Die modernen Samariter - Ein Hörspiel - - Page 3

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12 m entfernt vom bisherigen Geschehen. Ruft nun sehr angestrengt: „Wann kommt dieser 3 x verschissene Sanitäter endlich? Sie da... Ja, Sie dort (sieht Grebert an, der sich ihm langsam zuwendet). Könnten Sie nicht bitte noch mal dort anrufen? Ich denke, so lange brauchen die ja in der Regel nicht. Und eigentlich müssten die schon längst hier sein. Rufen Sie noch mal an, ja? Jetzt!“

Klaus Grebert, leicht vorwurfsvoll: „Aber sagten Sie nicht vorhin, dass SIE bereits den Rettungswagen bestellt und herbei beordert haben? Warum soll ich denn noch einen zweiten herbestellen? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn! Wenn nun jeder hier liegende oder auch stehende Mensch einen Wagen bestellt, dann haben wir bald das totale Chaos auf der Straße. Außerdem weiß ich die Nummer ja gar nicht aus dem Kopf. Nein, ich kenne die Nummer einfach nicht...“

Moldenhauer: „Sie Dödel. Es ist die 1-1-2. Das weiß doch nun wirklich jedes Kind in ganz Deutschland. Rufen Sie an, Sie niedlicher Chaot... Machen Sie mal voran jetzt!“

Grebert: „Das gibt doch nur Kuddelmuddel in der Leitstelle. Warum also sollte ich? Ich denke nicht. Nein, ich werde nicht anrufen. Basta. Und was wollen Sie nun dagegen unternehmen, na? Dort, wo Sie gerade liegen? Nun, was wollen Sie dagegen unternehmen?“ (Streitlustig, hat schon lange genug Zeit mit all diesen Kaputten hier zugebracht! Ist extrem genervt)

Moldenhauer: „Ich werde vermutlich kaum etwas unternehmen können. Verdammt, so rufen Sie doch schon an, Sie Grasdackel.“ (sehr verärgert)

Grebert: „Warum in aller Welt sollte ich ein zweites Mal anrufen?“ (Ignoriert all die Beleidigungen geflissentlich, Moldenhauer erscheint ihm so viel größer, stärker, auch wenn der Feind derzeitig am Boden liegt)

Moldenhauer: „Weil der erste Rettungswagen ja ganz offensichtlich nicht kommt! Deshalb, Sie Kretin!“

Grebert, extrem verstimmt: „Aber deswegen muss man doch nicht gleich so patzig werden, Sie Hutsimpel!“ (Wollte endlich auch mal rigoros dagegen halten!)

Moldenhauer: „Da kann man mal sehen, was Sie für ein Idiot sind. Hab ja gar keinen Hut auf... HA!“ (triumphierend)

Sartory, immer noch auf dem Gesicht liegend: „Aber meine Herren, ich bitte Sie, meine Herren! Ich darf doch wohl sehr bitten, ja? Diese Situation erfordert jetzt Contenance! Und vor allem Überblick. Wir sind doch mutmaßlich erwachsene Menschen. Richtig?“

Moldenhauer, offensichtlich unter extremen Schmerzen leidend, stark stöhnend, nicht sonderlich gut zu verstehen, er gibt sich jedoch Mühe beim Sprechen: „Und was bitteschön bedeutet nun wieder dieses Kontenooß? Kontenooß... Hab ich noch nie zuvor gehört, Kontenooß.“

Grebert: „Im Duden steht „Haltung“. David-Maria Sassoli hier (zeigt auf den extrem stark verletzten Mann) meinte wohl damit, wir sollten jetzt und gerade hier Haltung bewahren. Ich denke, das war´s wohl, was er uns gerade sagen wollte.“

Moldenhauer: „Und warum sagt er uns das dann nicht einfach? Ich meine, auf gut Deutsch, hä? Warum nich´?“

Grebert, sieht jetzt ebenso wie Moldenhauer, letzterer aber nur unter Mühen, mit starkem Vorwurf im Blick auf den agonierenden Sartory hinüber: „Ja, das kann man durchaus auch gleich auf Deutsch sagen!“

Moldenhauer: „Warum macht der Mann das? Aus Daffke? Oder weil er mal so richtig änigmatisch wirken möchte auf uns zwei Trottel? (Direkt zu Grebert gewandt) Denke mal, der will vermutlich nur ein wenig angeben, der kranke Typ da!“

Grebert: „Ja ja, es gibt solche Menschen (verbrüdert sich offensichtlich mit dem nun früheren Feind gegen Sartory)... Fremdwörter benutzen, um die eigene Überlegenheit zu betonen, und dem anderen die Unterlegenheit gravierend deutlich zu machen. Das ist ordinär und exorbitant peinlich...“ (sieht den leicht fragenden Blick des heftig verletzten Moldenhauer nicht oder übersieht ihn dreist)

