AU 2010 Gestrandet in Singapur... - Page 2

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und zurück nach Brisbane fliegen. Überraschenderweise sagte man jetzt, dass ein Zimmer für die nächsten zwei Tage frei ist, was unsere Stimmung merkbar verbesserte. Wir entschlossen uns in Singapur zu bleiben, erste Anzeichen eines eventuellen Aufhebens des Flugstopps wurden im Fernsehen diskutiert. Am Abend machten wir einen langen und schweißtreibenden Spaziergang (sozusagen auf dem Äquator!) entlang der geschäftigen Uferpromenade des Singapore River bis zur Marina Bay mit ihrer phantastischen Szenerie.
Wieder zurück aßen wir beim Italiener (ein echter) auf der anderen Seite unseres Hotels. Die Lichter der Hochhäuser spiegelten sich in allen Farben in dem tagsüber braunen Wasser des Flusses. Wir saßen im Freien, die Lufttemperatur war wie jeden Abend um die 25 Grad und fühlten uns zum ersten Mal seit der Ankunft richtig entspannt.

Am 21. April machten wir wieder einen Besuch bei SIA. Einen Flug nach Europa konnte man uns noch nicht anbieten aber das Angebot nach Brisbane zu fliegen bestand weiter. Wir wollten aber abwarten, da wir in unserem Hotel bleiben konnten. SIA erklärte sich auch bereit, allerdings nur mündlich, die Übernachtungskosten für vier Tage zu ersetzen. Wir mussten allerdings selbst bezahlen und von zu Hause aus einen Erstattungsantrag stellen.
SIA zeigte sich nicht so freizügig wie Qantas, die ja ein ganzes Großhotel im nahen Malaysia für ihre gestrandeten Passagiere gebucht hatte. Wir waren aber trotzdem zufrieden an diesem Tag, da wir zu einigen Auserwählten gehörten: Wir hatten beim Warten hier an den vergangenen Tagen beobachtet, wie ein weißgekleideter, freundlicher Herr von SIA ab und zu einige der Wartenden ansprach und mit ihnen den Raum verließ. So machte er es heute mit uns. Er lud uns zum Essen ein. Wir gingen nur einige Meter zu einem "authentischen thailändischen Restaurant" in diesem noblen Shoppingzentrum, in dem man sich kaum traute, in die feinen Geschäftsräume einzutreten. Das Einzige was wir hier außer dem SIA-Büro besucht hatten, war die ebenso elegante wie öffentliche Marmor-Toilette zwischen SIA und diesem thailändischen Restaurant. (Ein ernster Toilettenmann wischte jedes der vielen Waschbecken nach jedem Gebrauch ab.)
Zurück zum Restaurant: Ein freundlicher Mann, mit einer Goldkrone auf dem Haupt (wahrscheinlich ein authentischer Thailänder), kam flink und führte uns eine Treppe nach oben in den Gästeraum. Wir bekamen ein Getränk mit unbekanntem Geschmack, das mir viel zu kalt war, da der Raum, wie üblich in Singapur, zu stark gekühlt war. Wir aßen eine richtig leckere Fischsuppe und ein Reisgericht mit Fisch und Scampi. Der SIA-Herr in Weiß kam mehrfach mit neuen Gratis-Essern im Schlepptau.

Am nächsten Tag waren wir wieder im SIA-Büro. Eine Gruppe glücklicher Engländer erfuhr gerade, dass sie einen Flug heute Abend nach London bekommen hatten. Die Information, die wir erhielten war, dass wir nicht vor dem 10. Mai nach London und von dort weiter nach Göteborg fliegen konnten. Dies war die Route entsprechend den ursprünglichen Tickets.
Es war ein einziges Durcheinander. Wir waren vorher im SAS-Büro auf der anderen Straßenseite und hatten dort erfahren, dass Plätze von London nach Göteborg frei waren für die nächsten Tage. Nach vielem Hin und Her und einigen Telefongesprächen zwischen SIA und SAS bekamen wir den erlösenden Bescheid, dass zwei Plätze in einem A380-300 Airbus-Jumbo nach London für morgen, Freitag den 23. April 23:30, für uns reserviert sind. Ebenso der Anschlussflug nach Göteborg. Nach einer kurzen Wartezeit bekamen wir die handgeschriebenen Tickets.

