Vergiss mein nicht

von Michael Dahm
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Im Nebel sich der Tag verbarg
als er an mir vorbeigetragen
ein großer brauner Eichensarg
auf dem schon weiße Nelken lagen.

Ein Gefühl ganz seltsam harrte –
ich war nicht einmal Gast –
als ob etwas durch die Kiste starrte –
hatte mein Herz gefasst.

Eine Stimme meinen Namen rief
aus diesem hölzern Ding,
dass es mir kalt hinunterlief
als ich schon wacklig ging.

Es schien dass sie kein anderer hörte
nur ich konnte vernehmen
wie es panisch aus dem Sarge röhrte
hinter edelsten Emblemen.

Höre doch – ich bin nicht tot
man will mich los nur werden
ich kratz mir meine Nägel rot
lass mich hier nicht beerden.

Doch sah ich zu mit stumpfem Sinn
wie er in die Grube fuhr
und schob den Trug auf fünf Glas Gin
die ich hatte – vorher – pur.

Ich hörte wie die Erde fiel
auch wie der Arme schrie
und wirkte mit in einem Spiel
der Friedhofsagonie.

Und als die letzte Erde lag
das Grab war aufgefüllt
sah ich noch immer seinen Sarg
mein Geist war eingehüllt.

Alsbald brach durch die Krume
so wie ein letzter Hauch
eine schlichte kleine Blume
vor immergrünem Strauch.

Wie sein Geheul verfolgt sie mich
die Blume – klein und schlicht
so wie ein ew'ger Nadelstich –
sie heißt „Vergissmeinnicht“.

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