Sartory (es blubbert aus seiner Nase, der Mann röchelt, stöhnt, hustet Blut, ächzt und fiept bei jedem Atemzug leicht; verstörend heiser): „Tschulltschungk!“

Ein Passant, Walter Reiffenstecher, sticht aus dem schaulustigen Volk heraus, das sich nach und nach hier angesammelt hat. Es ist wichtig, während des fortlaufenden Geschehens darauf zu achten, dass die Geräuschkulisse „Volk/Passanten/Voyeure“ nach und nach anschwillt, einzelne Rufe oder Satzfetzen dürfen durchaus auch zu verstehen sein. Ein Kind könnte zum Beispiel fragen: „Hat der Opa da Schmerzen, Mami?“ Oder ein Radfahrer, der einen Fußgänger leicht angestoßen hat, weil er gar zu neugierig vorwärts drängte, noch auf dem Rad sitzend, und der offensichtlich angeschnauzt worden war: „Legen Sie sich doch gleich dazu, Sie Doppel-Hirni!“ Reiffenstecher hatte die Szenerie besonders interessiert verfolgt. Während jetzt Grebert sein Handy hervor holte und die 112 der Rettung wählte, ging Reiffenstecher zum Unfallopfer Sartory hinüber, fragte, zu ihm hinab gebeugt: „Und was wird jetzt aus Ihrem Einkauf, Sie armer, guter Mensch?“ (Im Hintergrund wird der Ablauf des Telefonats mit der Rettungsleitstelle zu hören sein, allerdings nicht im Wortlaut, vom Text her nahezu identisch mit dem ersten Anruf Moldenhauers)

Sartory: „Bei mir gehen gerade die Lichter aus. Ich schaff´s nicht, werter Herr. Da interessiert mich mein Einkauf noch am wenigsten. Echt, der interessiert mich nicht mehr weiter. Sie können gern alles haben. Nehmen Sie nur. Was Ihnen beliebt. Ich kann´s ja eh nicht mehr brauchen. Nehmen Sie, mein Herr, nehmen Sie sich. Alles, was Sie gern haben möchten...“ (blubbert)

Reiffenstecher sammelt akribisch, langsam und sehr bedächtig die vielen Teile auf dem Trottoir auf und gibt sie in die nahezu intakte, große, stabile Leinentasche. Als er damit fertig ist, geht er erneut zu Sartory, sagt, tief zu ihm hinunter gebückt: „So, das wär´s also nun. Leider sind zwei der 500 g Speisequark-Becher vollständig kaputt gegangen, die hab ich einfach liegen gelassen. Den Dreck mach ich aber nicht weg. Der Beutel Reis ist an der Seite ein wenig aufgeplatzt, aber ich konnte den Inhalt einigermaßen sichern. Und der Thunfisch ist eingedrückt, aber wohl inwendig noch so ziemlich in Ordnung. Im Übrigen war da auch noch ihr Portemonnaie... Im Einkaufsbeutel. Bei all den Sachen. Wollen Sie doch sicher zurück haben, oder?“ (Lauernd)

Sartory, blubbernd: „Nee nich`, das brauch ich ja nun nicht mehr. Wozu auch? Im Jenseits wird zwar auch mit barer Münze beglichen, aber in gänzlich anderer Währung, mein guter Mann. Mein Portemonnaie brauche ich wirklich nicht mehr. Nehmen Sie nur. Nehmen Sie alles, nehmen Sie und gehen Sie endlich. Mit Gott und all meinen guten Wünschen. Leben Sie wohl...“ (röchelt heftig)

Reiffenstecher: „Und was ist da drin, ich meine, in der Geldbörse? Ist da eventuell

Endlich ist das Hörspiel fertig. Wenn ein Leser Interesse hat, können wir das auch umsetzen. Der WDR hat, nach monatelanger Beratung im Gremium, abgelehnt.

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Kommentare

28. Apr 2020

Schön und anstrengend zugleich.
Herzliche Grüße
Olaf

29. Apr 2020

Liebrer Olaf, ich sitze über Deinem Buch.
Bald erhältst Du die Rezension. A b e r -
sind wir nicht alle etwas anstrengend???
Und dies ganz besonders zu diesen sehr
schwer zu ertragenden Zeiten?

Ich brauche noch 4 oder 5 Tage, dann
bin ich durch. Hernach meine "Kritik".

Vielen Dank für Deinen Post, mein
Lieber. Ich freue mich immer, von
Dir stolzem Musaget zu hören. Es
mag für eine Freundschaft reichen.

Groetjes von Gherkin

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