AU 2010 06 Walk and Jump in Auckland, NZ - Page 2

Bild von Willi Grigor
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Overalls entsprechend des Körperumfangs aus. Der beleibte Herr war zu dick, für ihn gab es keinen passenden Overall. Er konnte Ausatmen und bekam sein Geld zurück. Den Overall zog man mühsam über die Kleidung, die man anhatte. Ich bereute, dass ich einen seriösen Eindruck machen wollte und Jeans anstelle der üblichen kurzen Hosen angezogen hatte. Es war eng, warm und unbequem. Danach wurde dann noch die kräftige Gurtkombination mit der Seilbefestigungsanordnung am Rücken so fest angeschnallt, dass ich Angst um das Wohlbefinden meiner Prostata u.a. hatte.

Danach ging Antony mit seiner bunten, stolzen Truppe durch die anwesenden Zuschauer, die uns bewundernd anschauten (bildete ich mir ein), durch eine Sperre und in einen Aufzug. Auf dem Weg nach oben erzählte uns Antony: „Der Rundgang oben um den Turm ist seit zwei Jahren möglich. In dieser Zeit ist noch kein einziger heruntergefallen. Ich hoffe nicht, dass einer von Euch der Erste sein wird.“ Der eingeübte Spruch erzeugte gedämpftes Gelächter im Fahrstuhl, dessen Boden aus Glas war, dass man sah, wie schnell wir uns nach oben bewegten.

Oben angekommen, wurden wir von Antony sorgfältig mit einem Drahtseil gesichert, das über uns in einer Schiene mitlief. Danach gingen wir auf den schmalen Grad, der auf 192 m Höhe um den Turm führt. Ich spürte die Luft, die etwas kühler war als unten auf dem aufgewärmten Pflaster.
Hinter uns, an der Absprungrampe, war ein junger Mann gerade bereit zum Sprung. Ich verfolgte diesen interessiert, bald werde ich dort stehen, konzentrierte mich dann aber auf das Walk-Abenteuer.

Die beiden Frauen und der junge Mann fühlten sich ziemlich unsicher so direkt am Abgrund zu stehen. Ich hatte, wie ich erwartete, damit überhaupt keine Probleme. Ich hatte beim Segelfliegen gelernt, auf Material und Ausrüstung zu vertrauen. Nur dann kann man in ungewohnten Situationen relativ entspannt sein. Ich hatte eher ein angenehmes als unangenehmes Gefühl, als ich an der Kante stand und vorwärts oder rückwarts über dem Abgrund hing. Ich war der Meinung, dass das Seil zu straff gespannt war und zu wenig Überhang zuließ. Unser Führer Antony hatte da bedeutend mehr Spielraum, was er uns genüsslich demonstrierte.

Was mich am meisten interessierte und packte war die tolle Aussicht von dieser ungewöhnlichen Position. Auckland liegt ja an einer schmalen Stelle im Norden der Nordinsel Neuseelands mit Meerverbindung auf beiden Seiten, also Wasser überall.
Ich sah die Hochhäuser der City unter mir, einige mit Tennisplatz oder Helikopterlandeplatz auf dem Dach, die vielen alten Vulkane (mehr als 50 davon gibt es in Auckland). Den eindrucksvollsten von diesen, Mt. Eden, haben wir erstiegen. Ich erkannte die Parks, den Hafen mit den unzähligen Segelyachten (Auckland wird auch "City of the Sails" genannt) und das große Museum, Stellen die wir zu Fuß erkundet haben. Es war eindrucksvoll. Ich ging als letzter in der Gänsemarsch-Gruppe und hörte nur wenig von dem was Antony erzählte.
Der Laufsteg lag auf gleicher Höhe wie das sich langsam drehende Restaurant. Die Leute an den Fenstertischen sahen unablässig auf uns und machten Bilder. Sicher etwas zu zeigen zu Hause: Mittagessen mitten im Himmel und vor dem Fenster verrückte Spaziergänger und Nachuntenspringer!
Ein richtiger Fan begleitete uns begeistert im Restaurant mit seiner Kamera über die gesamten 360 Grad. Es war der Dicke, der nicht mitdurfte, der Mann einer der Frauen in unserer Gruppe.