Wir waren richtig happy, gingen hinaus in die warme Luft, flanierten und machten Fotos auf der geschäftigen Orchard Road, der "Königsallee" in Singapur. Dazu hatten wir in den vergangenen Tagen weder die Zeit noch die Stimmung. Danach gingen wir zu Fuß die gesamte Strecke auf verkehrsreichen und heißen Straßen zurück zu unserem Hotel. Wir waren zufrieden aber im Hinterkopf hatten wir trotzdem den Gedanken, dass Änderungen nicht auszuschließen sind.

Am nächsten Tag machten wir unseren letzten Spaziergang entlang des Flusses zu unserem Einkaufszentrum in der Nähe, aßen Frühstück, kauften etwas Brot und Salat was wir später im Hotelzimmer essen wollten.
Wir packten unsere Koffer, legten uns auf die Betten und machten vergebliche Versuche etwas zu schlafen. Um 20 Uhr machten wir uns fertig und fuhren nach unten in die Lobby und warteten auf den Stopover-Bus, der uns zum Flugplatz bringen sollte.

Wir gingen direkt zum Einchecken an einen Schalter, um unsere Koffer loszuwerden und unsere Boarding Cards zu erhalten. Wir zeigten unsere Pässe und die Confirmed-Flight-Tickets. Die junge, hübsche Dame am Schalter hatte eine elegante, hübsche Jacke an, wie alle Singapore-Airlines-Damen im Gebäude. Sie begann, die Tastatur ihres Computers zu traktieren. Der erste Koffer stand schon auf dem Band. Es dauerte und ich fragte ob es Probleme gab. No, no, sagte sie aber nach einer Weile ergriff sie das Telefon und rief eine Kollegin an. Eine hübsche Dame mit kräftigem, grünen Lidschatten und abgebissenen Fingernägeln übernahm den Schalter und uns. Nach ca. 5 Minuten informierte sie uns, dass unser Flug überbucht ist und begann mit der Suche nach Alternativen. Sie kam mit einem Vorschlag eines Fluges 23:55 Uhr nach Frankfurt. Probleme mit der Strecke Frankfurt - Göteborg machten aber einen Strich durch die Rechnung. Ein flinker, kleiner Mann mit chinesischem Aussehen wurde hinzugerufen. Er war offensichtlich der Chef der Schalterdamen. Der gesamte Flugbetrieb war in totaler Unordnung, was verständlich war.

Die hübsche Dame mit den abgebissenen Fingernägeln bearbeitete die Computertastatur während der Chinese für uns unverständliche Anweisungen gab. Gullan (meine Frau) und ich diskutierten auch und sagten: Diese Nacht im Hotel ist von uns bereits bezahlt. Wenn wir vor Mitternacht keinen Flug nach Europa mit Anschluss nach Göteborg bekommen, wollen wir zurück in das Hotel gebracht werden.
Der Mann bat uns in der neuen Abflughalle - mit lebendem Grün an den Wänden - Platz zu nehmen. Über den imponierenden Eleganz dieses Terminals konnte man nur staunen. Nach einiger Zeit kam eine ungewöhnlich große, stattliche Frau. Sie wollte uns nur beruhigen und bald zurückkommen. Nach ca. 10 Minuten kam sie zurück, sagte, dass sie zwei Plätze für uns nach Amsterdam und weiter nach Göteborg reserviert hat, Abflug 23:45 Uhr, und fragte ob wir dies akzeptierten, was wir taten. Als Trostpflaster erhielten wir einen Gutschein über 375 Singapurdollar, mit dem wir im Flugzeug Dinge aus SIAs Katalog erwerben konnten.

Als

© Willi Grigor, 2010 (Rev. 2016)

Prosa und Gedichte:
https://www.literatpro.de/willi-grigor

Marina Bay Sands war 2010 noch im Bau

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