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Das Volk der Fugoten - eine Erzählung - Page 9

Bild von Volker Schlepütz
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bewegen Sie ihren Arsch in Zelt 2. Das wird Ihnen morgen in der Frühe mitgeteilt. Der junge Mann löste sich von dem schmerzhaften Handgriff und schleppte sich gekrümmt zum Zelt 1. Thea sah Heinrich zum Zelt gehen und war entsetzt. Sie hatten alle von Gereon die Anweisung erhalten, sich irgendwelche Talente auszudenken, die nützlich für das Land waren, denn er wusste, dass diejenigen, die nichts nachzuweisen hatten, sofort getötet wurden. Das Zelt Nr. 1 war das Todeszelt, das wusste auch Thea, aber sie konnte nichts Anderes tun als zusehen, wie Heinrich im Zelt 1 in Empfang genommen wurde. Ihn zu retten, war nicht möglich, ohne die ganze Strategie der Fugoten zu verraten. Und Heinrich hatte sich an die Vereinbarung von damals gehalten: Wir wollen lieber sterben, als diesem Land unseren Rettungsplan zu verraten, der die Welt vor dem Untergang rettet. Gereon konnte nur Anweisungen geben, befehlen konnte er es nicht, und im Übrigen besaß jeder Fugote Autonomierechte. Heinrich hatte sich bewusst entschieden, in den Tod zu gehen, denn es gab über ihn keine Akte in den Verwaltungsarchiven der Regierung.
Name, Vorname, forderte der Mann mit dem schwarzen Anzug
Hanna Kloppenburg
Sie meinen Kloppenburg, Hanna, ja? Ist das korrekt?
Ja, Kloppenburg, Hanna.
Bitte Ihren Namen in der Reihenfolge angeben, die ich vorgebe. Verstanden?
Ja, ich habe verstanden.
Nun, was haben Sie vorzuweisen?
Ich habe beim Wiederaufbau des Landes nach dem letzten Krieg eine Kantine betrieben, um die Bevölkerung von drei Gesellschaftsräumen zu verköstigen.
Soll das heißen, dass Sie kochen können?
Ich denke, danach sieht es aus.
Antworten Sie nicht so überheblich, sonst….
Sonst was…? Sonst komme ich in das Zelt 1?
Nein, sonst wiederholen wir das ganze nochmal von vorn, lächelte der Mann mit dem schwarzen Anzug Hanna an.
Sie können also Kochen. Können Sie auch für 100 Leute kochen. Die Gesellschaftsräume sind ja nur für 10 Personen vorgesehen. Sie müssten also 70 Menschen mehr bekochen als damals
Aber natürlich kann ich das, es ist doch nur eine Frage der Skalierung von Lebensmittelmenge und der Größe von Kochtöpfen und Pfannen.
Richtig? Ich bin tief beindruckt von Ihrer Logik, Frau Kloppenburg. Sie dürfen in das Zelt 2 gehen.
Die Frau nahm ihren 6jährigen Sohn an die Hand und wollte zum Zelt 2 aufbrechen. Sofort wurde sie zurückgehalten.
„Sie gehen alleine.“ Ich habe Ihnen nicht erlaubt, ihren Sohn mitzunehmen. Der wird von mir alleine befragt, wie jeder andere Schneemann.
„Aber mein Sohn ist doch noch viel zu klein, um schon zu wissen, was er gut kann, er ist doch noch im Spielalter. Sofort kamen zwei weitere Männer mit schwarzen Anzügen an den Tisch, die vorher neben den Zelten standen und trennten Mutter und Kind. Hanna schrie auf:
„Lassen Sich mich doch mit meinem Sohn zusammen, stammelte Hanna.“
Doch die Männer schoben beide auseinander und zerrten den nun weinenden Jungen an den Tisch.
Name, Vorname, Alter
Kloppenburg, Daniel, 6 Jahre alt.
So, so, du bist also schon 6 Jahre alt?
Ja, schwarzer Mann, ich bin 6 Jahre alt.
Und was kannst du denn?
Ich kann sehen, wer böse ist und wer gut ist. Und Sie sind böse.
