Seltsame Welt

von Ella Sander
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Echtes, Wahres, Unverfälschtes
reicht nicht mehr für ein
vermeintlich schönes Leben:
Künstliche Füße lassen uns
fahren statt laufen;
Künstliche Flügel lassen uns
wie Vögel fliegen;
Künstliche Schönheit, die nicht
altert, ziert Gesichter, Körper,
Hände, sogar Haare;
Künstliche Essen -Surrogate-
füllen selbstverständlich Teller;
Künstliche Waren, normal - ohne
Plastik scheint Leben unmöglich;
Künstliche Intelligenz, noch in
den Kinderschuhen, führt bald
schon ganz allein Regie.

Schneller, weiter, schöner, mehr,
künstlich vernetzt: Perfektes Leben?
Es kostet nur Unmengen Energie,
uns selbst und den Planeten.
Ist es ein Wunder, dass Melancholia
um sich greift?
Ist es ein Wunder, dass die Erde stirbt,
ihr Atem dem des Sterbenden schon
gleicht?

Wir stehn am Scheideweg, wohl
wissend, es gibt kein Zurück.
Kann es uns dennoch gelingen
rückwärts vorwärts zu gehen?

Und auf den Straßen protestierten
Kinder, die, zu Recht, um ihre
Zukunft bangen.
Welch reiches Armutszeugnis,
seltsame Welt.

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Kommentare

31. Mär 2019

Es ist sehr traurig, uns zum Schaden,
Scheinbar nur Kinder Durchblick haben!

Dankeschön, lieber Axel. :)

Liebe Grüße
Ella

31. Mär 2019

Liebe Ella, das Thema Deines guten Gedichts brennt auf den Nägel; gestern Abend sah ich mir im ZDF die Verleihung der Goldenen Kamera an, im Publikum die gehobene schön geschminkte meist gealterte Film- und Fernsehprominenz in teuersten Designerklamotten, man hatte Tränen der Rührung in den Augen, als die mutige Greta ihnen und uns allen den Spiegel vors Gesicht hielt mit ihren hellwachen Worten, die davor warnten, dass es bald zu spät sein wird; ich dachte mir, durchaus beschämt, wie Recht sie hat, die junge Schülerin aus Schweden, und - wir alle sollten auf der Straße mitmarschieren; und dann dachte ich noch, wie viel Geld wurde da für die übertrieben luxuriöse Ausstattung vom Feinsten verschleudert, das man besser für ein sinnvolles Umweltprojekt gespendet hätte …

liebe Grüße - Marie

31. Mär 2019

Liebe Marie, tatsächlich habe ich gestern Abend die Sendung auch gesehen. Greta's Worte, vor allem der Ausdruck "seltsame Welt", ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen und fand Einzug in dieses Gedicht.
Greta, dieses junge, mutige Mädchen, das eine weltweite Bewegung ausgelöst hat, verdient Respekt und Anerkennung. Auch ich war sehr gerührt, als sie so ganz alleine am Mikrofon stand, zart und zerbrechlich, und ohne abzulesen, ihre eindringliche, beeindruckende Rede hielt. Am liebsten hätte ich neben ihr gestanden und meine Hand auf ihre Schulter gelegt. Ich hoffe, dass sie nicht an der Bosheit zerbricht, die ihr von nicht wenigen entgegenschlägt, obwohl jeder weiß, dass sie Recht hat.

Vielen Dank für Deine Gedanken zum Thema, liebe Marie, die ich uneingeschränkt mit Dir teile.

Herzliche Grüße
Ella

31. Mär 2019

"Echtes, Wahres, Unverfäschtes", gut gesagt, liebe Ella, darum geht es doch, wem nützt der schöne Schein der Künstlichkeit, klar, dem Konsum... Gretas Auftritt hat mir gefallen, ihre Botschaft war klar hörbar. Das Promipublikum zeigte sich gerührt, war das "echt" ? Und was passierte später bei derselben Veranstaltung? Die junge Nachwuchsschauspielerin bekam zur Gold.Kamera noch einen SUV dazu... Dein Gedicht ist gut. Herzlichst- Ingeborg

01. Apr 2019

Ja, Du hast Recht, liebe Ingeborg. VW war einer der Hauptsponsoren der Goldenen Kamera. Dass einerseits die Goldene Kamera an die junge Aktivisten Greta verliehen wurde und andererseits die Nachwuchsschauspielerin Milena Tscharntke einen SUV bekam, ist auf große Kritik gestoßen. Das zeigt, dass die Menschen sensibilisiert sind, was schonmal ein guter Anfang ist. Wenn das dazu führt, dass so mancherr sein Verhalten überdenkt und beschließt einiges zu ändern, ist auf jeden Fall etwas gutes dabei rausgekommen. Ausreichend ist das natürlich nicht, aber vielleicht der Anfang vom Richtigen.

Vielen Dank für die Gedanken zum Thema, liebe Ingeborg.
Ich bin gespannt wie es mit der Umweltbewegung weitergeht und wann die Politik endlich angemessen, im Sinne des Klimaschutzes, handelt.

Liebe Grüße
Ella

02. Apr 2019

Wir alle haben uns selbst ausgeknockt,
weil ein höher – weiter – schneller stets lockt …

Dass die Jugend, hauptsächlich (erst) durch Greta, aufsteht, dafür wurde es Zeit. Aber gerade das sagt und zeigt mir auch, wie die breite junge Masse tickt, nämlich genauso wie die ältere Generation auch. Erst wenn sie wachgerüttelt oder mit der Nase auf etwas gestupst werden, reagiert der Mensch, beginnt zu überlegen und zu handeln … wir Älteren hätten schon l ä n g s t reagieren müssen! Jetzt, wo das Kind im Brunnen liegt, hat sich das rückwärts vorwärts gehen, denke ich, liebe Ella, leider erledigt.

Liebe Grüße
Soléa

02. Apr 2019

Ich wünsche mir so sehr, dass Du Unrecht hast, liebe Soléa, unserer Kinder wegen. Aber laut Meinung vieler Experten, scheint es schon zu spät zu sein.
Aus der Nummer kommen wir wohl nicht mehr heraus. Unsere Kinder werden, ob wir wollen oder nicht, für unsere Fehler bezahlen müssen.
Wie unsagbar traurig!

Vielen Dank für Deine Meinung, liebe Soléa. :)

Ganz liebe Grüße
Ella