wenn der Schatten wächst

von marie mehrfeld
Mitglied

und so stehe ich stumm in der Dämmersstunde
unter deinem halb geöffneten Fenster, von was
du nur träumst, und ich atme die Trauer deiner

schlafenden Augen ein, schaue den letzten blass
golden geschliffenen Lettern der Hoffnung zu,
wie sie sich lösen vom Firmament in schweren

Tropfen und sich zwischen allen Horizonten fallen
gelassen von Winden getrieben dir in den Haaren
verfangen, wie zwei Inseln schwimmen wir neben

einander her im Meer der Gefühle, das uns trennt
und zugleich auch vereint, ineinander verflochten,
indes oft uns fremd haben wir das rasende Reisen

vom Klang der Schienen genommen, beschreiten,
auf Reime der Sehnsucht gestützt, nun gemächlich
die sanften Wege zwischen den dunkel begrünten

Gärten, immer noch froh, selbst wenn der Schatten
wächst und wir wissen, dass er sich im Abendgrau,
das da kommen will, nehmen wird, was er braucht

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Kommentare

30. Mai 2019

ja, er nimmt sich alles...

gut!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

LG Alf

30. Mai 2019

Der Schatten wächst -
Doch auch das Licht -
Von dem Dein Text
In Worten spricht ...

LG Axel

30. Mai 2019

Der Schatten holt uns alle ein.
Wir fragen uns, wann wird es sein?

LG mit Dank - Marie

30. Mai 2019

Auch wenn der Schatten weiterwächst
Trauernder Tropfenträume am windgetriebenen Firmament
Schwimmender Horizonte – so – reist man nicht allein,
sondern im vereint gedacht sich verflechtenden Fühlen,
darin nicht fremd ein Klang des Sehnens vernommen,
sanft gemächlich begrünt und bekannt in jenes nehmende
Abendgrau, das in goldgeschliffenen Lettern gelinde niederregnet.
- Tief eindringend - LG Yvonne

30. Mai 2019

Große Freude - nicht nur - über über Dein „tief eindringend“, Yvonne,

LG Marie

30. Mai 2019

Drei Blätter in zweien im Foto,
hundert Gefühle und schattenlose Gedankeblitze im Gedicht.
Meer und Feldfluren in Marie.
LG Uwe

30. Mai 2019

Bezaubernd und tiefsinnig, deine Zeilen, liebe Marie.

Sei lieb gegrüßt
Soléa

31. Mai 2019

Danke für Deine lieben Worte, Soléa, sei herzlich zurück gegrüßt!

Marie

31. Mai 2019

Hallo Marie,
Schatten existieren nur wo Licht ist, deshalb lass uns scheinen solange wir können.
Berührende Bilder, die ich gut verinnerlichen kann.
LG
Manfred

31. Mai 2019

Je länger die Schatten werden, desto mehr Licht brauchen wir;
ja,, lass uns scheinen, so lange wir können, Manfred ...

LG Marie

02. Jun 2019

Beeindruckend vorahnungsvoll, liebe Marie!Mit der wachsenden Reife der Jahre kommen Gedanken an den letzten Schatten häufger in den Sinn.Vor einiger Zeit kammir zum Thema ein etwas aufbegehrende Spruch in den Sinn:

************************
wissen & glauben

wir wissen
eines tages sterben wir
aber wir glauben es nicht

****************************

Noch immer nicht!
Liebe Grüße, Walter

02. Jun 2019

Danke, Walter; ja, ahnungsvoll; wir wissen es und glauben es nicht, weil wir Hoffnung brauchen. Der Vers aus dem 90 Psalm: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ – ist für mich eine der hilfreichsten Aussagen der Bibel. In diesem Psalm steht auch: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“ Das ist zugleich auch hohe Poesie. Dass die Schatten wachsen, spüre ich nicht nur im persönlichen Umfeld …

liebe Grüße zurück - Marie