Stadtnacht

von marie mehrfeld
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U-Bahn Türen schließen sich zischend,
danach einige Minuten Stille auf den Bahnsteigen
um halb drei Uhr nachts.

Die Rolltreppe aufwärts, sie rattert.
Straßenbeleuchtung spiegelt sich in dem regennassen Asphalt.
Verhaltenes Hupen von weit her.

Bewacht von ihren aufmerksamen Hunden
drei Männer auf Isomatten vor dem Kirchenportal.
Sie schlafen ihren Rausch aus.

Undefinierbares klappert in der Ferne.
Ein streunender Kater schnüffelt an halb vollen Bierflaschen.
Die Hunde vertreiben ihn knurrend

Die rumänischen Bettler sind verschwunden.
Keiner weiß, wo sie die Nächte verbringen.
Morgens hocken sie wieder da.

Stadtstreicher Karl findet keine Ruhe.
Er denkt besorgt an den kommenden Tag
und an sein früheres Leben.

Fünf Uhr in der Frühe.
Männer mit Besen entfernen Restmüll vom Vortag.
Die Stadt wacht langsam auf.

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92 Seiten / Taschenbuch
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Kommentare

Detmar Roberts
18. Feb 2017

Marie, beim Lesen deiner sieben 5-7-5 Gedichte ensteht ein Bild vor meinen Augen, ich sehe dem räudigen Kater zu, wie er an Bierflaschen schnuppert, rieche und höre deine Stadtnacht. Gefällt mir.
Grüße D.R.

18. Feb 2017

Starke Bilder spiegeln die Wirklichkeit,
zeichnen deutlich Karls Hoffnungslosigkeit.
Machen beklommen. Gehen in die Tiefe.
LG Monika

18. Feb 2017

Die Zentren der Großstädte gehören nachts
den Gestrandeten unserer Gesellschaft.
So unglaublich viele "Nicht-Sesshafte" in Deutschland ...
und die Zahl nimmt ständig zu. Traurig.
Danke, Monika -
und liebe Grüße
Marie