Stoßgebet

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Bin eingeschlossen in der Mittagsglut, in der schwarzen Flut der Gedanken vom Untergang, Weinen ist angesagt, Reue ist angesagt; wir schauen nicht hin und verstecken die Angst hinter bunten Masken, kommen uns nicht nahe und halten keine Hände, weil eine Seuche uns den Atem nimmt und die Sicht auf das Wesentliche trübt; dieser Tag, er trägt die Farbe der Trauer ins Herz, sah ich die alte Linde, ihre Blätter verwelkt, verlaust, gebräunt neben der jungen Buche mit kahlen Ästen zur Sommerzeit; es stirbt der Wald, es stirbt der Wald, es stirbt der Wald und wir mit ihm; und die Plastikflut wächst und wächst und wir läuten den Wandel nicht ein, noch könnten wir es; lasst grünes Gras wachsen auf den betonierten Straßen und Plätzen, lasst Kamelienranken sich winden um Kräne und Masten, sie seien ihr Kleid und ein summendes Haus für Bienen, Hummeln, Hornissen und seltene Käfer; lasst Efeu sich ranken um alle Häuser, lasst Wildwuchs werden in den Gärten der Erde, lasst Zauberblumen und duftende Sträucher, lasst Gemüse wachsen auf euren Terrassen und Balkonen und Ziegen weiden auf den begrünten Dächern, auf dass Schmetterlinge zurück kehren in all’ ihrer Pracht und die Vielfalt der Vögel sich Nester baut und sich alles vermehrt, was da kreucht und fleucht; hilf uns, Lehren zu ziehen aus den Krisen der Erde; zeig uns, wie Überleben geht in Zeiten des großen Sterbens, des Abschieds von der Schönheit der Natur; stütze den guten Anteil in uns, auf dass wir uns besinnen; stille den Durst der Kreatur und lass uns - Hoffnung schöpfen dürfen …

Was die optimale Stadtbegrünung betrifft, da kann Singapur, der kleinste Staat Südostasiens, auch „Stadt der Gärten“ genannt, uns ein großes Vorbild sein; der Stadtstaat ist dabei, der grünste Land der Welt zu werden – und zeigt uns, wie man der Klimakatastrophe entgegen wirken kann …

Kommentare

23. Aug 2020

Der Klima-Wandel haute hin -
Beim "Sapiens" scheint er wohl kaum drin ...

LG Axel

24. Aug 2020

Die Wende ist noch zu erreichen –
es muss Beton dem Grün nur weichen …

LG an Axel

23. Aug 2020

Großartig formuliert ! Danke.
Wir sehen uns zu sehr im Mittelpunkt aller Geschehnisse. Das ist schade, weil narzisstisch !
HG Olaf

24. Aug 2020

Ich danke Dir, Olaf; ja, gemeinsam - gegen den Narzissmus ...

HG zurück - Marie

24. Aug 2020

Dein „Stoßgebet“ liebe Marie, empfinde ich als Aufschrei und beide sind angesagt. Wir Menschen können keine Lehren aus Krisen ziehen, statt zu lernen, rutschen wir immer wieder in andere hinein, wir kommen gar nicht mehr hinterher, sie zu bewältigen, geschweige denn sie zu verhindern. Wir drehen uns nur im Kreis. So ist das, wenn man zu viel will, aber dabei viel falsch macht und den vorausschauenden Überblick verliert. Es tut mir nur so leid, für alle die, die noch jung sind und nach uns kommen.

Viele liebe Grüße
Soléa

24. Aug 2020

Danke für Deine klugen richtigen wichtigen Worte, Soléa, Du hast ja Recht, vor allem, was unsere Nachkommen betrifft; eine konsequente Begrünung unserer Städte könnte aber ein Lösungsansatz sein, siehe Singapur, dafür sollte man kämpfen, in der Hinsicht ist noch nicht viel passiert in unseren Breiten …

Sei herzlich gegrüßt - Marie

25. Aug 2020

Liebe Marie, das Begrünen NEUER Städte sehe ich absolut machbar, was jedoch die bestehenden Metropolen betrifft, eher nicht. Und selbst wenn, wird sich in meinen Augen das weltweite Klima nicht deutlich genug dadurch verbessern, für die Bewohner der Städte selbst, vielleicht schon. Und wenn Umweltschutz mäßig nicht schnell, global und erfolgreich daraufhin gearbeitet wird, ist die Erde de facto am Ende - kahl und der Mensch verhungert. Schon viel zu viel Zeit wurde verplempert!

