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Wälder, Bäume - Gedichte, Gedanken - Page 6

Bild von Willi Grigor
Bibliothek

Seiten

Holzschlags, und dort wartet ein glühender
Sonnenuntergang.

Ich höre die Amsel etwas von Ferne. Ein fast lauwarmer
Wind streicht über das Schlachtfeld der kurzsichtigen
Wirtschaftlichkeit, wo nun die Macht der Maschinen auf
die Natur trifft. Man wird traurig - und doch ist alles so schön:
die Amsel, der Sonnenuntergang, die bläulichen Berge und
der Duft von frischem Holz. Der etwas lachhafte schwedische
Ausdruck drängt sich auf: Betrüblich schön!
(Übersetzung aus dem Buch "Tag für Tag" des schwedischen Dichters Bengt Berg.)

Energie für unsren Stolz

Der Gedanke liegt doch nah:
"Der Wald ist hier und er bleibt da."

Schon lange hat es Wald gegeben,
wuchs im Land vor unsrer Zeit.
Er ist verknüpft mit unsrem Leben,
Wald ist keine Kleinigkeit.

Der Mensch forciert heut einen Wandel,
was das Glück des Walds betrifft.
Die große Gier nach Geld und Handel
ist für Wald das reinste Gift.

Wir produzieren tote Bäume,
machen aus den Leichen Holz,
Material für unsre Träume,
Energie für unsren Stolz.

Der Gedanke liegt nicht weit:
"Der Mensch sich von dem Wald entzweit."

Aus was man Geld macht

Zwischen des Waldes jungen Tannen
zieht ein Bächlein seine Bahn.
In ihm die Tränen freudlos schwammen,
die fremde Augen niemals sahn.

Es waren Tränen jener Tannen,
die, rank und stolz, wurden gefällt.
Man nahm sie fort, zog sie von dannen
in die nie satt werdende Welt.

Es sind just Bäume, oftmals Tannen,
es giert danach, das Gros der Welt.
Und ihre Tränen lautlos rannen ...

Aus toten Bäumen macht man Geld.

Schreit und spricht

Ich hatte einmal einen Traum,
er gibt noch immer keine Ruh.
Es ging um einen kleinen Baum,
er sah so aus wie ich und du.

Ich mag nicht diesen Traum,
mein Herz mir fast zerbricht.
Ein Baum will sein ein Baum,
kein Mensch, der schreit und spricht.

***
Richtung warme Frühlingszeit

Warum der Laubbaum im Frühling neue Blätter bekommt.

Es ist der Laubbaum - ohne Blätter -
wie der Kaiser ohne Kleider.
Die Leute sagen: "Ehrlich, leider,
mit den Kleidern bist du netter."

Deshalb, darum, genau deswegen
bekommt der Baum ein neues Kleid,
wenn kalte Tage sich bewegen
in Richtung warme Frühlingszeit.

Rettung einer Birke

Der Brief, den ich ihm schrieb,
- dem Biber, meinem Nachbar -
hat ihn nun doch bewegt,
zu gehn, uns zu verlassen.

Dem See ein Tier jetzt fehlt,
ein scheues, stilles, stolzes.
Und ich, denk ich gequält,
bin schuldig, denn ich wollt es.

Der Mensch steht vor der Wahl,
ein Anlass gibt den Ausschlag.
Er wählte dieses Mal:
die Rettung seiner Birke.

Ein Sommer-Tagtraum

An einem hellen Sommertag
- beglückend war des Lichtes Fülle -
vor einem stolzen Stamm ich lag,
sah hoch zum laubgeschmückten Baum,
in dem der Sonne Kinder spielten.

Ein kleiner Strahl verirrte sich
im Blattgeflecht von einem Ast.

Ein Vogel pfiff: "Ich rette dich!"
und zeigte dem verwirrten Wicht
den Weg zurück in seine Welt
der Helligkeit aus Sonnenlicht.

Es war ein sonderbarer Traum -
ich wachte auf und freute mich.

Unhörbare Sprachen

Mystisch ist der Pflanzen Schweigen
nur für den, der nicht begreift,
dass in allen Lebensformen
eine andre Sprache reift.