Grandios, Du machst mir richtig Spaß, antwortet der Mann im schwarzen Anzug, sprang auf und applaudierte laut. Dann streckte er den Arm aus und befahl:
Ab in das Zelt 1, mein Junge, wir wollen sehen, wie Du Dich noch weiterentwickeln wird. Solche frechen Kinder braucht das Land.
Hanna fing an zu schreien. Nein, Nein, Nein! Lassen Sie ihn zu mir, ich flehe Sie an, wenn wir getrennt werden, wäre das eine Katastrophe. Auch Thea stand fassungslos vor dem Zelt und wollte am liebsten auch losschreien. Doch ihre Vernunft hielt sie zurück. Sie und Gereon hatten nicht ahnen können, dass offensichtlich auch Kinder bis zu einem bestimmten Alter 7 dem Tode geweiht waren. Davon hatte er nichts gehört. So kamen sie auch nicht auf die Idee, ein höheres Alter vorzugeben, weil die Regierung die Daten nachprüfen konnte. So war also auch Daniel dem Tode geweiht, ohne etwas davon zu ahnen. Er weinte nur ein wenig, weil er seine Mutter so aufgebracht sah, konnte die Situation aber nicht interpretieren.
Es trafen immer mehr Fugoten auf dem großen Platz der Regierung ein. Nacheinander wurden sie nach Name, Vorname und Fähigkeiten befragt, bis sie alle auf die Zelte aufgeteilt waren. Die Fugoten waren beinahe wie eine Normalverteilung auf die Zelte aufgeteilt, In Zelt 1 befanden sich 12 Kinder und einige Protestfugoten, in Zelt 4 neben Thea noch 10 andere sehr begabte und multitalentierte Fugoten, in den Zelten 2 und 3 die übrigen. Es fehlt nur noch einer bei der Registratur, Gereon. Er tanzte etwa gegen Mittag fröhlich pfeifend auf dem Platz ein und beendete den Tanz mit einem Salto Mortale und landete mit festem Stand etwa einen Meter vor den Registraturtischen.
Einen wunderschönen guten Tag, Herr Regierungsbeamter, ich melde mich zur Talentsichtung.
Der kühne Salto hatte etwas Staub aufgewirbelt und hatte sich in die Augen des Mannes mit dem schwarzen Anzug festgesetzt. Unruhig knete er seine beiden Augen, sprang von seinem Stuhl auf und setzte sich wieder, rieb sich die Augen rot. Es dauerte etwa eine Minute, bis er zur Ruhe kam und wieder einigermaßen sehen konnte.
„Ihr Schneemänner seit schon ein merkwürdiges Volk, versuchte er sich zu beruhigen, setzte sich langsam auf wieder an seinen Tisch und spuckte einen dicken staubbesetzten Schleim auf den Boden. „Wirklich ein merkwürdiges Volk, murmelte er wiederholt. Aber es hat ja bald ein Ende mit eurer Tanzerei.
Name, Vorname,
Rosenheim, Gereon
Ja, wir kennen Sie, wir wissen, was Sie im Keller unter Ihrer Wohnung machen. Dieses ganze Computerzeug konnte von den Verkaufsstellen nachvollzogen werden. Wir wissen, dass Sie über Server verfügen, über leistungsstarke Mikroprozessoren. Wir wissen nur nicht, was Sie damit anfangen und solange Sie damit Spiele programmieren und Animationsfilmchen drehen, können Sie damit machen was Sie wollen. Aber just in diesem Moment sind zwei Regierungsbeamte in ihrem Keller und beschlagnahmen die ganzen Sachen zur erkennungsdienstlichen Untersuchung in unseren Regierungsgebäuden.
Gereon hatte diesen Plan längst durchschaut und hatte tatsächlich alle Algorithmen und Simulationen auf einen extern Festpatte kopiert und in ein sicheres Versteck gebracht. Im Keller war also nichts Anderes mehr als nur noch Hardware. Und mit der konnte auf nichts geschlossen werden, was hier tatsächlich simuliert wurde. Daher nickte Gereon nur

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