O Jugendstil, o Kuss ...

von Annelie Kelch
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O lyrischer Kuss, zart konvex …
behütet im Schädelkomplex.
Züchtig gehaucht, nicht konkav,
puristisch wie selten: Gustav ...

Klimt: ornamentalisch, abstrakt …
mal mit und mal ganz ohne Akt.
Was, zum Teufel, soll heißen: goȗt juif*?
Herr Kraus: DAS war Kunst – mit Pfiff.

„Adele im Gold“, o edel bestückt,
hat selbst Nazibanausen entzückt.
Konfiziert, arisiert … dann verbrannt:
Fakultätsbilder, drei, von der Uni verkannt.

Wo Unfreiheit herrscht, gibt 's auch keine Kunst.
Waldeslust und anderer Kitsch stehn dort hoch in der Gunst.
O Klimt, womanizer, hast dich nicht gebeugt
dem Massengeschmack – wie dein Werk uns bezeugt.

In memoriam Gustav Klimt, Maler
* „goût juif“ (jüdischer Geschmack)
Jugendstil – eine Kunstrichtung (ca. 1895 - 1910)

Gustav Klimt (*14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien, heute 14. Bezirk; †6. Februar 1918 in Wien, 9. Bezirk) war ein bedeutender österreichischer Maler, einer der bekanntesten Vertreter des Wiener Jugendstils und Gründungspräsident der Wiener Secession.
Über von Klimt und Matsch (Maler) von 1900 an erstellte Entwürfe zu den sogenannten Fakultätsbildern für die Universität Wien, die im Auftrag des k.k. Unterrichtsministeriums entstanden, kam es zum Bruch zwischen den beiden Künstlern. Klimts Entwürfe, die er in der Secession ausstellte, wurden von Universitätsprofessoren und Medien unter Pornografievorwürfen heftig abgelehnt. Nach dem Wiener Skandal um das erste Bild, Philosophie, das bei der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, war Klimt bei Medizin (1901) und Jurisprudenz malerisch noch weniger kompromissbereit als zuvor. Matschs Gemälde Theologie wurde hingegen akzeptiert und befindet sich bis heute in der Universität Wien. Karl Kraus, der Klimts Stil offenbar nicht schätzte, verteidigte in seiner Zeitschrift Die Fackel[1] die Ablehnung des Philosophie-Gemäldes durch die Professoren und kolportierte die abschätzige Bemerkung, dass die Pariser der importierten Kunst den Spottnamen „goût juif“ (jüdischer Geschmack) verliehen hätten. Klimt trat vom Auftrag des Ministeriums 1905 zurück, retournierte mit Hilfe privater Gönner das erhaltene Honorar und nahm seine drei Bilder zu sich (sie waren im Zweiten Weltkrieg ausgelagert und sind 1945 in Niederösterreich verbrannt).
Quelle: Wikipedia

Bilder: Internet; Collage: copyright: Annelie Kelch
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Interne Verweise

Kommentare

03. Jul 2018

Danke, liebe Sabrina. Das ist leider wahr. Und man sollte keine Angst davor haben, dass man verunglimpft werden könnte, wenn man die Finger in die Wunde legt bzw. seinem Stil treu bleibt. Aber das damalige Regime, die Diktatur, hat kurzen Prozess mit jenen Künstlern gemacht; es hatte ja die Masse auf seiner Seite. "Freie Kunst ist ein Muss": Das hast Du gut formuliert.

Liebe Grüße zu Dir nach Berlin,
Annelie

03. Jul 2018

Freie Kunst ist schön und gut -
wenn sie mal einer machen tut...

LG Alf

03. Jul 2018

Danke, Alf. Ich denke, dass Du malst wie Du willst - und das ist gut so.

LG Annelie

04. Jul 2018

Liebe Annelie, Dein sehr gutes Gedicht über ein besonderes Bild von Gustav Klimt begeistert mich, wichtig auch die Erklärungen zu seinem Leben und Wirken, ich habe wieder einmal von Dir gelernt. Wenn ich mich nicht täusche, gab es aber auch hierzulande vor kurzem (im Rahmen der aus dem Ruder gelaufenen Sexismusdebatte) eine öffentliche Diskussion darüber, ob man Bilder von Klimt und Egon Schiele mit nackten Frauen überhaupt noch zeigen sollte, das ist Zensur von heute und empört mich ...

liebe Grüße - Marie

04. Jul 2018

das ist auch empörend!!! Was schön ist muss gezeigt werden dürfen!
(und wenn's nicht so schön ist, dann ist es zumindest aufschlussreich!)

LG Alf

04. Jul 2018

Ja, das ist richtig, meine ich. Einige Bilder Schieles sind sehr aufschlussreich (lach), aber auch schön. Er war ein guter Maler. Weshalb sollte man seine Kunst post mortem verbieten, während der Präsident der Vereinigten Staaten, den ja wohl auch einige Leute in Deutschland ganz toll finden, Frauen permanent beleidigen darf und sich ziemlich dumm darüber wundert, dass Frauen über 60 "in a good shape" sein können.

LG Annelie

04. Jul 2018

Danke, liebe Marie, das habe ich nicht gewusst - und bin sprachlos. Eine solche Zensur wäre ein großer Rückschritt für die Menschheit. Es geht doch darum, so unbefangen wie nur möglich mit nackten Körpern umzugehen - das hilft meiner Meinung nach auch gegen fatale Verklemmtheit, die zu sexuellen Straftaten führen kann. Es gab bereits im Rokoko und in der Renaissance nackte Körper in der Kunst - auch von Kindern. Wem dabei eigenartige Gedanken kommen, sollte sich in eine Therapie begeben. Es kann doch nicht sein, dass wir zur Mesepotamischen Kunst zurückkehren, deren Skulpturen und Malereien sich auf Herrscherstatuen, Götterbilder und wilde Tiere konzentrierten. Egon Schieles Bilder gefallen mir (auch) sehr. Das alles hat meines Erachtens auch nichts mit den zutiefst sexistischen Aussagen eines Trumps zu tun, einfach dämlich, weil ich mir vorstellen könnte, dass er wenig oder gar keine Chancen bei halbwegs intelligenten Frauen hat. Freie Kunst kann doch auch frei kommentiert werden. Sexistinnen sind ja wohl auch vorwiegend in der AfD zu finden und da stößt mir doch ganz übel auf.

Liebe Grüße,
Annelie

04. Jul 2018

Ohne viel Gerede. Meisterlich!
Bild und Wort.
Man denke an die Bilderstürmer.
Museen beugen sich schon heute radikalen religiösen
Strömungen.
Die Farben, die Klimt benutzt. Nur ein Blinder sieht nicht die funkelnde Energie darin.

04. Jul 2018

Danke, lieber Waldeck, für Deinen positiven, ja, fachkundigen Kommentar und für das Lob. Die funkelnde Energie, so habe ich es noch gar nicht gesehen; aber Du hast recht: Sie belebt die abgebildeten Personen ganz ungemein; und das macht tatsächlich die Energie, die durch die Farben spürbar wird.

Liebe Grüße,
Annelie

04. Jul 2018

Ich habe bereits mit drei Jahren gemalt. Aber zum Malen braucht man
Raume und Geld und Materialien.
Da ist das Malen mit Worten billiger. Dazu kam ich nur durch Zufall,
indem ich verhasste politisch privilegierte Dichter aus meiner Schulzeit
umdichtete. Leider gelingt mir heute weniger lustiges.

Gruß in die Nacht. Waldeck