009 - Gustav Jäger
(Tote erzählen aus einem Friedhof im südlichen Lappland.)

Ich war ein Waldmensch
und hatte Angst vor der Natur.

Ich kannte jeden Waldweg,
jeden zugewachsenen Kuhpfad, jeden Weiher
in denen die Ziegenbuben angelten.

Ich kannte den Wald.

Ich wusste, wo die Elche gingen,
bekam selbst ihren weichen Gang,
wenn sie durch das Sumpfland streiften.

Ich war ein Freund der Unglückshäher,
den Füchsen und den Rehen.

Ich wusste, wo die Moltebeeren wuchsen,
die keine anderen Pflücker kannten.

Ich hatte ein Waldlachen und eine Waldseele.

Doch an manchen Tagen, mit dem Kaffee am Feuer,
stieg ein sonderliches Licht aus den Steinen,
und die Landschaft wurde metallisch,
und ich hörte einen Schrei
und sah unsere Welt
wie sie ist:
unheimlich, widrig, leer.

Ich sah ein Bild davon,
im Krankenhaus in Vilhelmina.
Eine Frau steht auf einer Brücke
und hält sich in größter Angst
die Hände vor die Ohren.

Sie hörte, was ich hörte.

Mein Name ist Gustav Jäger.
Ich war ein Waldmensch
und hatte Angst vor der Natur.
(Übersetzung aus dem Buch "Auf einem Friedhof im südlichen Lappland " des schwedischen Dichters Börje Lindström.)
(Schrei - Gemälde "Der Schrei" des Malers Edvard Munch, Norwegen.)

Edel und schlicht

Ich kenn einen Baum,
er ist eine Sie.
Sie wird mich überleben,
doch sterben auch sie.

Ihr Name ist Birke,
kein Adelsgeschlecht.
Doch hat sie Charisma,
ist edel und schlicht.

Wir brauchen nicht Worte,
um uns zu verstehn.
Sie winkt mit den Blättern,
wenn ich zu ihr geh.

Wir werden uns scheiden
einmal, vielleicht bald.
Doch sie wird hier bleiben,
am See vor dem Wald.

Mystisch
(Haiku)

Vorsommer. Ein Baum
lässt seine Blätter fallen.
Getuschel im Wald.

Des Lebensbaumes Laub

Der Mensch wird nicht geboren
um Eltern zu erfreun.
Der Mensch ist auserkoren
ein Blatt am Zweig zu sein,
ein Teil der stolzen Krone
hoch auf des Lebens Baum,
der wächst seit langen Zeiten,
auf dem ein Ast auch bricht
und Zweige zanken, streiten -
die Blätter stehen dicht.

Der Stamm des alten Baumes
trägt klaglos seine Last,
den Schmuck des Baumes Krone,
das Laub auf Zweig und Ast.

Auch dieser Baum wird sterben,
die Krone einmal fällt,
und gibt es keine Erben,
dann stirbt ein Teil der Welt.

Es wird der Mensch geboren -
ein Kronblatt darf er sein.
Er wurde auserkoren,
das Leben zu erfreun.

Die Menschen sind die Blätter,
des Lebensbaumes Laub,
das auch durch Wind und Wetter
- es hilft kein Schrei nach Retter -
zerfällt zu feinstem Staub.

Blühen und welken

Das Leben ist ein Teil der Welt,
es dieser ihre Farben gibt.
Ein junger Baum wächst hoch und fällt;
das Leben diesen Kreislauf liebt.

Der Lebenskreislauf formt die Welt,
das Leben seine Kinder liebt.
Die schönste Rose blüht, verwelkt
und Raum für eine neue gibt.

Morgengebet

Die ersten Sonnenstrahlen
verwandeln Grau in Blau
und lassen hell erstrahlen
den Glanz im Morgentau.

Ein milder Hauch des Windes
streut Tagluft auf das Laub.
Es winken Blätterkinder
zum Morgengruß vom Baum.

Und morgenfrische Töne
erquicken Herz und Ohr
und tragen hoch das Schöne
zum himmelblauen Tor.

Es ist ein mystisch Klingen,
wenn Wind durch Waldland weht,
es jauchzend will durchdringen,
als wollte er ihm singen,
dem Morgen ein Gebet.

