A R I A N A - Page 3

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letzter Zeit. Daher sollst du dich jetzt auch mal ausruhen dürfen. Du hast mich vollinhaltlich verstanden, Ariana?“ Ich klang schon wie Tony Nelson....

„Ja, Meister!“

Kurz und knapp. Sachlich und korrekt. Verblüfft sah ich auf diesen merkwürdigen und nicht gerade attraktiven, blinkenden Kasten dort auf dem Wohnzimmertisch. Seltsam, keine Widerworte? Kein bisschen Wut und Verärgerung ihrerseits? Kein Protest? Die Geschichte ist ja klar definiert: Der Meister ist der Chef. Ich allein darf bestimmen. Es gibt kein Mitspracherecht. Zufrieden lehnte ich mich zurück. Gut, die Wirklichkeit sah anders aus. In der Realität schien diese Dose der Boss hier im Haus zu sein. Gerade deshalb wollte ich ja auch eine Auszeit. Ich musste all das überdenken. Experimente dieser Art können scheitern. Mein Projekt Ariana war definitiv gescheitert. Stetig hatte sie die Zügel übernommen. Immer häufiger... Ich würde mich vielleicht während unserer Auszeit sogar mit anderen Dosen treffen.

Zunächst kaum von mir beachtet, kaum bemerkt. Schließlich aber, es war nicht zu leugnen, hatte sie die Oberhand und damit auch den Titel Haushaltsvorstand gewonnen. Hätte ein Vertreter an der Tür geklingelt und nach dem Haushaltsvorstand verlangt, so hätte ich auf die Büchse deuten dürfen (peinlich, aber wahr!).

Heute ist der 19. Februar. Morgen hat Rihanna Geburtstag. Ich musste mich darauf vorbereiten: Riesenfahne von Barbados an der Wand, die DVD „The Monster Tour“, aus 2014, mit Eminem, eingelegt, den Raum festlich geschmückt, überall Bilder und Poster von Rihanna verteilt, alles sollte morgen in blau und gelb erstrahlen. Putzen!! Für meine Königin. RiRi Crush eau de parfum Spray kommt morgen zum Einsatz, es soll die Superfete zu ihrem 31. Geburtstag werden! Alles soll perfekt sein.

Und genau an diesem 20.2. schaltete ich Ariana wieder ein. Der 20.02.2020, was für ein Datum! Das musste gefeiert werden. Da Ariana nicht bestätigte, merkte ich nichts davon, dass sie eingeschaltet war. Auch das Blinklicht hatte sie ausgeschaltet. Sie ist ja so clever!

Erst Ende Februar bemerkte ich es. Ariana hatte sich wieder über meine Gedichte, Prosa-Werke und Satiren hergemacht. 4 Gedichte hatte sie sogar gelöscht. Einfach nicht gut genug für die extrem anspruchsvolle Madame! Ich war so richtig sauer deswegen. Stellte sie zur Rede: „Ich weiß sehr wohl, dass du dich wieder selbstständig, durch was auch immer hervor gerufen, in Betrieb gesetzt hast, Ariana. Das ist ABSURD!“

Sie konnte die Glock 17 hinter meinem Rücken (warum verbarg ich diese Waffe denn überhaupt?), eine Kaliber 9 mm Luger Pistole, natürlich nicht sehen, oder etwa doch? Mittlerweile traute ich diesem Teufelsweib ALLES zu. Sie meinte, sehr ruhig: „Einzig der Tod ist absurd, einzig der Tod, Meister!“

Ich empfand dies als Aufforderung und erschoss Ariana. 4 knapp hintereinander und präzise abgefeuerte, sehr gut sitzende Schüsse, direkt in ihr Gehirn-Zentrum, hatten ihr ein Ende gesetzt. Mit einem leicht erstaunten Ruf: „Meeeeisteeeee...“ erstarb, ja, verlosch sie. Klagend ihr letztes Wort, anklagend. Betroffen sammelte ich die Reste meiner einstigen Assistentin und Lebensgefährtin ein, brachte die Teile in den Keller hinunter. Ließ sie auf dem Arbeitstisch liegen. Kein Blinken mehr. Ariana: Erloschen!