Ich war mir jetzt schon sicher, dass dieser halbstündige Spaziergang sein Geld wert war. Wenn man schwindelfrei ist und nach Auckland kommt, ist dieses harmlose aber eindrucksvolle Abenteuer am Ende des Aufenthalts stark empfehlenswert.

Der Sprung
Als wir wieder in der Mission Control angelangt waren und uns aus dem Overall gepuhlt hatten, sagte ich zu Gullan: Jetzt buche ich den Sprung.
Sie zuckte erst die Axeln, dann zückte sie die Brieftasche und wir gingen zum Schalter. Noch einmal ein Formular ausfüllen.

Das Personal hatte jetzt Mittagspause und mein Sprung sollte in ca. 1 Stunde stattfinden. Ich fragte, ob man ein professionelles Video kaufen konnte, auf dem man eine Aussichts-Rundtur (ohne Gruppe) miterleben kann und wo die interessantesten Plätze, die man sieht, benannt werden. Hatten sie nicht! Sie machen nur Bilder und Videos von den beteiligten Walkern und Jumpern, da diese leicht zu verkaufen sind. Ich gab meiner Meinung kund, dass ein Video, das die Stadt aus dieser besonderen Rundtour-Perspektive zeigt, doch ein allgemeines Touristen-Interesse haben müsste und die Herstellungskosten relativ gering sein dürften. Der Schaltermann nickte zustimmend und wollte die Idee weitergeben. Ich fügte an, dass ich mich als Ideegeber mit 20% begnügen würde. Vielleicht kann man in Zukunft so ein Video ja wirklich kaufen. Werde dranbleiben.
Wir gingen weiter in dem großen Gebäude und kamen in einen Raum, in dem man laufend einen interessanten Film über Auckland von früher und heute zeigte.

Danach war es Zeit für die Vorbereitungen für den Sprung vom Turm. Zurück zur Mission Control. Außer mir war noch ein junger Mann für diese Zeit angemeldet. Es gab eine ähnliche Informations-, Kontroll- und Ankleideprozedur wie vorher, diesmal jedoch mit einem blau-gelb-roten Overall. Außerdem wurden wir sorgfältig gewogen. Ich brachte genau 78 kg (doppelte Bekleidung!) auf die Waage. Dies wurde auf einem Zettel notiert, den ich oben dem Bremser an der Seilrolle abgeben sollte. Außerdem wurde das Gewicht sicherheitshalber auch auf meinem Handgelenk geschrieben. Das Gewicht ist von äußerster Wichtigkeit für den computergesteuerten Bremsvorgang beim Landen. Ein grober Fehler hier und die gewünschte Sanftlandung auf den Füßen wird ersetzt durch einen harten Aufschlag auf dem Boden.

Der junge Mann und ich fuhren mit dem Aufzug nach oben, ohne Begleitung. Wir fanden die Tür zu einem Vorraum neben der Absprungplattform. Einer muss gerade gesprungen sein, da das Stahlseil rasend schnell und mit einem ohrenbetäubendem Lärm von der Rolle ablief. Mein junger Mitspringer ließ mir lässig den Vortritt. Ein junger Mann (eigentlich waren überall nur junge Männer) öffnete eine Gittertür zur Absprungplattform und ließ mich herein, bzw. hinaus. Jetzt wurde es ernst. Der Bremsenmann nahm meinen Gewichtszettel, verglich das darauf notierte Gewicht mit dem auf meinem Handgelenk, fragte nach meinem Namen und bekam bestätigt, dass er den richtigen Springer vor sich hatte.

