Raues Meer

von Annelie Kelch
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Raues Meer – das graue
wellige Haar eines alten Mannes,
der in beiden Weltkriegen kämpfte.

Schön und dunkel kommt nachts die Flut -
mit Lippen aus Schaum wie jener
vor den Nüstern kranker Pferde.

Der Strand macht Platz
und empfängt sie mit Würde.

Sie lässt alles zurück,
womit man ihr Wasser gedemütigt hat
und viele tote Fische.

Wir sammeln und sammeln -
Müll, Erfahrungen, Tugenden ...

Die Wellen spielen mit Plastikflaschen,
Fischernetzen und Korken.

Das Blut an den Scherben der Glasflaschen
und an unserer Haut fließt zurück ins Meer.

Meine Hand gräbt eine Kuhle
für den verwundeten Fuß.
Ich stelle ihn hinein und
bedecke ihn mit nassem Sand;
nun darf er ruhn.

Auf weißen Burgen ringsumher flattern bunte Fahnen:
Bis hierher und nicht weiter - oder wir schießen ...

Meine Seele geht ohne Gummiflügel baden
und ertrinkt in den tosenden Fluten.

Ich schwimme hinterdrein, um sie zu retten:
Den Sarg, darin ich nimmer liegen wollte,
könnt ihr euch sparen.

Bis zu 670 Plastikteile liegen auf «Henderson Island» an einem Quadratmeter Strand. Kleines Foto: Krabbe baut sich ein Haus aus Plastik. Bild: EPA/AAP/IMAS
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Interne Verweise

Kommentare

27. Jun 2017

Das schafft der "Sapiens" stets perfekt:
Kaum entdeckt - doch schon verdreckt!

LG Axel

27. Jun 2017

Dank Axel, dir, für deinen sachlichen Kommentar:
Henderson Island im Südpazifik wunderschön einst war.
Jetzt bauen sich die Krabben ihre Häuser aus Plastikmüll, ungelogen, wahr!
An einem Müllstrudel liegt die Insel leider ganz ganz nah,
und der meiste Schiet - so die Forscher - käme aus Asien und Südamerika.
Das ist alles aber auch nur ganz grob gezählt und gesichtet;
es sei viel schlimmer noch als es aussehe, wird berichtet.

LG Annelie

27. Jun 2017

Menschen werden immer zahlreicher, perfekter und rascher im Zerstören der eigenen Lebensgrundlagen. Dein Gedicht lehrt mich das Gruseln. Intensiv und schockierend.

LG Monika

27. Jun 2017

Danke, liebe Monika, für deinen Kommentar. Ich kann es auch nicht verstehen, wie man es übers Herz bringen kann, unsere Meere, Flüsse und Seen dermaßen zu verschmutzen. Was ist dagegen Asche aus einer Urne, die man ins Meer oder in einen großen Strom - zum Teil - rieseln lässt? - Nichts. Vom Winde verweht. Aber das ist unter Strafe gestellt.

Liebe Grüße zu dir und Nube,
Annelie

27. Jun 2017

Hallo Annelie,
das Eine weiß ich ganz genau, der Mensch ist manchmal eine Sau!

LG Ekki

27. Jun 2017

Da hast du, lieber Ekki, recht:
Der Mensch ist manchmal mehr als schlecht.
Danke für deinen direkten Kommentar,
der ganz und gar nicht unter aller S... war.

Liebe Grüße,
Annelie

27. Jun 2017

Liebe Annelie, es ist nicht zu verstehen. Auch nicht das die Tüten in den Geschäften immer mehr abgeschafft werden, aber für ein paar Cents verkauft werden. Warum nicht Jute? Diese Halbherzigkeit nützt keinem was. So wie es auf Deinem Bild aussieht, sieht es bei uns an den Landstraßen stellenweise aus. Der (Müll) Mensch ist schlicht und ergreifend, doof!

Liebe Grüße
Soléa

27. Jun 2017

Danke, liebe Soléa, für deinen Kommentar aus dem Urlaub.
Ich kann es kaum glauben, dass es stellenweise auch an Landstraßen so aussehen soll.
Es ist schon richtig, dass man Geld dafür ausgeben muss, wenn man Dinge loswerden will, muss, weil man sie ja nicht einfach in der Landschaft zurücklassen will. Ich habe das bei meinem Umzug von Hamburg nach Lübeck erfahren. Aber besser ist es, ein wenig Geld dafür auszugeben, als Kühlschränke, Mobiliar und Müll durch die Gegend zu werfen. Die Stadtverwaltung weiß immer irgendeinen Rat, man darf nur nicht lockerlassen.

Liebe Grüße nach Mauritzius (habt ihr die blaue Briefmarke von 1847 schon irgendwo auftreiben können?
Hoffentlich nicht, sonst schreibst du keine Gedichte mehr, sondern gehst nur noch shoppen - Witz - : -))).

