Am Abend

Bild von Willi Grigor
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Es war am Abend, als der Sommer in meine Arme glitt,
und ich lächelte wie in der Kindheitszeit,
und rote, rote Blumen gingen in mein Herz hinein
wie der Duft aus einer ew'gen Friedlichkeit.

Es war am Abend, als ich liebte wie ich nie es tat zuvor,
und die Welt war meine schöne, dunkle Braut,
und weit offen stand mein Herz so wie zur Seligkeit das Tor
mit dem Eingang zur Erbarmung und zu Gott.

Und ich hörte alte Lieder wieder kommen von zu Haus,
und von dem Licht ich trank, die Seel' ward jung und groß,
und alle alten, alten Bäume, jeder glanzbestreute Halm,
sie sangen ein mich in der Kindheit grünem Dorf.

Es war am Abend, als der Wind hin zu dem blauen Meere zog,
mich diese Freude wie ein Engel zu sich nahm,
und ich verstand, dass unser Herrgott seinen Diener täglich schlug,
um zu sparen all sein Glück bis zu der Nacht.

Und ich tanzte um die Bäume und ich sang für Strauch und Stein,
und mein Liedchen war noch nie so hell und blank,
dann erlosch es wie der Glanz aus des Himmels letzten Schein -
es war am Abend, als die Sonne niedersank.

© Willi Grigor, 2016

Übersetzung des Gedichts "Om aftonen" des schwedischen Dichters Dan Anderson (1888-1920)