Grüne Stunden

Bild von Annelie Kelch
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Grün wie das Gras sind die Farben meiner Kindheit;
ein Blick hinüber zum Deich durch unsere Fenster nur:
Und augenblicklich war ich entschlossen, bereit
für einen Streifzug durch die grüne Natur.

Die frühen taufrischen weiten Wiesen hinunter
lief ich Sonntags ans Wasser - ins Uferblaue;
wie grüne Seide funkelte das Gras meiner Aue,
Grün, gelb und weiß schon am 1. Mai, im Juli noch bunter!

Ich schickte Klage um Klage hinüber zu dir:
Übers Wasser scholl 's mit rauem Möwengeschrei:
Du schicktest übermütige rotbunte Kälbchen mir
und dröhnende Schiffssirenen aus aller Welt vorbei.

Grüne Kindheit: vergangenes Glück und Leid;
Vergangenheit auch: meine kurze Jugendzeit,
darin ich wie Schilf schwankte im Wind, mal sanft, mal wild.
Ach, mich wundert, dass meine grüne Seele nicht überquillt!

Das Grün der Wiesen hat sich mir ins Aug' gebrannt,
grün wie Vier-Blätter-Klee, das ich einst dort gefunden,
grün wie ritzendes Schilf in meiner verletzten Hand; -
am Ufer, im Sumpfdotter, verrannen grün mir die Stunden.

Bildquelle: Pixabay; Text: Annelie Kelch

Interne Verweise

Kommentare

08. Apr 2017

Ein Grün, das in der Seele bleibt,
Sein Leben lang fein Wurzeln treibt ...

LG Axel

08. Apr 2017

Gefällt mir, weckt Erinnerungen. So schnell, wie du schreibst, kann ich kaum lesen, Annelie.
Liebe Grüße, Marie

08. Apr 2017

Hallo, liebe Marie,
es freut mich, dass dir die paar Zeilen gefallen. Ich habe in meinem Berufsleben so schnell schreiben müssen, anderenfalls wäre viel Arbeit beim Anwalt liegengeblieben. Das schnelle, fast schon Akkord-Schreiben habe ich mir immer noch nicht abgewöhnen können. Nun schwelge du ein bisschen in deinen Erinnerungen - da kommt ganz sicher wieder etwas Gutes bei raus.

Liebe Grüße,
Annelie

08. Apr 2017

Vielen Dank für deinen Kommentar, lieber Axel.
Das hast du sehr feinfühlig nachempfunden und 'ausgedrückt'.

LG Annelie

08. Apr 2017

Au weia, liebe Noé; ich hoffe, nur Gutes. Bei mir hält es sich die Waage, das Gute und das Böse; aber das Grün bleibt - immer.

Liebe Grüße
Annelie

08. Apr 2017

Es grünt so " grün " wenn Annelie 's
Natur blüht. Hier blühen auch die
Worte. Hell und klar in grünem Flair !
Netter Samstagsgruß, Volker

08. Apr 2017

Danke vielmals für deinen grünen Kommentar, Volker.
Auch dir ein angenehmes Wochenende mit viel Sonne.

Liebe Grüße,
Annelie

08. Apr 2017

Dein Gedicht gefällt mir sehr gut, liebe Annelie.
Sehe ich doch dich darin. Zumindest ein wenig. Und unwillkürlich kramt man in den eigenen Erinnerungen.
Grüne Zeiten sind es wert, bedacht zu werden.

Liebe Grüße Lisi

08. Apr 2017

Danke, liebe Lisi, dafür, dass dir mein Gedicht gefällt. Auch euer Buch 'Herbstzeitlose' weckt in mir sehr viele Erinnerungen - an die Zeit, als ich alles verschlungen habe, darin auch nur die Namen 'Celan' und 'Bachmann' anklangen. Ich habe die Bücher von Celan und Bachmann neben mir, wenn ich im Buch 'Herbstzeitlose' lese; dann kann ich mir die darin angesprochenen Gedichte ins Gedächtnis rufen, sofern ich sie nicht mehr auswendig weiß. Noch ein paar Seiten, dann darf ich nochmal von vorne anfangen - wie jeden guten Gedichtband. Ich sehe eure Gedanken eher als gute Prosagedichte - und deshalb lese ich das Buch auch zweimal.

Liebe Grüße und eventuell frohes Schaffen am Wochenende,
Annelie

08. Apr 2017

Wie ich mich freue! Von Herzen. Liebe Annelie, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Es ist schon ein spezielles Buch. Ich danke dir sehr.
Und wenn ich lese, dass du die Gedichte sogar auswendig konntest, verneige ich mich vor dir.
In der heutigen Zeit kennen viele Schüler weder Ingeborg Bachmann noch Paul Celan. Ich sprach während der Entstehungsphase mit einer Abiturientin, die kannte beide nicht.
Sie lachte. " Oops, und das mit Leistungskurs Deutsch."
Na gut, dafür kenne ich wahrscheinlich andere Schriftsteller nicht, die sie kennt.
Trotzdem war ich ziemlich erstaunt.
Danke schön, dass du es mir geschrieben hast.

Ganz liebe Grüße an dich
Lisi

08. Apr 2017

In diesem Gedicht spiegelt sich auch ein Teil meiner Kindheit wider. Das Grün der Wiese - allerdings ohne Deich und Meer. Liebe Annelie, wie bewegend Deine Texte auf mich wirken, zauberhaft.
LG Monika

08. Apr 2017

Hallo, liebe Monika,
schön, dass du wenigstens eine Wiese hattest; aber ich hatte kein Meer, 'nur' die Elbe; hinter dem Deich entstanden die Wiesen durch kleine Gräben und zum Teil größere Priele, damit bei Flut das Wasser ablaufen konnte. In den zum Teil winzigen Gräben lebten jede Menge Frösche, die ich oft stundenlang beobachtet habe. Sie waren sehr zutraulich und hüpften mir oft auf die Arme. Auch kleine Fische habe ich gern betrachtet. Über die großen Priele bin ich oft mit Anlauf gesprungen und habe so einige Male knapp das andere Ufer verfehlt. Zum Glück schaffte ich es jedes Mal wieder - mit nassen Schuhen und Hosenbeinen - an Land. Das ereignete sich immer nur im Sommer, alles trocknete schnell und man konnte sich bald wieder zu Hause blicken lassen, als wäre nichts geschehen. - Ich freue mich sehr, dass dir meine Texte gefallen.

Liebe Grüße,
Annelie