AU 2010 Gestrandet in Singapur...

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...und die holperige Heimreise nach Göteborg im April 2010

Nach drei Monaten spannendem und entspanntem Herumreisen in Neuseeland und Australien und dem abschließenden Besuch bei der Sohn-Familie in Brisbane, flogen wir weiter zu unserer letzten Station: Singapur. Es ist unser achtes Stopover in diesem sympathischen Insel-Stadtstaat. (2013 kamen zwei weitere, die vielleicht letzten, hinzu.) Man muss diese schöne und freundliche Stadt mögen, auch wenn das demokratische politische System ein etwas eigenwilliges ist. Mutige Taxifahrer haben uns da einiges erzählt.

Wir hatten ein dreitägiges Stopover-Paket gebucht, das unfreiwillig um einige Tage verlängert wurde.
Im Taxi vom Flugplatz zum Hotel, am 16. April 2010, hören wir durch den Straßenlärm im Autoradio irgend etwas von einem Vulkanausbruch auf Island. Am Abend erfahren wir aus den Nachrichten im Fernsehen, dass Flugplätze in Europa den Flugbetrieb wegen einer riesigen Staubwolke eingestellt hatten. Wir wurden etwas unruhig.

Am nächsten Morgen fragten wir an der Rezeption nach, ob wir eventuell einige weitere Nächte bleiben könnten. Wir erfuhren, dass das Hotel ausgebucht war, und ließen uns in eine Warteliste eintragen. Danach machten wir unser geplantes Tagesprogramm. Am Abend erfuhren wir, dass der Flugbetrieb in ganz Europa auf unbestimmte Zeit eingestellt war. Wir ahnten nun, dass sich unsere Heimreise ebenso auf unbestimmte Zeit verschieben würde. Gleichzeitig wussten wir bereits, dass unser Hotel ausgebucht war, was wahrscheinlich für die meisten Hotels hier galt. Nach Singapur sollte man ohne gebuchtes Hotel nicht reisen.

In einer Liste fanden wir die Adressen der schwedischen Botschaft und von Singapore Airlines (SIA). Auf der Botschaft erklärte man uns, dass man in dieser Angelegenheit nicht mehr für uns tun könnte als uns den Rat zu geben, im nahen Johor Bahru in Malaysia ein Hotel zu suchen. In Singapur sind Hotelzimmer kurzfristig schwer zu bekommen und teuer.
Im flotten und großräumigen SIA-Büro im luxuriösen ION-Shoppingzentrum auf der Orchard Road, Singapurs berühmtester Einkaufsmeile, hatte sich bereits eine große Menschenmenge versammelt. Nach mehreren Stunden Wartezeit wurde uns erklärt, dass SIA für die Betroffenen keine Hotelzimmer bereitstellen kann und jeder sich darum selbst kümmern müsste, es handelte sich hier um höhere Gewalt. Wie das mit der Erstattung von Mehrkosten sein würde war noch nicht klar. Wir sagten, dass unser Sohn in Brisbane, Australien wohnt und fragten ob man uns dorthin zurückfliegen könnte. Das wäre ohne weiteres möglich, sagte die SIA-Angestellte, allerdings müssten wir uns um die Heimreise von dort selber kümmern. Das konnten wir nicht akzeptieren.

Mit dem Taxi nach Malaysia
Wieder im Hotel suchten wir im Internet einige zentral gelegene Hotels in Johor Bahru aus. Eine ca. einen Kilometer lange Brücke verbindet Singapur mit Malaysia. Die Taxifahrt zu der monumentalen - aber für singapurische Verhältnisse ziemlich verschlissene - Zollstation dauerte eine halbe Stunde. Mindestens ebenso lange dauerte es, die Ausreiseformulare auszufüllen, durch die langen Gänge zu gehen und mit dem Bus über die Brücke zu der ebenso monumentalen - aber vollkommen neuen - Zollstation auf der anderen Seite zu fahren. Dort mussten wir dann Einreiseformulare und wiederum lange Wege durch verschiedene Kontrollen gehen, bis wir endlich in dieser nahe gelegenen Stadt waren. Es waren sehr viele, die mit uns diese Grenze überschritten, die allermeisten waren Malaysier, die in Singapur arbeiten. Die Ein-/Ausreiseprozedur für diese Grenzgänger war einfacher. Einer von diesen, ein freundlicher junger Mann, half uns, den Bus mit der richtigen Farbe zu erwischen und beim Bezahlen in demselben. Der Busfahrer konnte kein englisch.