Herzliche Grüße
Soléa

26. Aug 2020

Ja, schon viel zu viel Zeit verplempert, liebe Soléa, zu viel geredet und viel zu wenig getan. Da aber immer mehr Menschen in die Städte ziehen, die sich dann schnell in Megametropolen verwandeln, macht eine konsequente Begrünung dieser Moloche schon Sinn, weil so wenigstens das Binnenklima verbessert werden kann. Frankfurt am Main hat zum Beispiel „nur“ 750.000 Einwohner, aber diese Zahl täuscht, denn eigentlich ist die Stadt, in der ich lebe, Teil der Rhein-Main Metropole – mit 5.7 Millionen Einwohnern. Da die Wälder durch die Hitzewellen und zu wenig Regen rapide sterben, muss und kann man wenigstens in den Städten dagegen halten durch konsequente Begrünung. Innerstädtischer Anbau von Gemüse und Obst in eigens dafür errichteten Häusern, das gibt es schon. Das wäre mehr als nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein, denn es hält die Städte kühler, verbessert die Luft zum Atmen und damit die Lebensqualität …

herzliche Grüße zu Dir - Marie

24. Aug 2020

Die Erde braucht uns nicht, wir aber sie!
Noch hält uns fest die Gier gefangen!
Im Paradies schlingen zu viele Schlangen!
Hinfort, du Überhunger! Aber wie?

Deine wunderbaren Zeilen sprechen mir aus der Seele, liebe Marie. Es ist Zeit, dass der Irrsinn "Hast du was, bist du was" durch den Wert "Weniger ist mehr" abgelöst wird, wenn wir Teil des magischen und wunderschönen Paradieses , das wir Erde nennen, bleiben wollen.

Herzliche Grüße
Ella

24. Aug 2020

Wunderschön in Verse gegossen, danke, liebe Ella. Ja, wir müssen uns sehr anstrengen, wenn wir Teil des Paradieses ERDE bleiben wollen – und ganz sicher ist „weniger mehr“.

Herzliche Grüße zu Dir zurück - Marie

24. Aug 2020

...und Schmetterling kam angeflogen,
die Blüten satt im Wind sich wogen -
auch Bienen, Käfer konnten laben
brauchten fortan nun nichtmehr darben...

Wenn jeder bisschen nachgedacht,
so hätte dies schon viel gebracht,
Umzudenken höchst an der Zeit -
zum Ziel vielleicht dann nicht mehr weit!

Und trotzdem liegt noch eine gewaltige Strecke des Nach- und Umdenkens vor uns liebe Marie und allen Apellen zum Trotz betreibt so mancher weiterhin Raubbau an den Ressourcen!
Ein guter Denkanstoss und starker Text von Dir - dankeschön fürs Teilen und hier Lesenlassen!

Herzlich liebe Grüße zu Dir!
Uschi

25. Aug 2020

Liebe Uschi, danke für Dein feines Gedicht, das genau passt. Ja, es liegt eine weite Strecke vor uns. Aber man liest und hört, dass die Coronakrise und die damit einhergehende Verbesserung der Luft weltweit viele Menschen zum Nachdenken und Umdenken gebracht hat. Hoffentlich verbunden mit konsequentem Handeln und mit langfristiger Wirkung. Ich traure beim Anblick der kranken Bäume an viel befahrenen Hauptstraßen. Nur die Platanen scheinen mit den Abgasen und der Trockenheit umgehen zu können, denn sie zeigen sich hier noch gesund und stark.

Herzliche Grüße zurück zu Dir - Marie

24. Aug 2020

Möge Dein aufrüttelndes Stoßgebet die Flamme endgültig entzünden, Marie.
Leider sieht es so aus, dass es wohl noch schlimmer werden muss, bevor es besser wird.
Die positiven Klimaaktivitäten in Singapur (dies kleine Land) habe ich mit eigenen Augen staunend betrachtet. Bei jedem Besuch eine neue Überraschung.
Allerdings:
Der Inselstaat, ein reiches Land,
einst britischer Besitz.
Sein demokratisches Gewand:
für viele nur ein Witz.

Herzliche Grüße
Willi

21. Sep 2020

Das demokratische Gewand des Stadtstaates kann man sicher anzweifeln, lieber Willi. Ich möchte in diesem Land nicht leben! Doch die konsequente Umsetzung des Begünungskonzeptes beeindruckt mich. Deutsche Städte bemühen sich auch, zum Beispiel Hamburg, das Hausbegrünungen mit großzügigen Prämien unterstützt. Aber da ist noch viel Luft nach oben.

Herzliche Grüße zu Dir - Marie