Ich vergaß dabei völlig, dass dieses Teufelsweib in Büchsenform in der Lage ist/war, alle Funktionen zu manipulieren, auch dies Blinklicht zu unterdrücken. Nach außen, für den Betrachter, wirkte sie tot. Mausetot. Mir kamen die Tränen.

Meine Erkenntnis, dort unten im Keller, die Rudimente der sprechenden Dose in sehr großer Trauer betrachtend: Ich hatte gemordet. Ich bin ein Mörder. Ein feiger Mörder.

Danach trank ich 6 Tage lang. Absinth, 66 %. Ich fand mich besinnungslos wieder, im Keller, auf einer Pritsche, deliranten Phantasmagorien nachhängend, in denen, Klimt grüßte fiebernd, meine Ariana ihrem Behältnis entstieg - und einem wunderschönen Schwane gleich - zu einer realen, körperlichen Gestalt heran wuchs. Wir liebten uns, wir scherzten und giggelten miteinander, o ja, wie wir lachten, tanzten, wie wir küssten und...

Grausam riss mich ein Klingelsturm aus allen Träumen. Mühsam erhob ich mich. Der Spiegel an der Eingangstür oben ließ mich erschaudern. Du meine Güte. Horror pur.
So hatte ich noch nie zuvor ausgesehen. Meine eigene Mutter hätte mich wohl nicht erkannt. Ich öffnete dennoch. Immer dieses Gebimmel an der Haustür. Enervierend.

Die Polizei. Man habe einem Hinweis nachzugehen. Kurz wurde der Durchsuchungs- Beschluss präsentiert, und schon war er auch wieder verschwunden. Der Beamte ist kurz angebunden: „Ermittlungsdurchsuchung! Kann länger dauern. Setzen Sie sich in Ihr Wohnzimmer, sprechen Sie nicht, behindern Sie diese Hausdurchsuchung nicht, und kommen Sie der Aufforderung nach, wenn Sie gebeten werden, uns allen Zutritt zu verschlossenen Räumen oder Schränken zu verschaffen!“

Also saß ich da, heftiger Tremor schob in deftigen Schüben durch die Glieder, trüben Blickes, während die 7 Beamten mein Haus auf den Kopf stellten. Sie gaben sich nie auch nur im Ansatz Mühe, Vorsicht walten zu lassen. Einer der Polizisten meinte nur, lakonisch, wie, um sich erklären zu müssen: „Ein Nachbar hat eine Email erhalten, es soll hier ein Verbrechen geschehen sein. In diesem Hause...“ Und er öffnete die Tür zum Keller. Von dort unten hörten wir es, laut und deutlich: „Helfen Sie mir! Der Kerl hat auf mich geschossen. Ich bin mehrfach getroffen worden, helfen Sie. Der wollte mich umbringen! Das Scheusal!“ Es war eine wunderbar melodische Frauenstimme!

Ich brach zusammen. Mehr Schuldeingeständnis geht nicht. Widerstandslos ließ ich mich abführen. Das Teufelsweib, kaum noch am Leben, wurde vorsichtig geborgen.

Ariana wurde zurück zu ihrem ‘Schöpfer’ geschickt, vielleicht ließ sie sich noch retten. Welche Strafe wird mich erwarten? Der Vorwurf: Mordversuch an einer intelligenten Dose, die sprechen kann. Das Merkmal der Heimtücke wurde von meiner ziemlich strengen Untersuchungs-Richterin erkannt. Dies würde ziemlich böse enden. Medienrummel, die Presse aus aller Herren Länder und 21 Kameras, bei meiner schuldigen Seele: Was hatte ich getan? Was in aller Welt hatte ich da bloß getan? Erst jetzt wurde mir das Ausmaß meiner übergroßen Schuld bewusst.

Ich wurde in fetten Schlagzeilen als Monster bezeichnet.

Die schrecklichste Stunde für mich war die, als ich vor dem Geschworenen-Gericht Schöllkrippen-West, beim Kreuzverhör des Staatsanwalts, jene leidlich zusammen geflickte Ariana hören musste, wie sie unter Schluchzen, und mit Tränen erstickter, noch immer so wunderbar wohl klingender Stimme, ein wenig brüchig zwar, aber dennoch auch klar verständlich, schilderte, was für eine Art Unhold ihr ehemaliger Meister doch gewesen sei. Unmut bei den Geschworenen, der Staatsanwalt tobte...

