Geschenk auf Zeit

von marie mehrfeld
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Hör das grelle Summen, den grauen Dauerton über dem lieblichen Maiengrün der Büsche, Wiesen und Wälder in Blüte, hinter dem das Licht des Tages schwindet, mein Lieber, die Schleusen sind geöffnet für den Hass, zwischen Nationen und Religionen, und auch für die ganz großen Bomben, die längst gebaut sind und in geheimen Regalen lagern, Zeigefinger
machtwütiger Potentaten lauern in Federfühlung mit roten Knöpfen, die unsere Welt in

Brand setzen und vernichten könnten, mein Lieber, spürst Du auch das Stakkato kurzatmig leerer Versprechungen und verstrichener nicht eingehaltener Fristen und Drohungen, die um die Welt rasen gemeinsam mit den ungeheuer riesigen anonymen Geldströmen und den unzählbaren gestammelten Silben und Bildern, die von Liebe sprechen, aber auch von Tod und Verderben, doch wir erfahren nichts, obwohl wir ununterbrochen hören und sehen,

denn wir sind abgestumpft von den Botschaften des Horrors in Ton und Bild, die sich gegenseitig aus den Verstecken jagen, wir schmücken unsere Reden mit Worten, mit denen wir die Wahrheit über das mögliche Ende und wie wir es verhindern könnten, zudecken, so dass es kaum noch sichtbar ist, das Übel, denn wir lieben unsere Behaglichkeit über alles, nichts wissen wir, je mehr wir lesen und hören, desto verwirrter sind unsere Sinne, was ist

wahr, was gelogen, Hirn sollte vom Himmel fallen, das sich mit Herz verbündet, das könnte uns retten, und so falten wir das Restlicht der Hoffnung und kneten es zwischen unseren Fingern, bis es zu Staub zerfällt, wir wissen um unsere Hilflosigkeit, ohne Frage, mein Lieber, dabei hat der blaue Planet Brot und Wasser für alle Lebewesen, wenn die Menschen nur endlich die Einmaligkeit dieser Erde begreifen würden mit ihrer reichen Natur, der Pflanzen-

und Tiervielfalt, den gigantischen Ozeanen, Meeren, Flüssen, Bächen und Seen, der zauberhaften Formen- und Farbenvielfalt, die wir mit allen Sinnen genießen dürfen, und unsere Dankbarkeit sollte angesichts der Schönheit der Erde so groß sein, dass wir beginnen, dieses Geschenk auf Zeit zärtlich zu betrachten, zu behandeln, in Liebe zu teilen und nicht nur die Waffen zu vernichten, sondern auch feindliches Denken, Sagen und Tun, mein Lieber.

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92 Seiten / Taschenbuch
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Kommentare

11. Mai 2018

Mein lieber Schwan, Marie! - Diese Worte sollten die Elefanten in alle Richtungen trompeten und die Menschen sich hinter die Ohren schreiben. Was für ein monumentales Plädoyer für Achtsamkeit, Respekt und Frieden. O Hirn, falle endlich vom Himmel und niste Dich ein im Kopfe Trumps - dort ist genügend Platz, weil völlige darin Leere herrscht, wie seine letzte Entscheidung, den Iran betreffend, mal wieder beweist.

Liebe Grüße,
Annelie

12. Mai 2018

Danke, Annelie, ja, das sollten die grauen Dickhäuter laut in die ganze Welt trompeten, nur leider ist ja auch ihre Art vielfach bedroht, die Worte fielen mir leicht, weil ich mit einer gewissen Wut darüber erfüllt bin, wie wir mit viel Hirn, aber offenbar zu wenig Herz ausgestatteten Menschen drauf und dran sind, unsere Umwelt zu zerstören, überall gibt es neue gute Ansätze, die Hoffnung machen könnten, aber das Dröhnen und Drohen jener "demokratisch Gewählten", die leider grade in vielen Ländern an der Macht sind (Trump an vorderster Stelle) machen alle guten Tendenzen zunichte ...

Liebe Grüße zurück - Marie

11. Mai 2018

Die Erde ist ein Wunderwerk -
Doch leider bleibt der Mensch ein Zwerg ...

LG Axel

12. Mai 2018

Er könnte ja ein Riese sein -
doch Egoismus macht ihn klein.

Danke und liebe Grüße - Marie

12. Mai 2018

Ein starker Text, der mich jetzt überwältigt hat. Marie! Dafür danke ich Dir.
Deine lichtvollen Worte sollten die Köpfe jener Despoten erhellen, dass endlich Hirn vom Himmel fällt. Ach, könnte Dein aufrüttelndes Gedicht sie erreichen:
>Dankbarkeit sollte angesichts der Schönheit der Erde so groß sein, dass wir beginnen, dieses Geschenk auf Zeit zärtlich zu betrachten, zu behandeln, in Liebe zu teilen und nicht nur die Waffen zu vernichten, sondern auch feindliches Denken, Sagen und Tun<.

LG Monika

13. Mai 2018

Liebe Monika, danke für Deine Worte, ja, man spricht es immer wieder an und aus. Und man hofft. Aber die Wehretats aller Länder steigen und steigen, unserer auch, und die Geschichte lehrt uns, dass der Hochrüstung Kriege folgen, das liegt alleine schon im Interesse der Waffenindustrie, die widersinniger Weise als „Wirtschaftsmotoren“ betrachtet werden. Deutsche Waffenwertarbeit ist international sehr begehrt. Und dann immer wieder die Erkenntnis, dass alle Kreaturen sehr wohl auf diesem Planeten verträglich und auskömmlich zusammen zu leben könnten - wenn wir Menschen es denn wirklich wollten. Es ist zum Verzweifeln, aber das bringt uns nicht weiter, wir müssen unser eigenes Leben dennoch mit möglichst viel Zuversicht leben – und im kleinen Rahmen tun, was wir können.

Liebe Grüße - Marie

12. Mai 2018

„Mein Lieber“, liebe Marie sagt MIR einiges. Ich könnte deine innigen Zeilen sofort an manche/n weitergeben.
Am besten noch, mit erhobenen Zeigefinger.

Ich wünsche dir einen schönen Abend und herzliche Grüße
Soléa

13. Mai 2018

Danke für Dein Interesse an dem Prosagedicht, liebe Soléa. Man könnte es mit dem optimistischen Spruch versuchen, den man hören kann, "wir Menschen haben es doch immer wieder hinbekommen, irgendwie wird es sich zum Guten wenden", und es gibt Statistiken, die von der verbesserten Weltlage sprechen, was den Welthunger betrifft. Aber nicht nur für mich fühlt sich vor allem die unüberschaubare Lage im Nahen Osten, in die auch die Großmächte involviert sind, brandgefährlich an, es wird mit der Möglichkeit eines Atomschlags gedroht, und es sind ebenfalls glaubhafte Statistiken, die von einem rapiden Schwund der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen berichten. Wir sollten trotzdem weiter hoffen, was denn sonst.
Liebe Grüße - Marie