Vielleicht grau

von marie mehrfeld
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Der Himmel zeigt sich heute grau eingefärbt mit grünen Tupfen,
vielleicht hat sich das Rote, Blaue,
selbst das Gelbe hinter dem Horizont versteckt,
hinter der schwärzlichgrauen Wand hoher Häuser,
vielleicht sind die Schattenwolken da oben so grau wie Basalt,
wie Platin oder Seide, wie Silber oder Asche, Schiefer und Rauch,
ganz sicher wandern sie schneller als gestern,
ballen sich zum Gewittergebirge zusammen,
ziehen dräuend ungeregnet über mich hinweg
und lassen mich bedrängt zurück,
Grau ist die Farbe aller Farben,
alles Bunte miteinander verrührt ergibt stets Grau,
diese Nichtfarbe ist der Übergang von Weiß zu Schwarz,
vom Leben zum Tod, die Farbe der Unterwelt,
des Schattenreiches, des Unbewussten,
das Grau prägt unser Leben,
kleine giftgrüne Blitze zucken im schwarzgrauen Osten auf,
fernes Wetterleuchten, begleitet von leisem Donnergrollen,
die Straße hebt sich, biegt sich mir entgegen
in vielleicht milchigem Grau,
Kraut in hellem Apfelgrün überwuchert die Ritzen
des Kanaldeckels und bietet der Graupalette Paroli,
vielleicht sehe ich andere Farben als Du,
vielleicht erscheint Dir mein grünes Graues braun oder gelb zu sein,
vielleicht sehe ich Tag, wenn Du dich dunkel fühlst,
vielleicht fühlt sich mir sanft an, was Du als hart wahrnimmst,
vielleicht ist meine Wahrheit Lüge für Dich,
vielleicht bin ich weich und biegsam,
wo Du hart und unnachgiebig bist,
vielleicht ist mein Mut nicht so groß, wie Du meinst,
vielleicht fließt mein Blut ungezügelter, rascher als Deins,
vielleicht passen wir deshalb zueinander,
vielleicht brauche ich Deine langsamen dunklen Worte,
damit meine schnell und hell genug werden,

vielleicht sollte ich weniger grübeln über Farben und Formen,
über die Welt, über Dich und mich
und stattdessen mehr staunen, loben und lieben ...

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Kommentare

09. Feb 2017

Danke, Annelie - aber ohne das Grübeln würde ich auf der Stelle treten und keinen Schritt weiter kommen ..
LG Marie

09. Feb 2017

Nachdenken sollte man schon, liebe Marie; aber Grübeln hilft meistens nicht weiter; weiß ich aus eigener Erfahrung. Man dreht sich beim Grübeln im Kreis. Möglicherweise meinen wir aber beide ein und dasselbe: nachdenken = grübeln. Man sollte mal den Duden oder ein anderes kluges Werk hinzuziehen.

LG Annelie

09. Feb 2017

Liebe Annelie, grübeln heißt für mich, alle Gedanken, die hellen und die dunkelen, in den "Gruben meines Hirns" zu sammeln und hin und her zu schieben, darüber nach-zu-denken und dann zu einem Ergebnis zu kommen.
LG Marie

09. Feb 2017

Ich hab' was gefunden im Internet: "31.01.2008 - Wenn Du Dich das nächste Mal beim Grübeln ertappst, achte mal auf diesen Prozess: ... Nachdenken ist also sinnvoll, zielloses Grübeln nicht."
Abhandlung unter: 'Nachdenken zulassen, Grübeln stoppen - foerderland.'

LG Annelie

09. Feb 2017

Sehr interessant, danke. Ich verteidige jedoch mein "auf ein Ziel (Lösung) gerichtetes Grübeln" durchaus, ist ja alles eine Sache der individuellen Auslegung, oder?
Liebe Grüße Marie

09. Feb 2017

... habe recherchiert und festgestellt, dass "Grübeln" tatsächlich eher negativ besetzt ist, da hast du recht. Also wirklich weniger grübeln und mehr loben, lieben ...
LG Marie

09. Feb 2017

Denken - Grübeln - Zermartern… Die gute und schlechte Seite in mir. Ab Mitte Grübeln rufe ich mich zur Ordnung und schaff mich wieder rüber zum Denken… Und in der Nacht, schlafe ich mit etwas Glück, gnädig darüber ein, um dann klarer denkend den Tag zu beginnen.
Liebe Grüße
Soléa

Marie Mehrfeld
10. Feb 2017

Ja, zum Glück grübelt man morgens weniger, "alles auf Anfang", sozusagen. Gibt es Menschen, die nie grübeln? Ich meine, nein.
Danke, Soléa, ich wünsche dir einen sehr guten Tag.

Detmar Roberts
09. Feb 2017

Marie, da mische ich mich ein. Ich habe mich bei Wikipedia schlau gemacht. Grübeln kommt von graben und verweist auf ein unermüdliches Sich-in-die-Tiefe-Vorarbeiten. Noch in der Romantik hatte das Grübeln ein positives Vorzeichen, es galt als eine Art Tiefsinn des Gemüts und war erwünscht. Selbst der deutsche Philosoph Walter Benjamin (1892-1940) sprach noch vom „Reichtum alten Grübelns“. So scheinst du es auch gemeint zu haben. Inzwischen hat sich der Begriff, wie hier auch erwähnt, ins Negative verwandelt. Also – wirklich weniger grübeln, Marie! Ich gebe allerdings zu, dass auch ich mich oft ins Grübeln verstricke und nur schwer den Ausgang finde ...
Grüße D.R.

09. Feb 2017

Danke, Detmar. Ja - ich weiß genau, dass nicht nur ich gelegentlich ins Grübeln verfalle.
LG Marie