mein alter Kopf trägt Schnee

von Marie Mehrfeld
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in letzter Zeit lieg ich des Nachts oft wach,
dann fühl ich mich verlassen und auch schwach,

zwar fürchte ich mich nicht vor euch, Gespenster,
doch als ein Vogel sang vor meinem Fenster -

so rabenschwarz wie Pech war sein Gefieder -
erschreckten mich die Todesklagelieder,

in dunklem Moll erklangen seine Weisen,
von alter Zeit erzählten sie, vom Reisen,

vergangnen Lieben und von wildem Schmerz,
sie schnitten Schrunden mir in’s bange Herz,

und während dieser Vogel traurig sang,
sah ich ein Licht, das aus dem Himmel sprang,

es tauchte alle Dunkelheit in Gold,
erhellte mein Gemüt, ganz ungewollt,

siehst du es nicht, mein alter Kopf trägt Schnee,
weil nur beim Träumen ich dich lächeln seh …

13. Januar 2020

Buchempfehlung:

[numberofpages] Seiten / Taschenbuch
EUR 9,50

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Kommentare

16. Jan 2020

Ich flecht’ das Haar zu einem Zopf -
und mag den Schnee auf meinem Kopf …

LG mit Dank zu Dir, Axel –
Marie

13. Jan 2020

Wunderschön gechrieben. Aber du musst dir keine Sorgen machen. Das waren meine
Kolkraben Hugin und Munin. Ich habe sie mir von Odin (Wotan,Wodan) ausgeliehen.
Beide sollten bei dir vorbeischauen. Zur Sicherheit, nicht zur Sorge.
HG Olaf

16. Jan 2020

Ja, lieber Olaf, schick die beiden ur-germanischen Raben nur zu mir; sollten sie hungrig sein, bekommen selbst gebackene Weihnachtsplätzchen, die kann man ja nicht ewig aufheben …

HG zurück - Marie

14. Jan 2020

…meiner, liebe Marie, trägt auch Schnee, hoffe voller Erwartung, er taut bald weg!

Sei lieb in den Morgen gegrüßt
Soléa

16. Jan 2020

Liebe Soléa, den Kopfschnee tragen wir mit Würde, er ist für uns mehr Schmuck als Bürde …

sei herzlich zurück gegrüßt - Marie

14. Jan 2020

Beim Dichten werden Köpfe jung!
Das ist der Träumer-Quantensprung!

Liebe Grüße
Alf

16. Jan 2020

Dein Reim ist wahrlich sehr gewitzt –
man spürt es deutlich, wie er blitzt …

LG Marie

14. Jan 2020

Wenn etwas nach irdischen Maßstäben unwiderbringbar verloren ist, dann können wir uns diesem in unseren Träumen wieder annähern.
Ein wunderschönes Gedicht und so auch sein Klang, findet mit herzlichen Grüssen zu Dir, liebe Marie, Ingeborg

16. Jan 2020

Lieben Dank für Deinen klugen Kommentar, Ingeborg; ja, mit Glück holen wir uns beim Träumen Vergangenes vorübergehend zurück …
HG zurück - Marie

14. Jan 2020

Derweil ich schlafend lag - ein Stündlein wohl vor Tag...
Und wenn die Sonne wieder aufgeht,
mögest Du den Gesang der Vögel wahrnehmen,
und möge das Moll in strahlendes Dur modulieren!

LG Britta

16. Jan 2020

Liebe Britta, danke; die Umwandlung von Dur in Moll vollzieht sich schon, wenn auch langsam, Schritt um Schritt …

sei lieb zurück gegrüßt -
Marie