Fortsetzung v. Freitag, d. 02. Dez.2016; Im Dickicht der Zeichen; Nora Meranes 1. Fall; ein Krimi

von Annelie Kelch
Mitglied

„Nora, mir ist ein verdammt fieser Verdacht ins Hirn geschossen“, flüsterte Marc mir zu. „Ich kann dir jetzt auf die Schnelle nicht auseinandersetzen, worum es sich handelt.“
Wir standen neben dem Krankenwagen, und ich erklärte mich bereit, mit den Eheleuten Falkner ins Hospital zu fahren. Herr Falkner lag bereits auf der Bahre. Vermutlich hatte er gerade einen Herzinfarkt erlitten – und Marc und ich waren nicht ganz unschuldig daran, weil wir „mit der Tür ins Haus gefallen“ waren; aber wie konnten wir ahnen, dass Brendas Tod dem alten Mann dermaßen nahe gehen würde?!

„Ich möchte, dass du heute noch einmal im Krankenhaus übernachtest, Nora. Weshalb, erkläre ich dir später. Lass bitte Frau Falkner vorerst nicht aus den Augen. Ich möchte nicht, dass ihr etwas zustößt. Nicht allein deshalb, weil wir sie noch dringend brauchen, fast so dringend wie ihren Mann. Und versuche bitte, Marga Falkner um alles zu erleichtern, was sie über Brenda und deren Mutter weiß – und über diesen Leander.“
Marc holte die Fotografie aus seiner Brieftasche und gab es mir.
„Ich vermute, dass Frau Falkner weiß, um wen es sich bei der Person auf dieser Aufnahme handelt. Ich muss mich heute abend noch um eine wichtige Zeugenvernehmung kümmern – ein alter Fall, den wir nach einem anonymen Hinweis wieder aufgerollt haben. - Vielleicht erinnerst du dich – es ging damals um den Mord an einem alten Ehepaar in der Gerberstraße. Ein Kommissar aus Hamburg, der damals den Mordfall bearbeitet hat, hat den Neffen der Getöteten zur Vernehmung auf die Wache bestellt; ich möchte gern dabei sein. Marvin, so heißt der Zeuge, spielt mit mir zusammen Fußball, wir sind in derselben Mannschaft, und ich befürchte, dass ihm jemand was ans Zeug flicken will. Möglich ist allerdings auch, und das hoffe ich sehr, dass wir aufgrund dieses Umstands dem Täter näher auf die Pelle rücken. Wir sehen uns morgen. Bis dann, Noralein.“
Marc tätschelte meinen Kopf und machte sich aus dem Staub. Ich kam mir einen Moment lang wie Santo vor, dem wir unlängst auch den (Hunde-)kopf getätschelt hatten. Gar kein übles Gefühl, dachte ich. Man sollte Santo öfter tätscheln, aber das besorgte vermutlich Kollberg zur Genüge. Er hatte ja niemand anderen.

Ich setzte mich neben Frau Falkner in den Krankenwagen - vor die Trage, auf der Johann Falkner lag, und wir fuhren gemeinsam ins Hospital. Herr Falkner hatte eine Beruhigungsspritze bekommen; es schien, als sei er eingeschlafen. Trotzdem unterließ ich es, Marga Falkner schon jetzt zu befragen; es bestand die Möglichkeit, dass Falkner den Schlaf simulierte und, zumindest fragmentarisch, mitbekam, worum es ging, was ihn gewiss erneut aufregen würde. Sein Zusammenbruch war auf jeden Fall echt gewesen.

Als wir vor dem Herzkatheder-Labor saßen, erkundigte ich mich bei Frau Falkner, wie es ihr ginge, und sie erzählte mir, dass sie mit ihrem Mann gern noch einmal nach Amerika geflogen wäre - dann hätten sie und Johann fast alle Länder und Kontinente dieser Erde bereist. Aber das sei nun ja wohl nicht mehr zu verwirklichen.

