Genug gesagt

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Da war ein Singen, Trösten, Kosen, da warn des Sommers letzte Rosen, tiefrot warn sie mit süßem Duft, viel Zärtlichkeit lag in der Luft, gestreichelt war man von der Liebe und sich so sicher, dass sie bliebe für alle Zeiten, ja, für immer, das war der Kindheit goldner Schimmer;

die ersten Jahre waren hell, doch sie vergingen viel zu schnell, es kam Zerstörung, Bomben, Feuer, der große Krieg, das Ungeheuer; und mit der harten Hungerzeit im Schlepptau kam die Einsamkeit, vertrieben aus dem Paradies, das Lächeln, Hoffen mich verließ;

bang fragt’ ich mich, wie geht das – lieben? und wuchs heran; die Tränen blieben; doch nach und nach erkannte ich, jetzt ist es gut, die Furcht, sie wich; das Lachen kam zurück ins Leben, das hat mir Mut und Kraft gegeben, sie war vorbei, die Schreckenszeit, zum Jubeln war ich nun bereit;

geliebt hab ich, gelobt, gezweifelt und manche Dinge auch verteufelt, alt bin ich nun und gar nicht weise und fast am Ende meiner Reise; mit Sorgen blick ich auf die Erde, wünsch mir so sehr, dass Frieden werde in mir und auf der ganzen Welt, doch ist’s um sie sehr schlecht bestellt;

die Seuche, die uns beutelt, schüttelt, hat sie uns endlich wach gerüttelt, hat sie uns klug gemacht, zu handeln, den großen Kollaps noch zu wandeln, das ist, wenn ich es flüsternd sage, die zage, allergrößte Frage; ich hab’s geschrieben, hab’s gewagt und weiß, nun ist genug gesagt;

die Jahre waren reich und rund, zum Trauern gibt es keinen Grund, noch ist mein Optimismus stark, noch leb ich froh und ganz autark, wenn auch beim Einkauf voll maskiert, wird täglich wieder neu probiert - die Zeit, die bleibt, auch zu genießen; es hilft und lässt die Hoffnung sprießen …

Interne Verweise

Kommentare

23. Okt 2020

Nur ein ganz klein wenig weise
wurd’ ich auf der langen Reise,
fragen werd’ ich immer weiter -
bleib auch ohne Antwort heiter …

LG Marie

23. Okt 2020

Der gekonnt gereimte rhythmisch fließende „Slam“ über Dein bewegtes Leben und den Zustand der heutigen Welt kommt bei mir an. Wer fragt sich nicht in dieser Zeit zweifelnd und zugleich hoffend, ob wir aus der Krise, in deren Mitte wir stecken, deren Ende und Ausmaß nicht abzusehen ist – letztendlich lernen werden? Diese große Frage bleibt erst einmal unbeantwortet. Die Zukunft wird es zeigen. Um nicht ganz zu verzweifeln, bleibt uns nur, auf die Lernfähigkeit der Menschheit zu bauen und selbst im kleinen Rahmen zu tun, was in unseren Kräften steht. Pass auf Dich auf und bleib gesund, Marie.

HG
D.R.

25. Okt 2020

Danke, Detmar. Liegt alles im Nebel, erst die Zukunft wird es weisen, das stimmt. So lange aber den Mut nicht verlieren, auch, wenn’s schwer fällt. Bleib auch Du gesund.

LG zurück - Marie

24. Okt 2020

Beeindruckendes Prosagedicht! Rückblenden auf Lebensgeschichtliches des lyr.Ichs gekonnt in Beziehung zu Aktualität gesetzt und durch die Weichheit Deiner Sprache, die sich wie ein schützender und wärmender Mantel um die Unsicherheiten der jetztigen Lage legt, um Hoffnung und Trost zu spenden, so meine Gedanken, liebe Marie. Herzliche Grüße kommen von Ingeborg

25. Okt 2020

Das lyrische ICH in Beziehung zur Aktualität gesetzt – so treffend und gut kannst nur Du es formulieren, danke dafür, liebe Ingeborg, sei herzlich zurück gegrüßt!

Marie

24. Okt 2020

In sehr eindrucksvoller Weise hast du im Fluss der Worte es gekonnt verstanden sowohl einen Rückblick als auch die gegenwärtige weltweite Situation darzustellen. Nur der der es schafft trotz all dieser wenig Hoffnung machender Nachrichten, den Blick positiv nach vorne zu richten, der vermag es auch diese allgegenwärtige Situation zu meistern.

Herzlich liebe Grüße zu dir
Uschi

25. Okt 2020

Manchmal muss man sich dazu zwingen, denn positive Botschaften zu formulieren ist gar nicht so leicht zurzeit. Aber zusätzliches Beklagen macht alles noch schlimmer. Also – Kopf hoch und durch. Ich danke Dir für Deine Reaktion auf mein Gedicht, liebe Uschi.

Herzliche Grüße - Marie

25. Okt 2020

Ein wunderbarer Text. Wegweisend, aufbauend, warmherzig. Das tut gut!!!
Danke!

LG Monika

25. Okt 2020

Deine Zustimmung erfreut mich besonders, liebe Monika, danke.

LG zurück zu Dir und Deinem zauberhaften Hundetier - Marie

25. Okt 2020

Sehr starker, packender Text!
Unterschreibe ich sofort!
Aber mir scheint, zu sagen habest du noch genug.