Gebieterin – unter lauter Narren ...

von Annelie Kelch
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O wilde Sommerrose, immer fliehst
Du uns jäher denn im Winter das Eis bricht.
Willst nimmermehr prunken?
Kannst uns nimmermehr leiden sehen?
Hältst uns nimmermehr dein feuriges Messer
An unsere Kehlen? Hast uns heuer genug
Gepeinigt mit deiner kurzen heißen
Liebe?, Gebieterin, du – unter lauter Narren ...

Bald wird 's quellen dämmerweis
Aus den großen Wäldern leis
Zur Treibjagd rüsten die Jäger
Und wie Feuer brennt das Halali
Bereits auf ihren kalten Lippen
Verächtlich wie erkaltete Kippen
Töten ... während die Windsbraut
Den Schmollmund spitzt zum Kuss
Für den Sturm, ihren Luftikus

Noch suche ich selige Orte
Jenseits der Himmelspforte
Warme Flecken unter der Sonne
An den Wänden, auch wenn die Tür langsam
Ins Schloss fällt, bete ich immer noch
Dass sie das Feuer, diese Wahnsinnsglut,
Hütet in ihrem Schoß, bitte ich sie
nicht abermals aufzurüsten

Noch stehen die Schiffer breitbeinig in ihren
Booten; nichts, das aus dem Ruder liefe –
Bis Meereswellen aufbegehren
Im heftigen und hehren
Verlangen, sich an einsamen
Felsen aufzurauen

Nicht mehr weit hin bis zur Fluchtstunde, bis zum
Sturm, der das Zelt aus seinen Heringen reißt, samt
Eva forttreibt ... Und krank vor Sehnsucht
Nach seiner Geliebten zerbeißt Adam den bröckelnden
Zahn der Zeit, damit er nicht länger an ihm nagen kann.

Quelle: pixabay; Copyright: Annelie Kelch
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Kommentare

26. Aug 2018

Liebe Annelie, trotzdem ich unter der heftigen Hitze ein wenig kreislauftechnisch litt, graust es mich jetzt schon vor dem Abschied des Sommers und dem Abschied flammender Sommerrosen... (nur meine weiße Kletterrose blüht mit letzter Knospe bis zum 24.Dezember)

Du malst da ein herbes Szenario von Jagd und kalten schmallippigen Jägenr die Töten, der Schiffsbesatzung auf den windgepeitschten Booten... puh. Herrliche Bilder! Sehr originell die Windbraut. Ach,wieder so viele symbolträchtige Motive, man kann lang darin schwelgen... und bibbern.

Erfreuen wir uns also noch am besten die letzten Tage an den herrlichen Sommerrosen

liebe Grüße
Anouk

26. Aug 2018

Liebe Anouk, in den letzten Tagen war hier bereits Herbst - und ich habe im T-Shirt bei offenen Fenstern gebibbert und musste mir einen Pulli überziehen. Geregnet hat es auch - nicht wenig. Aber besser so, dachte ich, als dauernd Rettungswagen mit kreislaufgeschädigten Menschen vorbeifahren zu hören und das Elend auf den Feldern in der Tagesschau zu sehen. Jäger töten ... Das ist so - nicht gut. Wilderer töten auch, das ist auch nicht viel besser.
Aber es gibt ja auch schöne Herbsttage ohne Halali, und es sollte viel mehr Kletterrosen geben, die bis zum 24. Dezember blühen, liebe Anouk. Mit Sommerrose meinte ich die Sonne, die es in diesem Jahr wohl zu gut mit uns meinte. Hoffentlich geht sie in sich und präsentiert sich im nächsten Jahr weniger übermütig. Zeit genug, ihre Position zu überdenken, hat sie ja bis dahin.

Danke für Deinen lieben Kommentar und
einen schönen Sonntagabend,
Annelie

27. Aug 2018

Dein schönes Gedicht erzählt von Schatten und Licht:
Gerne habe ich es mir verinnerlicht …

Viele Grüße aus meinem kühlen und verregneten Ort,
die Sonne so scheint es, ist über Bord …
Soléa

27. Aug 2018

Danke, liebe Soléa, für Deinen freundlichen Kommentar. Ja, die Sonne ist über Bord ... aber ich denke, dass sie sich in diesem Jahr noch einmal wird blicken lassen - nicht gar so heftig wie zuvor, und das ist auch gut so. Aber wir wissen es nicht ... was wissen wir denn schon, können das Wetter, wenn überhaupt, nur negativ beeinflussen.

Viele Grüße auch zu Dir nach Frankreich, und nimm
das olle Wetter nicht so tragisch,
Annelie

27. Aug 2018

Dein starkes Sommerabschiedsgedicht
geht mit der Jagd, dem Töten
(aus Lust), stark ins Gericht.
Dafür Ein Dankeschön, das ist vonnöten.
Der Hitzebann ist hoffentlich gebrochen:
>Dass sie das Feuer, diese Wahnsinnsglut,
Hütet in ihrem Schoß, bitte ich sie
nicht abermals aufzurüsten<
Eindrucksvoll ist Deine Poesie!
Geschmückt mit reicher Fantasie.
Danke, liebe Annelie.

LG Monika

27. Aug 2018

Dank, liebe Monika, fürs Lob, so reich verwoben ...
fast wie ein Fingerzeig, von ganz hoch oben.
Das Lied: "Ich bin ein freier Wildbretschütz
und hab ein weit Revier ..."
bekäme, wär ich Lehrerin,
von mir 'ne glatte Vier.

LG Annelie

27. Aug 2018

"Nach seiner Geliebten zerbeißt Adam den bröckelnden Zahn der Zeit, damit er nicht länger an ihm nagen kann", ganz besondere schöne Anne Li Worte, wir stöhnen heftig über die dauerhafte Hitze, sie nimmt Lebensqualität und verheißt nichts Gutes für die Zukunft, wir meckern dennoch, wenn sie mal drei Tage nicht scheint und die Temperaturen nach unten gerutscht sind. Ich habe diesen Sommersommer verwünscht - und werde ihn vermissen, wenn er vergangen sein wird.

Liebe Grüße - Marie

27. Aug 2018

Liebe Marie, danke für Deinen ausgezeichneten Kommentar. Der Sommer ist (fast) vorbei. Er ging sehr schnell vorüber. Frühling gab es kaum. Seit mehreren Jahren schon fällt mir auf, wie schnell die Jahreszeiten vergehen, der Winter dauert am längsten, er geht einem auch am ehesten auf die Nerven. Ohne Pullover oder Jacke kann man momentan nicht sein, wenn alle Fenster geöffnet sind. Das war das beste an der Hitze, dass man leichte Kleidung tragen konnte und endlich Luft an die Haut kam. Ich wünsche Dir noch ein paar schöne Sonnentage - damit Du nicht meckern musst, meckerst wohl so vor Dich hin zu Haus, ähnlich wie ich, wenn ich ein Buch nicht finden kann ...

Liebe Grüße und einen schönen Abend,
Annelie