Der letzte Brief

von Johanna Ambrosius
Aus der Bibliothek

„Noch die Adresse“, tönt es von den Lippen
Der armen, kranken, schwergeprüften Frau.
„Will erst ein wenig von dem Trunke nippen,
„Der gibt mir Kraft, sonst schreib ich nicht genau;
„Bin auch mit Mühe nur dem Bett entstiegen,
„Und klopft das Herz so stürmisch und geschwind,
„Die Mutterliebe wird noch einmal siegen,
„Ich schreib‘ ja an mein einzig Herzenskind.“

Die Feder in der Hand, so hat man sie gefunden,
Daneben lag ein Brief, dem Aufschrift fehlt.
Der Tod hat Mutterliebe überwunden,
Auch Not und Armut, die oft heiß gequält.
Schlaf ruhig, treues Herz, Englein die lieben,
Die dich zum ew’gen Schlafe wiegten ein,
Sie haben deinen Brief zu End’ geschrieben
In deines Kindes Herz mit Demantstein.

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