!
Benedikt B.

04. Mai 2017

Was ich gerne noch etwas mehr beschrieben hätte, wäre der Bereich zwischen heilsam und giftig. Die alten Völker und besonders die Schamanen haben die Pilze ja auch immer genutzt für ihre Geistreisen, für das Gelangen in andere Bewusstseinszustände. Der Bereich ist bei uns tabu, man weiß auch kaum noch etwas darüber und macht keine Erfahrungen mehr. Das ist auch eine Verarmung, da es gerade nicht - wie bei den synthetischen Drogen - um Glückserlebnisse geht, sondern um Bewusstseinsveränderung und -erweiterung. Aber das konnte ich nur andeuten. Danke für den reichen Kommentar! JW

Benedikt B.
04. Mai 2017

Geben vielleicht die Pilznamen noch Hinweise auf eine frühere Benutzung in dem von Ihnen genannten Sinne? Z. B. Hexen-Röhrling, Mutterkornpilz, Nelken-Schwindling (der in großen Hexen-Ringen erscheint). Der giftige Fliegenpilz ist in kleinn Mengen ja schon lange als Rauschdroge bekannt. . Sind die lateinischen Namen hier vielleicht noch aufschlussreicher?

Herzlich Benedikt B.

04. Mai 2017

Ich kenne mich da nicht aus. Weiß nur vom Mutterkornpilz, der in den eleusinischen Mysterien genommen wurde, vom Fliegen'pilz', den sibirische Schamanen verwenden, der Teonanácatl - 'Fleisch der Götter' in Mexiko.
Von der mazatekischen Heilerin MARIA SABINA fand ich folgendes Zitat: »Die Pilze geben mir die Macht, alles umfassend zu sehen. Ich kann bis zum Ursprung hinabblicken. Ich kann dorthin gehen, wo die Welt entspringt. Der Kranke wird gesund und die Angehörigen kommen und besuchen mich dann, um mir zu sagen, daß eine Erleichterung eingetreten ist. Sie bedanken sich und bringen mir Schnaps, Zigaretten und ein bißchen Geld mit.« Einer, der da richtig Bescheid weiß, ist Wolf-Dieter Storl. Mit Grüßen! JW