Abschiedsgedanken

von marie mehrfeld
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Riech es, fühl es,
das schräg fallende Licht des
zehnten Mondes

in der geflüsterten
Stille der frühen Abendzeit,
Fuß vor Fuß,

atme das samtene
Gold des späten Herbstes
jauchzend ein

und den grauen Dunst
des Geschreis dieser Welt
gelassen aus,

Innehalten,
letzte Blätter trudeln mählich
zu Boden, die nun

blattlosen Wipfel
der hohen Bäume werfen
ihre langen leicht

schwankenden scharf
umrissenen Schatten auf mich,
halten mich fest

und befreien mich
vom Wust der Alltagsgedanken,
meine Ahnungen

weisen mir den Weg
in die Langsamkeit der
kommenden Wehmut,

verfangen sich in
der blassen Bläue des Himmels
und ziehen mit den

Federwölkchen davon,
helle Flecken hüpfen über die Hand,
wie sie wollen,

ich staune, stocke,
meine Seele fühlt die dräuende Zeit
der tosenden Stürme,

des Regens und der
frostigen Schwärze des Winters,
Abschiedsgefühle,

und darunter summt das
Keimen der Hoffnung auf Wiederkehr
nach langem Schlaf.

Buchempfehlung:

92 Seiten / Taschenbuch
EUR 9,50

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Kommentare

16. Okt 2017

Danke, liebe Marie, für die guten Zeilen. Ich habe sie Wort für Wort nachempfunden. Solch einen "langen Schlaf" lasse ich mir gern gefallen - sogar mit herbstlichen Träumen.

Liebe Grüße,
Annelie

16. Okt 2017

Danke, liebe Annelie, für die lieben Worte.
Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Internet,
bin aber wieder da.

Liebe Grüße - Marie

16. Okt 2017

Liebe Marie , du benutzt so viele wunderschöne längst vergessene Worte - und die Gesamtkomposition ist wundervoll! Welch schöne Gedanken du hast, so lieb ich den Herbst!
Liebe Grüße
Anouk

16. Okt 2017

Liebe Anouk, ich danke dir - ja, es gibt in unserer Sprache Worte, die klingen und nur noch selten gesprochen werden, einige von ihnen mag ich sehr.

LG - Marie

16. Okt 2017

Schön, wenn den Herbst man so besingt -
Bevor des Winters Schlaflied klingt ...

LG Axel

17. Okt 2017

Danke, Axel!

Kürzer wird die Zeit auf Erden,
bald kommt Ruhe, neues Werden …

LG - Marie

16. Okt 2017

Hier versüßt wundervolle Poesie den Abschiedsschmerz vom Gold des Herbstes, denn es naht der lange Schlaf des Winters... "und darunter summt das Keimen der Hoffnung auf Wiederker". Toll!

LG Monika

17. Okt 2017

Danke, liebe Monika, deine lobenden Worte tun gut
und sind wieder einmal - ein Gedicht für sich.

LG - Marie

16. Okt 2017

Deine detaillierten Abschiedsgedanken liebe Marie, wehen mich sacht in die dunkle Zeit des Winters, in der ich mich dann nach vergangenem und dem kommenden Licht sehnen werde ...

Viele liebe Grüße
Soléa

17. Okt 2017

Das stimmt, liebe Soléa; wie gut,
dass es die Jahreszeiten gibt.
Sei lieb gegrüßt!
Marie