Schlagen, bis er fällt

"Ein Baum, der uns im Wege steht,
- partout nicht aus dem Wege geht -
sagt bald ade zu seiner Welt:
Wir schlagen ihn, bis dass er fällt!"

Wie ein letzter Handschlag

Wer noch nie eine welke Blume,
ein gefallenes Blatt
oder die lose hängende Rinde
eines toten Baumes gestreichelt hat,
sollte dies tun.
Es bleibt im Gedächtnis
wie der letzte Handschlag
mit einem verstorbenen Freund.

Uralte Regeln der Natur

Bei eines Feuers warmen Flackern
fühlen Menschen sich geborgen.
Bei jedem Feuersturm in Wäldern
haben Menschen Ängste, Sorgen.

Feuer ist ein Freund des Waldes,
sonst würde es ihn gar nicht geben.
Wenn Feuer durch die Wälder ziehen,
werden diese selten sterben.
Es werden neue Bäume wachsen -
dies ist der Kreislauf der Natur.

Die Menschheit, dieser junge Zweig des Lebens,
hat Überlebenschancen nur,
wenn sie sich anpasst an die Regeln
einer schon uralten Natur.
(geo.de/geolino/natur-und-umwelt/5259-rtkl-feueroekologie-neues-leben-nach-dem-brand)

Birkenherbst

Die Sonne zeigt den schmalen Streifen
von ihrem hellen Morgenkleid.
Die Augen - überrascht - begreifen:
Ein Schauspiel macht sich hier bereit.

Der Lichtschein streichelt Äste, Wipfel,
die Hügel stehn im Nebelgrau.
Nun leuchten grüngelb runde Gipfel:
Der Birkenherbst hält Morgenschau.

Der See sie spiegelt, doppelt

© Willi Grigor, 2021

Ganz hinten meine Lieblingskuhweide damals, umrahmt von Wald. Foto W. Grigor, 2014

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Kommentare

05. Mär 2021

Frau Krause ist Typ "Mammut-Baum"!
(Bei mir reicht es zum Bonsai - kaum ...)

LG Axel

05. Mär 2021

Ich hatte einmal einen Traum,
er gibt noch immer keine Ruh.
Es ging um einen kleinen Baum,
er sah so aus wie ich und du.

LG
Willi

06. Mär 2021

Wunderbare Baumgedichte, Baumgeschichten. Eine umfassende Würdigung! Deiner Verehrung der Bäume schließe ich mich an, lieber Willi. Bin sehr berührt von dieser vielseitigen Liebeserklärung an diese unsere Geschwister, ohne die wir nicht leben können, die jetzt in so großer Zahl krank werden und sterben.

LG Marie

06. Mär 2021

Ich freue und bedanke mich über Deine "Würdigung", Marie.
Als ich die Idee bekam, meine Baum-/Waldgedichte zu bündeln, war ich überrascht, wie viele es in den letzten 5 Jahren geworden sind. Sie schlummerten verstreut in verschiedenen Computermappen.

Ich wünsche Dir ein gutes Schreibwochenende. (Dein Vermögen am laufenden Band hervorragende Texte zu schreiben, ist beeindrucken.)

Willi

06. Mär 2021

Du großer starker Baum

Lass mich niedersinken
lass mich ausruhen
lass mich anlehnen
lass mich zu Ruhe kommen
lass mich zu mir finden
in deinem Schatten
du großer starker Baum.
Uschi R.

Welch schöne Texte Du da verfasst hast, ganz wunderwunderbar!!!
Liebe Grüße in Deinen Abend - Uschi

07. Mär 2021

Alles was Du Dir von dem großen, starken Baum gewünscht hast, wird er Dir erfüllen. Du musst Dich nur nahe genug an ihn legen und lautlos mit ihm reden.
Hier die zweite Strophe eines kleinen Baumgedichts. (Die erste ist die Antwort von Axel Englerts Kommentar.)

Ich mag nicht diesen Traum,
mein Herz mir fast zerbricht.
Ein Baum will sein ein Baum,
kein Mensch, der schreit und spricht.

Danke auch für Deinen Kommentar, Uschi.
Freundliche Grüße
Willi

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