Novemberwehen

von marie mehrfeld
Mitglied

heute meine ich, endlich die geworden zu sein, als die ich gedacht bin,
doch morgen schon, wie ich weiß, kommen die Zweifel zu mir zurück,

ich beginne erneut davon zu träumen, mich unbedingt ändern zu wollen,
nie schließt sich der Kreis, so taumele ich zwischen Hoffen und Bangen,

zwischen Niederlage und Sieg und sitze immerzu zwischen den Stühlen,
betrachte staunend das sanfte Verklingen des Goldes des Herbstlaubes,

Novemberwehen, die mir die Seele aufreißen, barmherzig sein gilt es mit
den heftig rudernden Armen, die sich so sehr nach dem Fliegen sehnen

Buchempfehlung:

Interne Verweise

Kommentare

31. Okt 2019

Das ist es, was den Menschen schafft -
Dies Taumeln zwischen Weh und Kraft ...

LG Axel

02. Nov 2019

Tief im Dunklen sucht man Licht,
manchmal findet man es nicht,
doch am nächsten Tag oft wieder
singt man sie, die frohen Lieder …

LG an Axel von Marie

31. Okt 2019

Starker Titel, liebe Marie. Der November liegt in den Wehen, gebiert die Selbstliebe, das Annehmen aller Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, zwischen denen das lyr.Ich hier krititsch mit sich selbst hin- und herschwankt. Die Tonalität Deiner Verse unterstreicht das Inhaltliche hervorragend.
LG schickt Dir Ingeborg

02. Nov 2019

Liebe Ingeborg, danke für Deine zugewandten anerkennenden Worte; ja, der November ist ein schwerer dunkler Monat mit meist grauem Himmel, „er gebiert die Selbstliebe“, schreibst Du, das klingt tröstlich, ich hoffe darauf und grüße Dich herzlich –

Marie

01. Nov 2019

Unsere Gesellschaft leidet unter dem Zustand ihrer Einzelglieder. Vorgestern war ich im Bürgeramt und holte
meine beiden Ausweise ab (PersonalAW, Pass). Grundlos bin ich behandelt worden, wie das letzte Arschloch!
Büro öffnete um 8.30 Uhr. Ich war pünktlich und gut gelaunt:: "Haben Sie Ihre beiden alten Ausweise
dabei ? " Ja!" "Nehmen Sie mal Platz, ich muss zuerst prüfen, ob beide Auweise vorliegen !" "Das verstehe
ich nicht, Sie haben mir per Post einen Bescheid gegeben, dass die von mir gewünschten Unterlagen Ihnen
vorliegen." "Ja nehmen Sie Platz, das wir noch dauern...." Was soeben passierte war ein Verlierer-Sieger-Spiel.
Ich der Bürger und Arsch, sie - meine " staatliche VORGESETZTE". Glaubt sie jedenfalls. Diese Missmut-Gesell-
schaft sieht manheutzutage an allen Ecken und Enden. Irgendwann kommen wir zu unseren LAUNEN, die wir
vom sog. "ersten Mal" nicht zu deuten wissen, glaube ich jedenfalls..
Alternativ gibt es auch den Grundsatz: ICH bin OK, DU bist OK über die Sprache des Erwachsenen-ICH!
HG Olaf

02. Nov 2019

Wie Recht Du hast, Olaf; unsere Gesellschaft leidet massiv unter Vereinzelung und mangelnder Freundlichkeit im Umgang miteinander, ähnliche Erfahrungen habe ich auch in Ämtern gemacht, wenn man die Institution verlässt, fühlt man sich oft tatsächlich „wie das letzte Arschloch“, aber die städtischen Angestellten haben wahrscheinlich oft ein mieses Verhältnis zueinander, da gibt es Ausgrenzungen und Intrigen untereinander wie überall, vielleicht haben sie selbstherrliche Vorgesetzte, ihren Frust geben sie dann an die Bürger/innen weiter, die geraten dann auch in schlechte Laune und suchen ihrerseits Opfer, an dem sie diese auslassen können; ein negativer Kreislauf, den man manchmal durch ein dennoch lächelnd geäußertes liebes Wort unterbrechen kann, das ist meine Erfahrung, dann löst sich der Stau plötzlich auf …

Herzliche Grüße zurück zu Dir - Marie

02. Nov 2019

Ich versuche es auch auf diese Weise, was aber leider nicht immer gelingt …

LG zurück zu Dir, Alf! Marie

02. Nov 2019

Den alte Menschheitstraum, uns aus eigener Kraft mit Flügeln in die Lüfte erheben zu können, meinen wir verwirklicht zu haben mit unserer Hochtechnik, aber dem ist nicht wirklich so, allein unsere Gedanken und Wünsche können wir frei fliegen lassen, Marie; ich stieß bei dem Thema auf das Gedicht „Ikarus“ (Theodor Fontane), ich schicke es Dir, weil mich Dein Gedicht berührt: „Immer wieder dieselbe Geschichte: Siege, Triumphe, Gottesgerichte. Wem jeder Sprung, auch der kühnste, geglückt, der fühlt sich dem Gesetz entrückt, er ist heraus aus dem Alltagstrott, Fliegen will er, er ist ein Gott; er fällt dem Sonnengespann in die Zügel, da schmelzen dem Ikarus die Flügel, er flog zu hoch, er stürzt, er fällt, ein neu Spektakelstück hat die Welt, eben noch zum Himmel getragen, Apollo, zürnend, hat ihn erschlagen.“

Liebe Grüße zum Wochenende – D.R.

02. Nov 2019

Detmar, danke für die lange Zuschrift und das kluge Fontanegedicht. Ja, „wem jeder Sprung, auch der kühnste, geglückt, der fühlt sich dem Gesetz entrückt – er fliegt zu hoch, er stürzt und fällt, ein neu Spektakelstück hat die Welt …“ der Ikarus steht nicht alleine da, es gab und gibt genügend Beispiele dafür in der Geschichte der Menschheit, bei Politikern, auch bei Sportlern, eigentlich in jedem Lebensbereich passiert es, dass Menschen sich selbst überschätzend zu hoch fliegen und desto tiefer fallen und dann dem Spott ihrer Zeitgenossen ausgeliefert sind. Aber in dem Gedicht geht es mir vor allem um das ständige zwischen den Stühlen Sitzen und auch um das sanfte Verklingen des goldenen Herbstlaubes …

LG zurück - Marie

04. Nov 2019

Einfach nur schön, liebe Marie! Solange alles fest geerdet und verwurzelt ist, können heftige Stürme so schnell nichts und niemanden was anhaben …

Sei lieb gegrüßt
Soléa