Danach koppelte sein Kollege mich und sich selbst an ein mitlaufendes Sicherheitsseil am Boden. Danach befestigte er das Bremsseil an die Vorrichtung an meinem Rücken. Es war ein lockerer Typ und erzählte Dinge, die ich nicht alle verstand.
Ich spürte eine gewisse Spannung aber keine Angst. Ich kam als Segelflieger einige Male in unerwartete, schwierige Situationen. Aus Erfahrung wusste ich, dass mein Puls dabei nicht beschwerend steigt. Ich konnte immer kühl reagieren. Hier ging es nur um den kurzen Augenblick des sich Los- und Fallenlassens. Der Rest dürfte reines Vergnügen sein.

Mein Assistent führte mich nach vorn zur Kante. Meine Hände hatte ich links und rechts an einem Haltegriff, den Körper leicht nach vorn geneigt. Ich dachte: „Wenn ich jetzt loslasse, falle ich.“ Ich ließ aber nicht los, war ja noch mit einem anderen Seil am Boden gesichert. Ich sah rechts und links die Stabilisierungsseile, die unten im Boden verankert sind. Von dem Bremsseil an meinem Rücken streckten sich zwei dünne Seile, die beim Fall an den Stabilisierungsseilen abgleiten. Dadurch wird ein Baumeln des Körpers während des Fallens so nahe an der Turmwand verhindert. An dem rechten Seil ist außerdem eine mitlaufende Videokamera installiert, die die Talfahrt aufnimmt und auch live auf die Fernsehgeräte in der Mission Control überträgt. Alles wie bei der NASA, dachte ich. Man sagte mir, dass ich bei dem kurzen Stopp nach einigen Metern Fall in diese Kamera gucken soll.

Der junge Mann fragte mich, ob ich bereit bin und springen will. „Yes, Willi will!“ Er schaute zum Bremser, bekam das Klarzeichen, koppelte mich vom Boden los und zählte: One, two, three – go. Ich ließ los und fiel nach unten. Ich war darauf vorbereitet, dass ich gleich wieder abgebremst werden würde. Das gehört mit zum Konzept und schafft weniger Zweifler, vielleicht auch mehr Sicherheit. So war es bei mir auch. Es war viel einfacher „ja“ zu sagen, wenn man einen Sprung von unten beobachtet und sieht, dass man nicht direkt ins Bodenlose springt. Ich kam mir jetzt aber ein bisschen blöd vor als ich da hing und versuchte, die Kamera mit den Augen zu finden.

Gleichzeitig schätzte ich aber die Einmaligkeit der Situation: Du hängst da am höchsten Fernsehturm der südlichen Hemisphäre und schaukelst leicht im Wind und siehst ca. 170 m unter dir die Straßen, Gehsteige, Autos, Menschen und die Landemarkierung, die ich wenige Sekunden später genau treffen werde. Gullan wird dort stehen und die Kamera bereithalten.

Dann wird die Bremse gelöst und ich bekomme ein richtiges Freifallgefühl, spüre den Luftzug im Gesicht und sehe die Ringe der Landestelle auf mich zurasen. Laut Angabe fällt man 11 Sekunden mit ca. 90 km/h. Die Fahrt geht viel zu schnell zu Ende. Der Abbremsung erfolgt schätzungsweise auf den letzten 20 Metern. Der Bremscomputer hat wieder gute Arbeit geleistet. Ich werde nur minimal zu weit unten abgesetzt und knicke etwas mit den Knien ein. (Ich sah eine Landung wo der Körper beim Abbremsen in der Waagerechten verblieb und es gab eine regelrechte Bauchlandung, wenn auch eine nicht allzu harte. Es muss an der Gewichtsverteilung im Verhältnis zum Angriffspunkt des Seils am Rücken gelegen haben.)
Gullan hatte die Geistesgegenwart und machte ein Bild kurz vor der Landung.

Die Mutter des Jungen, der gleich nach mir kommen sollte, fragte mich ob es schlimm war, sie hatte Angst um ihren Sohn. Ich konnte sie beruhigen und ihr Sohn auch: er stand kurz danach glücklich lächelnd neben ihr.

