Schicksalhafte Begegnungen - Page 5

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ihr Entführungsopfer eilte bereits zur nächstgelegenen Notausgangstür.
„Geh ruhig, du bist gleich eh wieder hier!“
Nachdem Milka die Turnhalle verlassen hatte, kam sie direkt wieder durch die gegenüberliegende Tür zurück in das Gebäude.
„Was ist das denn für ein Mist?!“
Sofort drehte sie sich um und rannte wieder zurück, um dann unmittelbar durch die erste Pforte hindurch wieder in der Halle zu landen.
„Du kommst hier nicht raus, es sei denn, wir spielen ein wenig!“
Milka ließ sich nicht einschüchtern und versuchte erneut vergeblich in die Freiheit zu gelangen.
„Schau mal, wen wir hier haben!“
Konnte den eigenen Augen wirklich getraut werden? Die von ihr bisher unentdeckte größte Konkurrentin aus der Hockeymannschaft befand sich jetzt schweigend in der gegenüberliegenden Hälfte des am Boden aufgemalten Spielfeldes.
„Maike dürftest du ja bereits gut kennen!“
Aus dem Nichts tauchte ein Hockeyschläger auf und landete vor Milkas Füßen.
„Frau gegen Frau. Gewinnt Maike, werden wir beiden wohl hier noch ein wenig Zeit miteinander verbringen müssen! Gehst du als Sieger vom Platz, schenke ich dir die Freiheit!“
Niemand durfte es wagen sie zu erpressen, doch andererseits gingen hier gerade nicht erklärbare Dinge vonstatten, was eine alternative Problemlösung vermissen ließ.
„Maike, wer ist diese Irre?! Lass uns die Polizei rufen!“
Die Angesprochene zeigte keinerlei Regung.
„Deine Mitspielerin reagiert nur auf meine Worte, also gib dir keine Mühe! Ach ja, du kannst übrigens dein Smartphone gerne benutzen, doch leider hast du hier drinnen keinen Empfang!“
Dort, wo sie beim Aufwachen gelegen hatte, befand sich glücklicherweise noch ihre Schultasche. Schnell wurde das sich darin befindende Smartphone eingeschaltet und der Notruf getätigt. Ohne Erfolg, denn die offensichtlich geistesgestörte Frau schien Recht zu haben. Milka gab jedoch nicht auf, lief zu Maike und begann an ihr zu ruckeln. Auch dieser Versuch blieb erfolglos.
„Jetzt glaube mir doch endlich, du ehrgeizige Musterschülerin!“
Es konnte doch alles nur ein böser Albtraum sein oder war das hier etwa eine makaber inszenierte Überraschung?
„Also gut!“
„Gratuliere zur richtigen Entscheidung! Wer von euch zuerst drei Tore schießt hat gewonnen!“
Die beiden Teenager standen sich in der Mitte des Spielfeldes gegenüber. Milka versuchte so gut es ging zu agieren, erkämpfte sich schnell die kleine blaue Scheibe und schob sie in Richtung Tor. Im letzten Moment verteidigte Maike und nach ein paar heftigen Zweikämpfen stand es unerwartet schnell 0:1. Das Ganze wiederholte sich in ähnlicher Weise und führte zum 0:2.
„Spielunterbrechung!!!“
Völlig abgekämpft setzte sich Milka auf den Boden.
„Du spielst zu fair. Los, versetze ihr einen deftigen Schlag gegen das Knie, sonst wirst du verlieren.“
Flaga saß mittlerweile neben ihr und legte der jungen Frau freundschaftlich die Hand auf den Rücken.
„Lass das und merk dir eins, ich spiele immer fair.“
Die Pause war beendet. Ohne Vorwarnung versuchte jetzt Maike die Beine ihrer Mitspielerin zu treffen und sich durch ein entsprechend erfolgreiches Faul das dritte Tor zu sichern.
„Was soll das?! Hör sofort auf damit!“
Vergebens, denn die unsportlichen Attacken nahmen spürbar zu. Milka wurde daraufhin rot vor Zorn im Gesicht und ließ den Schläger gegen Maikes Knie prallen.
„Super, geht doch!“
Die Entführerin stand jetzt direkt neben den beiden Spielerinnen und Maike lag derweil, sich vor Schmerz krümmend, auf dem Boden.
„Los, zertrümmere ihr die Kniescheibe und du wirst sofort von mir in die Freiheit entlassen.“
Milka warf den Hockeyschläger weit von sich und kümmerte sich stattdessen um die Verletzte, ohne Flaga weiterhin eines Blickes zu würdigen.

