Selbst (un)verständlich

von * noé *
Mitglied

Sag, wann beginnt ein Übergriff?
Bis wohin bin ich wirklich „Ich“?
Gibt’s, dass man es auch gut versteht,
denn eine „Ich-Identität“?

Jede Zelle meiner Haut
ist als Schutz um mich gebaut,
doch bin ich schon nach 7 Jahr
nicht mehr dieselbe, die ich war …?

Weil dann, und das weiß jedes Kind,
die Zellen runderneuert sind,
und dabei, ohne große Qualen,
auch Haar wie Schuppen ausgefallen,

die nun nicht mehr zu mir gehören –
partielles Sterben …? Kann mich stören,
wenn ich mir etwas einverleibe,
dass es als Teil-Ich bei mir bleibe,

ich dadurch nicht „verwässert“ werde –
und nicht vielleicht schon deshalb … sterbe?
Wo endet MEIN Ich, beginnt DEINS?
Sind wir schon bei Berührung eins?

Und was ist in der Straßenbahn –
wie nah lass ich die andern ran?
Kann jemand übergriffig sein,
dringt er in meine Aura ein?

Und ich in seine wiederum?
Ein Übergriff? Geduldet? Stumm?
Wie weit bin ich in mir zuhaus –
macht die Gedankenwelt mich aus?

© noé/2019

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Kommentare

12. Sep 2019

Ein wunderschönes Gedicht.
Vorsicht vor der Überhebung des eigenen ICH !
HG Olaf