Dann kam - sozusagen als Zugabe - noch ein besonderer Abgang, auf alle Fälle gefühlsmäßig: Wir gingen in unserer bunten Uniform und aufgrund der stramm gezogenen Riemen ziemlich steifbeinig die Landeterrasse hinunter auf den Vorplatz des Turmes zum Eingang des Gebäudes. Mittlerweile waren viele Leute hier unterwegs. Wir fielen auf in der Menge und ich fühlte mich ein bisschen wie ein Astronaut nach einer Landung in Cape Canaveral.

Das Fazit
Eine ungeplante aber herausragende Bereicherung. Wenn ich in Zukunft „Auckland“ höre, werde ich „Walk“ und „Jump“ denken.
Müsste ich wählen zwischen beiden, dann nähme ich den "Walk", den Rundgang. Er gibt beides, eine gewisse Herausforderung und ein tolles Aussichtserlebnis über eine tolle Stadt.

Jetzt steckt nur noch eine kleine Herausforderung in meinem Hinterkopf. Etwas, was ich 2006 an der Sunshine Coast in Australien gesehen hatte und bei unsere Reise 2008 hoffte machen zu können: Ein Tandem-Fallschirmsprung mit Landung auf einer der herrlichen Sandstrände.
Außerdem habe ich ca. 150 Mal einen Fallschirm am Rücken gehabt (beim Segelfliegen) aber (zum Glück) nie benutzen müssen. Eine gewisse Frustration diesbezüglich ist aber immer noch vorhanden.
Aber es sieht so aus, dass es diesmal nichts draus wird. Ich bin immer noch nicht richtig fit nach einer Woche schwerer Grippe.
(Anm.: 2013 machte ich diesen Fallschirmsprung "mit Landung auf einer der herrlichen Sandstrände", siehe Reisebericht "AU 2013 Geschichte eines Traums".)

Ich schrieb diesen Auckland-Bericht am 28. März 2010, in „unserem“ Luxus-Haus in Sunshine Beach (bei Noosa), 400 m von einem dieser feinen Sandstrände. Eines der Luxushäuser in Superlage, die wir kostenlos bewohnen durften, dank der genialen Möglichkeit des Wohnungstausches via z.B. HomeLink. Noch zwei weitere Wochen werden wir hier verbringen. Dann werden wir "weiterziehen" und uns mit einem weiteren Australien-Wohnerlebnis bereichern.

***

© Willi Grigor, 2010 (rev. 2016)

Gedichte und Prosa:
https://www.literatpro.de/willi-grigor

OL: Blick vom Kraterrand des Mt Eden auf die City. OR: Kitzelnder Spaß beim Rundgang. UL: Soeben gesprungen. UR: Kurzer Zwischenstopp nach ca. 20 m Fall.

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Interne Verweise

Kommentare

26. Nov 2017

Ja, ich bin tatsächlich einer der wenigen Menschen, die nicht nach Neuseeland reisten um irgendwo runter zu springen. :D Das hat mich einfach nicht sonderlich interessiert. Der Rundgang, der Aussicht wegen, schon eher, aber von dem habe ich erst in deinem Bericht hier erfahren.

Ich habe allgemein die meisten Touristen-Adrenalin-Rushs ausgelassen. Das einzige, was mich in der Hinsicht gefesselt hatte, war ein Angebot in der Nähe von Nelson. Man sollte selbst eine kleine Kunstflug-Propellermaschine fliegen dürfen, mit Fluglehrer hintendran natürlich. Loopings, rollen, und so weiter. Aber die 400 Dollar für 15 Minuten Flugzeit waren mir dann doch ein bisschen ein Dorn im Auge.