Nach dem Anruf aus der Klinik stellte sie sich erst einmal unter die eiskalte Dusche. Aaron hatte den Magen ausgepumpt bekommen und musste zur Beobachtung übers Wochenende dort bleiben. Es sah wohl den Umständen entsprechend gut aus, wobei mögliche Flashbacks nicht ausgeschlossen werden konnten. Eine ungewohnt auskunftsfreudige Krankenschwester war am Telefon gewesen, die sich trotz ihres freien Tages um den Teenager kümmerte, mit dem sie zuvor in der Schrebergartensiedlung zusammengestoßen war.
Milkas mutmaßliche Entführer meldeten sich bis dato immer noch nicht und da Winfried seit der zweiten schlechten Nachricht an diesem Tag völlig niedergeschlagen auf dem Sofa saß, wollte wenigstens Marina an der Seite ihres Sohnes sein. Irgendetwas gab der Frau Kraft, denn die labile psychische Verfassung hatte sich mittlerweile wieder deutlich stabilisiert.
„Was machst du denn hier?! Sofort raus oder …“
Flaga legte ihr liebevoll beim Verlassen der Duschkabine das Badetuch um.
„Du besitzt einen wirklich schönen Körper.“
„Dich hat doch nicht etwa Winfried hereingelassen?“
Der unerwünschte Gast drehte sich höflich um, konnte jedoch dank des nur leicht beschlagenen Spiegels immer noch gut genug beobachten, wie sich Marina abtrocknete.
„Du sollst endlich verschwinden! Ich habe momentan ganz andere Sorgen und das in deinem Blumenladen war …“
Unangekündigt wandte sich Flaga ihr wieder zu.
„Und ich dachte, du möchtest deine Tochter wiedersehen ...“
„Winfried!!!“
„Gib dir keine Mühe. Dein Mann ist, sagen wir mal, ein wenig betäubt.“
Marina band sich das Badetuch um und eilte die Treppe hinunter. Er saß tatsächlich regungslos mit offenen Augen auf dem Sofa, die Blicke ins Leere gerichtet.
„Du wirst jetzt sofort dem Herrn Pastor sagen, dass du ihn wegen mir verlässt.“
„Wie pervers bist du eigentlich?!“
„Ehe oder Tochter, du musst dich entscheiden.“
Flaga hielt ihr gönnerhaft die offene Handfläche vors Gesicht, worauf eine dreidimensionale Projektion sichtbar wurde.
„Milka!!!“
„Ach und ich dachte schon ihr glaubt nur das, was ihr nicht mit eigenen Augen sehen könnt.“
Die Sequenz von dem Teenager in der Turnhalle verschwand wieder.
„Du kannst übrigens gerne die Polizei rufen, aber die wird deine Tochter an diesem dir wohl gut bekannten Ort nicht finden.“
Wer war die Frau mit den scheinbar übernatürlichen Kräften? Ein Dämon oder verkörperte sie etwa eine irdische Symbiose aus psychologischem Talent und geschickt präsentierten manipulativen Tricks?
Eine Notlüge, um schlimmeres zu verhindern, dagegen konnte wohl selbst ein Pastor nichts einzuwenden haben …
„Also gut, aber glaube ja nicht, dass du und ich …“
„Hauptsache eure Beziehung wird erst einmal beendet. Ein neues Bündnis benötigt natürlich Zeit.“
Winfried war gerade wieder zu sich gekommen, als ihm Marina die dritte Hiobsbotschaft an diesem Tage übermittelte.
„Du kennst diese Frau und wagst es in unserer aktuellen Situation, mir eine solch schmerzhafte Nachricht um die Ohren zu hauen?!“
Er übersah jene dezente Gestik, mit der die scheinbare Ernsthaftigkeit ihrer Worte wieder aufgehoben werden sollte. Stattdessen hüllte sich der Mann in Schweigen. Die Autoschlüssel wurden hastig vom Haken gerissen und wenig später hörten die beiden Frauen, wie ein Wagen mit quietschenden Reifen davonfuhr.
„Schade, dass deine Tochter hier nach ihrer Rückkehr niemanden

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