„Falls es sich bei Ihrem Mann um einen Herzinfarkt handelt, hat er gute Chancen, wieder gesund zu werden - sofern er seine Medikamente nimmt und sich nicht allzu sehr belastet. Sehr viele Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, sind heutzutage noch relativ jung und stehen oft mitten im Berufsleben. Ich glaube, er schafft es“, versuchte ich Frau Falkner zu beruhigen und drückte ihre Hand.
„Und ich glaube, dass er sterben will“, sagte Marga Falkner. „Es muss irgendetwas in der Vergangenheit geschehen sein, das ihn stark belastet. Das fing schon vor vielen Jahren an. Manchmal kommt es mir so vor, als hüte er ein dunkles Geheimnis.“ Marga Falkner schluchzte auf. - „Mein Gott, hoffentlich ist es nichts Schlimmes, Frau Merane. Wie könnte er sonst in Frieden sterben?!“

„Darf ich Ihnen eine Fotografie zeigen, Frau Falkner?“, fragte ich. „Möglicherweise ist Ihnen die Person, die darauf abgebildet ist, bekannt. Der Name oder auch nur ein Hinweis, mag er Ihnen auch noch so unwesentlich erscheinen, könnte uns enorm weiterhelfen.“
„Ach ja, Brenda“, seufzte Marga Falkner. „Ermordet, sagten Sie. Wie ist das Mädel denn zu Tode gekommen?“

„Todesursache waren mehrere Schläge auf den Hinterkopf mittels einer Axt oder einem anderen Werkzeug“, sagte ich.

„Furchtbar. Wer macht denn so etwas, hier, in unserem beschaulichen Weidenbach?“ Frau Falkner sank in sich zusammen.
Ich zog die Fotografie aus meiner Jackentasche und zeigte sie ihr.

„Kennen Sie zufällig diesen jungen Burschen? Oder ist Ihnen diese Person irgendwann einmal in Weidenbach begegnet?“
Frau Falkner holte ihre Lesebrille aus der Handtasche und nahm mir die Aufnahme aus der Hand. Sie betrachtete das Foto eine Weile, und ich wollte schon resignieren, als sie plötzlich sagte: „Das ist Leander, der Enkel vom alten Emmerich. Der fiel mir merkwürdigerweise ein, als ich vorhin Ihren Kollegen sah. Wie hieß der junge Mann doch noch gleich? Kettler? Keller? Jedenfalls besteht da eine gewisse Ähnlichkeit.“

„Keppler“, sagte ich mit sanfter Stimme und konnte nicht umhin, ein wenig zu schmunzeln. „Mein Kollege heißt 'Marc Keppler', Frau Falkner. -

Sie erwähnten den Namen 'Emmerich'. Wo lebt denn der 'alte Emmerich' zur Zeit?“, fragte ich.

„Der lebt nicht mehr“, sagte Frau Falkner, „der ist schon vor vielen Jahren an Magenkrebs gestorben, und danach sahen wir auch Leander nicht mehr.“

„Kam Leander regelmäßig zu Besuch?“

„Und ob, Frau Merane. Leander verbrachte fast jeden Sommer bei seinem Großvater. Ich glaube sogar, er hat sich während dieser Zeit mit Brenda angefreundet. Herr Emmerich wohnte damals in der Wohnung vis-a-vis Mutter und Tochter Bohlau. Die beiden jungen Leute haben viel miteinander unternommen und waren immer so herzerfrischend fröhlich. Brenda ist in jener Zeit regelrecht aufgeblüht.“

„Hatten Sie den Eindruck, dass die beiden ineinander verliebt waren?“
Es fiel mir schwer, meine Aufregung zu verbergen. Wir waren einen riesigen Schritt weitergekommen.

„Ja, ganz sicher sogar“, bestätigte Frau Falkner meine Vermutung. „Aber dann ist irgendetwas passiert. Ich weiß nicht mehr genau, um welches Jahr es sich gehandelt hat, aber Leander war kaum dreieinhalb Monate wieder zu Hause in Hamburg, als Brenda kurz danach sang- und klanglos verschwand. Ihre Mutter sagte mir damals, Brenda befände sich in einem Erholungsheim in der Schweiz – von der Fürsorge aus. Aber das habe ich angezweifelt. Als Brenda nach ein paar

Fortsetzung am Donnerstag, den 08. Dezember 2016 (Mariä Empfängnis)

Seiten

Interne Verweise

Kommentare

05. Dez 2016

Der Krimi komplett überzeugt -
Deshalb wird er gern beäugt!
(Krause stellt inzwischen klar:
"Schwesta Birjit Täta war!")

LG Axel

05. Dez 2016

Glaub ich nicht, lieb' Bertha - mein,
die Birjit kann es nicht gewesen sein;
denn die ist immer auf Schicht:
ein Besen wie du: streng und schlicht,
ein unentbehrliches Nachtgesicht.

LG Annellie

Seiten