Ich fand eine Alternative bei der offiziellen Flugschule von Nelson. Dort flog ich für 70 Dollar 20 Minuten am Tag der offenen Tür. Und ich durfte die meiste Zeit davon (alles bis auf den Start) die kleine Cessna ebenfalls selbst steuern, und sogar landen. Zwar ohne Looping oder andere Stunts, aber mir ging es primär auch sowieso eher ums Fliegen selbst. :) Das war super cool. Aber das brauche ich dir ja nicht zu erzählen, du scheinst ja früher selbst geflogen zu sein.

Ich hatte das Glück, dass ich für den Rundflug über Nelson an den sehr coolen Chef der Flugschule geraten bin. Das selbst-fliegen war nämlich eigentlich nicht Bestandteil des 70-Dollar Angebots. Ich stieg ursprünglich mit der Erwartung in das Flugzeug, eine tolle Aussicht zu genießen und ein paar schöne Fotos von oben machen zu können. Für die Fotos hatte ich dann natürlich keine Zeit. :D Nach dem Flug hatte ich mich gleich nach Preis und Dauer für eine private Pilotenlizenz erkundigt, und nach den Bedingungen der Aufrechterhaltung der Lizenz. Irgendwann, irgendwann... :)

Allgemein bin ich allerdings eher wandern gegangen und habe die Natur bewundert, als mich in den großen Städten aufzuhalten und von Gebäuden zu springen.

Sehr gerne erinnere ich mich an eine Tageswanderung flussaufwärts, die Berge hinauf ins Nichts. Sie entlohnte einen am Ende des Tages mit einer kleinen Hütte mit Kohleofen und natürlichen heißen Quellen zum Baden und entspannen. Zwischen schneeumwehten Gipfeln und Wäldern rundherum konnte man den heißen Pool genießen. Und dieser Jacuzzi war wegen der 7-stündigen Wanderung nicht so sehr von Touristen überlaufen. :D Der schmale Wanderpfad ging über Stock und Stein, und war zwischenzeitlich auch ganz ohne erkennbaren Weg, nur mit ein paar farbigen Pfosten hier und da gekennzeichnet. Er verlief per Seilbrücken über größere Flüsse, und auch durch kleinere Flüsse, die man einfach ohne Brücke, nassen Fußes queren musste. Man lief an ungesicherten Geröll-Hängen entlang (die man Laut Hinweisschild zügig durchschreiten, und nicht unbedingt hier sein Vesper auspacken sollte). Und schließlich fand man sich am Ende seines Tagesmarschs von 5 bis 7 Stunden, je nach eigenem Tempo, im Nirgendwo wieder, umgeben von nichts als Natur und einer Handvoll anderer Wanderer plus Hüttenwart. Abgesehen von diesem Wanderweg gibt es keine Möglichkeit dort hin zu gelangen. Lediglich ein Hubschrauber mit neuen Kohlevorräten kommt alle paar Monate mal dort oben vorbei. Das war eine meiner liebsten Wanderungen, wenn nicht sogar die liebste.

Oder ich erinnere mich auch sehr gerne an den Tongariro Nationalpark mit seiner kargen, und dennoch atemberaubenden Landschaft aus grotesk anmutenden, erstarrten Lavabächen und brachliegenden Geröllfeldern, türkisblauen Seen und verstummten Vulkanschloten. Die heiße Erde dampfte an vielen Ecken und Enden. Und man konnte den Mt. Doom, den Schicksalsberg aus "Herr der Ringe" erklimmen, und anschließend in einer Art Sand/Geröll-Rutsche den Abhang wieder hinunter rennen und rutschen. Sogar an einem aktiven Vulkan lief man fast direkt vorbei (am gegenüberliegenden Hang), und konnte die dichte Dampfwolke aus ihm emporsteigen sehen, und wie sie sich über ihm in alle Himmelsrichtungen ausbreitete. Für diesen Tagesmarsch hatte ich mir viel Zeit genommen. Gegen Ende musste ich mich sogar etwas beeilen und bin etwa eine halbe Stunde mit dem nur kleinen Tagesgepäck auf dem Rücken gejoggt, da es bald dunkel zu werden drohte. Ich fuhr morgens mit einer der ersten Gruppen an den Startpunkt, und war abends einer der letzten, die am Sammelpunkt ankamen. Dort hatte ich zuvor mein Auto abgestellt. Ich fand die Landschaft dort wahnsinnig faszinierend. Ich hatte vorher noch nie eine Vulkanlandschaft gesehen. Höchstens vielleicht mal im Fernsehen, aber nie aus nächster Nähe.