Die Luft hier war tatsächlich genauso warm und schwül wie auf der anderen Seite der Brücke. Nach einer kurzen aber schweißtreibenden Wanderung auf lauten und verkehrsreichen Straßen kamen wir zum ersten Hotel auf unserer Liste. Wir erfuhren, dass es für die kommende Woche komplett von der australischen Fluggesellschaft Qantas gebucht war und die anderen zentral gelegenen Hotels wahrscheinlich auch voll sind.

Hotelzimmer und überhaupt alles ist hier bedeutend billiger als in Singapur und viele gestrandete Reisende waren schneller als wir. Nach dem zweiten missglückten Versuch brachen wir unsere Mission ab. Es gefiel uns hier nicht, wir sehnten wir uns wieder zurück zu dem geordneten und bequemen Singapur. Hier hatten wir aber immerhin einige Stunden in einer Stadt verbracht, die asiatische Atmosphäre ausstrahlte, wo die Leute in der Mittagspause vor kleinen Restaurants den Reis mit den Fingern aßen. Wir waren aber bei diesen Umständen nicht in der Lage diese positiv aufzunehmen.
Wir aßen etwas Unbekanntes in einem Einkaufszentrum auf dem Weg zurück zur Zollstation, durchliefen noch einmal die oben geschilderten Grenzübergangsprozeduren und fuhren wieder zurück zu unserem phantastisch gelegenen Riverview Hotel am Singepore River.

Spannung statt Entspannung
Jetzt hatten wir nur noch eine Nacht fest gebucht in unserem Hotel und wussten nicht, wo wir die folgende Nacht schlafen sollten. Wir hatten noch einmal an der Rezeption nachgefragt aber es war kein Zimmer frei. Der nächste Tag, 19. April, war der gedachte Abreisetag. Wir warteten wieder mehrere Stunden, zusammen mit vielen anderen Betroffenen, im SIA-Büro. Wir sprachen mit verschiedenen Leuten. Einige wählten Flüge nach Nordafrika um von dort mit einem Mietwagen oder Zug nach Europa zu kommen. Ein junger Mann auf Geschäftsreise erzählte, dass er seine geplante Hochzeit verpassen würde. Zwei jüngere Paare aus Deutschland trafen wir auch. Die Männer machten einen ziemlich entspannten und coolen Eindruck, im Gegensatz zu den Frauen. Die eine Frau war ganz verzweifelt und wir hörten wie sie sagte, sie hätten ja gar kein Geld mehr übrig für die Übernachtungen. Singapur war die letzte Station ihrer Traumreise und das Geld zu Ende. Hier würde wohl sicher die Deutsche Botschaft weiterhelfen.

Als wir an der Reihe waren um mit einer SIA-Angestellten zu sprechen, bekamen wir das Angebot, nach Brisbane zu fliegen (acht Flugstunden) und wieder zurück nach Singapur, wenn Flüge nach Europa wieder möglich sind. Wir dachten, dass dies eine gute Lösung war wenn der Flugstopp längere Zeit anhalten würde, was man ja nicht wusste. In Brisbane fühlen wir uns ja wie zu Hause. Aber eigentlich wollten wir so schnell wie möglich wieder nach Schweden und Åmål. Wir mussten uns innerhalb einiger Stunden entscheiden, der Flug nach Brisbane ging noch am selben Abend!

Wir fuhren zurück zum Hotel und fragten noch einmal, ob wir einige weitere Tage bleiben könnten. Wird die Frage verneint, würden wir die Koffer packen

© Willi Grigor, 2010 (Rev. 2016)

Prosa und Gedichte:
https://www.literatpro.de/willi-grigor

Marina Bay Sands war 2010 noch im Bau

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