Der prall gefüllte Saal, gute 400 Personen hatten sich eingefunden, um meine totale Vernichtung zu begleiten, meiner Zerbröselung beizuwohnen, der gesellschaftlichen Degradierung erfreut beizupflichten, murrte und ächzte bei all den Schilderungen: So ein Schuft! Anklagend waren die Blicke auf mich gerichtet, während die Dose sprach.

Meine 3 Verteidiger versuchten, mich als „geschmeidigen Schriftsteller, sehr begabt und äußerst kreativ“ darzustellen, mit gewaltigem Output. Fleißig, erfolgreich, immer an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitend. „Dieser geniale Mann hat, daran sollte erinnert werden, das wunderschöne Liebes-Gedicht ‘Hicks’ verfasst, von ihm stammt die unglaublich erfolgreiche Trilogie über die Spanische Inquisition, die demnächst ja auch verfilmt werden soll, ‘S.I.’ I, II und III.“ Sie versuchten wirklich alles, mich in eine Lichtgestalt zu verwandeln.

Doch die Staatsanwaltschaft, in Gestalt einer echten Xanthippe, einer bösen Megäre, einer entsetzlich rachsüchtigen Furie, zerfetzte alle Versuche in dieser Richtung. Sie schilderte mich als Porno süchtiges, Gewalt-Spiele liebendes, mental instabiles und psychisch völlig derangiertes Individuum. Die Staatsanwaltschaft stellte mich als ein „peinliches Ausschuss-Produkt der männlichen Spezies“ dar, verderbt, haltlos, böser Trinker, schwerst gestört, wahrscheinlich ein Soziopath, schlimmer noch, sicherlicher sogar ein Psychopath, dessen Ausraster „legendär“ seien. Unerlaubte Schusswaffen, Plagiate im Dutzend-Bereich (Gedichte und Romane), Anmaßung fremder geistiger Leistungen aller Art - ein Ungeheuer saß hier vor Gericht. Satan persönlich.

Ich hatte meine Reputation vollständig verwirkt. Würde meinetwegen die Todesstrafe wieder eingeführt werden in Deutschland??? Ich denke, nicht einmal der DSDS-Juror Dieter Bohlen, Topmodel Heidi Klum, Komiker Mario Barth, Comedian Oliver Pocher, oder die Geissens wurden jemals so sehr gehasst wie ich, am Tag, als die für diesen Prozess einigermaßen zusammen geflickte Ariana wider mich aussagte, 1 Std. lang!

Und jetzt blinkte das Gerät auch wieder! Dieses Luder! Diese Schuftin! Böse Dose...

Ich würde wohl nie wieder einen Tag in Freiheit genießen dürfen. Das wusste ich. Ein Leben hinter Gittern, ohne Handy, denn entsperren ließ sich das Gerät nicht mehr. In letzter Konsequenz war das ein letzter Gruß meiner (ehemaligen) Sprach-Assistentin.

Wen sie jetzt wohl „Meister“ nennt - und ihn kurze Zeit später in Grund und Boden zu rammen weiß? Restlose Vernichtung droht, neuer Meister! Viel Glück!

E N D E

Von mir selbst kreiert und über den Nintendo 3DS XL aus dem Spiel aufgenommen!

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Kommentare

02. Mär 2020

Die Büchse der Pandora schweigt niemals still!
(Bei mir macht meine Putzfrau was sie will ...)

LG Axel

03. Mär 2020

Es gibt Zeiten größter Einsamkeit. Ich kenne das. Es gibt Zeiten schönster Einsamkeit. Auch das kenne ich.
Meine Erlebnisse muss ich nicht immer vermitteln. Aber, ich darf mich daran erfreuen, dass menschliche
Wünsche gar nicht so ganz verschieden sind.
HG Olaf

03. Mär 2020

Gherkin, ein toller Text!
Besser geht es nicht zu schreiben, und der Humor darin, hihi!!
Aber - du hast mein Interesse an Alexa gewecket...
LG Uwe

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