Liebe Grüße,
Annelie

28. Jun 2017

Oh je, liebe Annelie, die blaue Mauritius zu Geld gemacht, brächte so 1 000 000€. So viel Zeit und Lust hätte ich nicht, um die zu verprassen. Ich gebe mein Geld lieber für Essen aus :-)) Wenn ich wieder zu Hause auf Tour bin, steck ich mir die Kamera ein. Auf meinem Radweg liegt dieser Müllabladeplatz. Wie ein Magnet wird regelmäßig dort Dreck abgeladen und wieder von der Gemeinde entsorgt. Ich hätte schon längst einen Jäger beauftragt sich dort auf die Lauer zu legen (es ist ein Jagdrevier) um Kennzeichen zu notieren. Ein drei Personen Haushalt kostet in Fr. in unserer Region zirka 320€ Müllgebühren im Jahr. Wir können alles was nicht in die Tonne darf auf die Dechetterie (Abfallentsorgung) bringen. Und auch im Ort selbst gibt es, an einem Feldweg gelegen, einen Platz wo man die Möglichkeit hat, Baumschnitt und Mähreste, also alles Natürliche, zu entsorgen.Wenn der "Berg" groß genug ist wird er von der Gemeine abgefackelt. Man staune, sonst wird auch nichts dort abgeladen... kein Müll!

Für mich sind Umweltverschmutzter, Asoziale! Punkt!

Liebe Grüße machen sich auf den weiten Weg zu Dir...
Soléa

28. Jun 2017

Danke, liebe Soléa, für deinen ausführlichen Kommentar. Da habt ihr mit der Dechetterie eine wirklich gute Regelung - und den Restmüll dorthin zu bringen oder bringen zu lassen, dürfte für niemanden ein großes Problem darstellen. Ich habe bei meinem letzten Umzug Möbel, die ich nicht mehr haben wollte, von der Stadt "entsorgen" lassen, die sie dann verschenkt oder verkauft haben. Die Männer haben diese Möbel direkt aus der Wohnung geholt und vier Stockwerke hinuntergetragen. Das hat insgesamt, meine ich mich zu erinnern, rund vierzig Euro + Trinkgeld gekostet - und ich war damit die Sorge los.- Ich glaube, bei uns in Deutschland sieht es sogar noch einigermaßen gut aus, was die Umwelt betrifft - obwohl, in Hannover hat mal ein Schweizer gemeckert, der neben mir in einer Buchhandlung stand, in Deutschland sei es überall sehr schmutzig; in der Schweiz sei alles viel sauberer; dabei ist Hannover noch eine der saubersten Städte Deutschlands.

Liebe Grüße, die butterweich zu dir hinüberfliegen,
und noch einen schönen Resturlaub,
Annelie

28. Jun 2017

Liebe Annelie, dein eindrucksvolles Gedicht über einen traurigen Tatbestand berührt mich. Es ist ein weltweites Problem. Mir fällt dazu nur ein, dass wir vor unserer Haustüre beginnen müssen, etwas zu verbessern, da gibt es so viel zu tun. Wenn ich durch den hiesigen Park spaziere, bücke ich mich regelmäßig auch für fremden Müll und spreche Kinder an, die grade ihre ausgetrunkene Caprisonne-Plastikpackung auf die Wiese geworfen haben. Manchmal habe ich Erfolg und bringe sie dazu, die Packung aufzuheben und korrekt zu entsorgen.

Liebe Grüße, Marie

28. Jun 2017

Liebe Marie, du tust sehr viel für die Umwelt. Ich bücke mich auch manchmal, aber eher selten; meistens hebe ich auf, was anderen heruntergefallen ist und trage es hinterher - oder den Verkäuferinnen und EinsortiererInnen im Supermarkt, wenn denen etwas herunterfällt, und das passiert sehr oft, hebe ich es immer für sie auf, weil die doch genug zu schleppen haben und oft auf einer Leiter stehen. Einmal habe ich mir dabei einen Hexenschuss geholt - jedoch werfe ich nie etwas durch die Gegend, behalte Tüten, auch kleinstes Papier etc. solange in der Hand, bis ich an einen Abfallkorb vorüberkomme. Früher habe ich auch öfter zu Kindern gesagt: "Könntet ihr euren Müll nicht in den Abfallkorb werfen? - Die Erfolgsquote war sehr niedrig. - Aber mit dem Müll in unseren Meeren und Strömen ist es noch viel krasser. Das müsste besser überwacht werden, meine ich. Hab' recht herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Das sind dann wohl auch eher liebe Kinder, die Capri-Sonne und keine aufputschende, zuckersüße, Zähne ruinierende Cola oder Alkohol trinken, die lassen sich wohl auch eher dazu anleiten, die Umwelt zu (ver-)schonen.

Liebe Grüße und noch einen schönen Abend für dich,
Annelie

01. Jul 2017

Es fängt so idyllisch an, und dann führst du uns in unser eigenes Versagen.
Das ist schon gekonnt, Annelie!

02. Jul 2017

Danke, liebe noé, aber ich wollte euch oder die Leser keineswegs deprimieren. Ich war von meinen eigenen Gedanken und dem Bild selber so deprimiert, dass das Gedicht gar nicht anders als negativ enden konnte. Es kommt so gut wie nie vor, dass ich mich hinsetze und denke: So, jetzt musst du aber mal etwas Schönes bzw. Gruseliges schreiben, um die Leser bei Laune zu halten. Es kommt ja auch ganz auf das Thema an, das einem im Kopf herumspukt - und wenn ich mir vorstelle, dass es an den Stränden der Nord- und Ostsee auch bald so aussieht, packt mich das kalte Grausen. Das soll dir aber keineswegs den Sonntagabend verderben.

Liebe Grüße und einen wunderschönen Sonntagabend,
Annelie