METROpole

von Monika Jarju
Mitglied

in die metro stieg sie ein
ihr schwarzer mantel flog auf
die bleichen knie leckten am roten kleidersaum
der zug donnerte durch den tunnelwald
sie parkte ihr handy am vorlauten mund
liebe? schrie sie hinein
komm mir nicht damit
fest presste sie ihre weißen schenkel übereinander
und zog keinen blick auf sich
ihr lachen trudelte über den boden wie eine leere flasche
schlingerte um frauen, schlug heftig an männer
ich bin workaholic, du hältst mich ab und sowieso
ich verstehe dich nicht
stießen ihre maskierten lippen ins mikro
der zug duckte sich, kroch leise weiter
männer stierten gebannt zu boden
liebe? damit kann ich nichts anfangen
ich treibe sport, keine zeit und du bist fünfzig!
schnell nahm der zug eine kurve
frauen hielten bücher fest
steh ja nicht vor meiner tür, rein kommst du nicht!
liebe? wovon redest du, spinnst du?
flecken blätterten ihre schminke auf
der zug fuhr bebend in den bahnhof ein
such dir ein hobby oder einen therapeuten!
die türen sprangen auf
na gut, auf einen kaffee, lenkte sie ein
weg war sie
wir lächelten einander an
– aus liebe?

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Interne Verweise

Kommentare

20. Mai 2018

Die Gleichberechtigung kommt hier zum Zug; sie sitzt gewissermaßen drin ...
'Ne Wucht ist dies Gedicht; man MUSS es lesen und das super Bild sehn:
Beides macht nicht nur enormen Sinn: Es unterhält und bringt den Lesern noch dazu Gewinn.

Liebe Grüße,
Annelie

20. Mai 2018

Ein armes tiefverletztes Mädchen, ein spannendes Gedicht zum Zweimallesen.

Liebe Grüße,
Susanna

20. Mai 2018

Danke, Annelie und Susanna! - das war mal wieder ein Erlebnis auf der Linie 7.
Schöne Pfingsten Euch beiden, Monika