Aber das sind natürlich nur zwei Beispiele der Faszination, die dieses Land ausüben kann. :)

Deine Erfahrungen mit dem Häusertausch sind sehr interessant. Ich habe ab und zu vom Couchsurfing Gebrauch gemacht, was in die gleiche Kerbe schlägt, nur ohne konkretes Gegenangebot des Reisenden. Man nächtigt auch bei Einheimischen, tauscht sich mit ihnen aus, und wenn man Glück hat, finden sie sogar die Zeit einen ein bisschen rumzuführen. Das Ganze zielt allerdings eher jeweils auf wenige Tage ab. Es ist aber auch ab und an eine sehr interessante Alternative zu Hotels, Hostels, Campingplätzen oder zum Wildcampen. Man lernt interessante Leute kennen. Und als Gegenleistung öffnet man, wenn man selbst zuhause ist, und es gerne möchte, anderen Couchsurfern eben auch ab und an Tür und Tor. Das waren bei mir auch fast immer sehr angenehme Erfahrungen, nie schlechte, und nur einmal eine eher neutrale, nicht wirklich bereichernde Erfahrung.

Oh mann, so viel wollte ich gar nicht schreiben. Das passiert mir irgendwie immer wieder. :)

27. Nov 2017

Danke für deine Erläuterungen.

Zu deinem ersten Satz: Nun glaube nicht, dass du mich zu den Menschen zählst die nach Neuseeland reisen nur "um irgendwo runter zu springen". Das war eine spontane Entscheidung. Ich habe nie davon geträumt, wie z. B. von dem Fallschirmsprung. (Bei meinem Gedicht "Du bist verrückt" könnte man diesen Eindruck bekommen, aber das ist kein Tatsachenbericht.)
Wenn du meine Reiseberichte gelesen hast (oder lesen wirst, habe bisher 20 eingestellt, etliche stehen noch aus), dann siehst du, dass wir uns nicht als Touristen fühlten oder auftraten. Wir übernachteten nicht, wir lebten an den verschiedenen Orten, zusammen mit Nachbarn, zu denen wir auch immer Kontakt bekamen. Der Wohnungstausch machte das möglich. Das war der Grund, warum aus einer Drei-Monate-Reise vier wurden.

Unsere Höhepunkte waren immer da, wo wir in relativer "Einsamkeit", in Ferienhäusern von Leuten, die sich sowas leisten konnten, leben durften.
Der Aufenthalt allein auf einer ehemaligen Schaffarm war in wirklicher Einsamkeit. Dies war in dieser Art der Höhepunkt (siehe Bericht "AU 2008 05 Sugarloaf Mountain"). Wir wussten im Vorfeld ja nie so richtig, wo wir landen würden, wo wir einen Willigen finden, der nach Åmål in Schweden wollte. Dass es dennoch so oft und gut klappte ist eine schöne Erfahrung.
Wir teilen deine positiven Erfahrungen. Ein richtige Niete zogen wir nie. Und: Ja, wandern war auch unsere Hauptbeschäftigung. Auch in Ortschaften und Städten.

Nelson - Dort lebten wir zwei herrliche Wochen. Ich verweise auf meine Berichte.

Hier noch der Link zu meiner "Huldigung" an Neuseeland:
literatpro.de/gedicht/230116/du-schoenes-stilles-musterland

Meine Mailadresse: swegerau@gmail.com

Viele Grüße
Willi

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