Konfirmationen

von Annelie Kelch
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Ich geh' nicht gern auf Konfirmationen,
ein Kind, das gestern Kind war, ist auch heut' noch Kind.
An diesem Tatbestand ändern auch nichts die Anemonen,
die Nachbars Achim rot verlegen dir nach Hause bringt.

Auch Essbestecke bringen keine unbedingte Reife
und Pickel schwinden nicht durch Segen oder Deo-Seife.
Man selber wird nicht 'mehr' von Sachen, die man plötzlich hat.
Am Abend bist du von viel fetter Torte höchstens dumm und matt.

Man trinkt und quasselt (meistens dummes Zeug) und tanzt sogar;
am nächsten Tag bist du dasselbe 'kleine Mädchen' wie zuvor.
Die Schultasche, darin der Atlas ruht, macht dir das Leben schwer.
Auf Mutters neuer Couch prangt jetzt ein fieser Brandfleck ...
Ob das der dicke Zigarilloraucher Onkel Elmar war?

Es wäre klüger, würden Konfirmandenkinder
an diesem Tag mit einem Flugzeug fliegen
oder eine flotte Bootsfahrt machen.
Na, wäre das nicht herrlich und gesünder?

An diesem Festtag, Mädels, Buben sollt ihr fröhlich sein und lachen -
selbst wenn sich die Verwandten wieder in den Haaren liegen.
Ein wirklich schöner Tag ist nicht mit Geldgeschenken aufzuwiegen.
Konfirmationen sollten sein, als würd' der Frühling gleich erwachen:
mit vielen kleinen Kälbchen, die die ersten Schritte machen.

geschrieben vor Jahren nach einer Konfirmation, die mir sehr missfallen hat (es handelte sich nicht um meine, die etwas besser verlief)

privates Foto, an meiner Konfirmation, noch sehr, sehr dumm, aber schon leicht (lieb) spöttisch

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Kommentare

04. Mär 2017

Gratulation. liebe Protestantin,
zu deinem gelungenen Statement
und dem schnuckeligen Bild,
von einem ausgetretenden
KATHOLIKEN

mit frommen Wünschen!
(dieses aber nicht ironisch gemeint) !

ALFRED

04. Mär 2017

Danke, lieber Alfred, für deinen freundlichen Kommentar.
Ich bin auch nicht mehr in der Kirche, aber jetzt nichtsdestotrotz frommer, als ich es vor meinem Kirchenaustritt war.

LG Annelie

04. Mär 2017

Ich stimme Dir voll zu, liebe Annelie. Ich habe auch noch gruselige Erinnerungen an den Tag, an dem mir unbekannte Nachbarn Gästehandtüchen für die Aussteuer schenkten. Still sitzen an der Kaffeltafel bis zum Abendbrot - auch mir wäre eine Bootfahrt lieber gewesen.

Herzliche Grüße,
Susanna

04. Mär 2017

Ist das nicht furchtbar, Susanna? Dass man zur Konfirmation schon Sachen für die Hochzeit geschenkt bekommt - als gäbe es für Mädchen kein anderes Leben als das einer Ehefrau?
Vielen Dank für deinen treffenden Kommentar. Ich glaube, dass es vielen Mädchen so geht - manche merken es leider noch nicht einmal.

Liebe Grüße
Annelie

04. Mär 2017

Liebe Annelie, habe selber keine guten Erinnerungen an den Konfirmationsunterricht, zu viel Auswendiglernen, keine offenen Gespräche, wenig Lachen. Bedaure dennoch, dass nach und nach alle Rituale wegfallen, die Heranwachsenden brauchen Orientierungshilfen. Es gibt heute Pfarrerinnen, Pfarrern, die Konfirmandenunterricht spannend gestalten. Auswendiglernen ist vorbei, statt dessen offen auf kritische Weise miteinander reden, lachen, sich gegenseitig kennen lernen, respektieren und zu Wort kommen lassen, Dinge ausdiskutieren, zwanglos über Werte nachdenken - das alles kommt in den Schulen unter dem durch Pisa verursachten Leistungsdruck viel zu kurz. Nicht abschaffen, die Rituale, sondern der Zeit anpassen - und besser machen - sollte die Devise sein. Und hinschauen, da hat sich viel geändert.
Liebe Grüße, Marie

04. Mär 2017

Da kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen, Marie. Du hast vollkommen recht. Ich bin mit allem einverstanden, was du gesagt bzw. geschrieben hast. Selbstverständlich möchte ich auch nicht die Konfirmation abschaffen, mich stößt nur sehr ab, wie materiell diese Feier in den Familien gestaltet wird. Ich bin auch - immer noch - für den Konfirmationsunterricht. Danke für deinen sehr guten Kommentar.

LG Annelie