Gefährlicher Sommer (Teil 17; Text 2) - Page 4

Bild von Annelie Kelch
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fragte mich, ob diese Sinneswandlung damit zusammenhing, dass Kröger uns fahren wollte, liebe Christine. Aber genug jetzt von diesen Spekulationen.
Frau Brander hatte der verblüfften Leni jedenfalls erklärt, dass sie erst am Montagabend zurückkehren würden. Ulla und sie hätten beschlossen, eine Hafenrundfahrt zu machen und wollten am Abend eine Aufführung besuchen. In irgendeinem Theater am Hauptbahnhof der großen Hansestadt würde der ,Eingebildete Kranke', eine Komödie von Molière, gespielt.
„Und ihr fahrt nachher auch alle weg?! Dann wird es zwar unheimlich still, aber gleichzeitig himmlisch ruhig auf dem Hof sein. Helge will bis zum Anbruch der Dunkelheit auf dem Feld arbeiten (bei diesen Worten sah Hannes mich skeptisch an, als sei dies das letzte, woran er glaubte), und Heiner nimmt den letzten Bus kurz vor Mitternacht. Hoffentlich bessert sich bis zum Abend Anitas Laune, damit wir in der Laube ein wenig Karten spielen können“, beendete Leni seufzend ihre Rede.

***
Punkt sieben hatten wir uns im Hof versammelt. Kora trug das blaue Sommerkleid, von dem sie mir erzählt hatte, und es stand ihr wirklich ausgezeichnet. Mutti hatte sich in ein scharlachrotes Gewand gehüllt. Sie sah aus, als wolle sie zu einem Opernball, und Hannes und Konny kamen in karierten Hemden zu dunkelblauen, tadellos gebügelten Nietenhosen. Ich saß auf den Verandastufen und Mutti sagte: „Steh sofort auf, Katja. Deine neue Hose wird schmutzig. Siehst du denn nicht, dass auf den Treppen Moos wächst?“
Ich stand seufzend auf und klopfte mein Gesäß aus, um das bisschen Schmutz zu entfernen, falls dort überhaupt etwas zu sehen war, was ich stark bezweifelte.
„Weshalb trägst du eigentlich nicht den schönen Rock, den ich dir genäht habe? Du hast ihn doch eingepackt, wenn ich mich nicht irre?“, fragte sie ärgerlich. Ich sah zu Hannes hinüber, der ganz unverschämt zu grinsen begann, und ich konnte mir denken, was ihm auf der Zunge lag: „Caputto, capito?“
„Zu unbequem“, sagte ich lässig und lehnte mich gegen die Verandamauer.
„Deine weiße Bluse, Katja“, schimpfte Mutti, „Pass doch auf.“
Ich löse mich von der weiß getünchten Wand – nicht, ohne wiederum laut zu seufzen, ging auf Hannes zu und legte ihm beide Arme um den Hals. Ich weiß auch nicht, was plötzlich in mich gefahren war, liebe Christine. Mutti sah mich empört an, während Hannes' Augen wie aus einem Traum zu erwachen schienen und wie Glühwürmchen zu leuchten begannen.
Axel Kröger kam aus der Veranda und runzelte die Stirn, als er Hannes und mich in dieser Pose sah.
„So, ihr vier“, sagte der neue Gutsverwalter von Hof Lachau, „ihr müsst euch jetzt nach hinten in den Wagen quetschen. Es wird zwar reichlich eng werden, aber Katja und Hannes ist das sicher mehr als angenehm.“
Hannes nickte eifrig, während ich mein gemeinstes Grinsen aufsetzte (Rache für Leni). Kröger sah mich irritiert an.
Mutter Kleve nahm graziös auf dem lederbezogenen Beifahrersitz Platz, damit ja ihr Kleid nicht zu Schaden käme.
„Na, dann wollen wir mal“, sagte Kröger und legte den Rückwärtsgang ein, um zu wenden. Leni stand in der Verandatür und winkte uns nach. Luchs, der neben ihr gesessen hatte, sprang auf und lief bellend ein Stück neben dem Auto her.
„Es ist wirklich sehr freundlich von Ihnen, Herr Kröger, dass Sie uns mitnehmen“, sagte Mutti.
„Ach, nicht der Rede wert, Frau Kleve“, sagte Hannes' Vater. „Mir tut es auch mal gut auszuspannen und etwas anderes zu erleben als das tägliche Hofeinerlei.“
„Papa“, warf Hannes ein, „wir wissen doch alle ganz genau, wie sehr du an dem Gut hängst.“
„Mann, ist das eng hier“, stöhnte Konny, der zwischen Kora und Hannes saß.
„Du hast ja auch wieder mal kräftig zugelangt heute Mittag, Konny, alter Junge“, sagte Hannes und lachte. „Das macht sich jetzt bemerkbar.“
„Rede bitte nicht immer solchen Unsinn, Hannes“, sagte Kröger. „Wir sind ja gleich da, Konny; es dauert keine zehn Minuten mehr.“
Während der restlichen Zeit schwiegen wir. Hannes sah mich ein paarmal von der Seite an, und als er meine Hand ergriff und sie drückte, wandte ich ihm mein Gesicht zu und lächelte ihn an.
Gleich sieht Kora ihren Schlagzeuger wieder, dachte ich und freute mich für sie. Sie musste Höllenqualen erlitten haben, als der Maskierte sie überfiel.
Herr Kröger parkte das Auto auf dem Grasstreifen neben der Hauptstraße, und wir marschierten zusammen zum Dorfplatz. Schon von Weitem erspähten wir die Bühne, die in der Mitte des Angers aufgestellt war.
Neben einem riesigen Klavier, einer Baßgitarre und drei überdimensionalen Verstärkern stand ein Liegestuhl, auf dem ein junger Mann saß und schlief. Auf seinem Schoß lag eine Gitarre. Er hatte lockiges braunes Haar, das bis auf die Schultern fiel und sah umwerfend gut aus, liebe Christine.
„Wenn das mal nicht der zuckersüße Gitarrist ist, Katja“, raunte Hannes mir zu. „Soll ich dich ihm unbekannterweise vorstellen?“
„Ja bitte, Hannes", stimmte ich begeistert zu. „Und Kora auch. Wo steckt denn überhaupt dieser Kai?“
Ich blickte mich suchend um. Kröger, Mutti und Konny hatten mittlerweile in der zweiten Reihe Platz genommen und gaben uns durch allerhand Gesten zu verstehen, dass wir uns zu ihnen setzen sollten. Kora stand unschlüssig, etwas hilflos und wie verloren neben der Bühne und ließ ihre Blicke in die Runde schweifen. Man sah ihr an, wie aufgeregt sie war.
„Kai“, rief sie plötzlich und strahlte übers ganze Gesicht, als der Schlagzeuger der Band aus dem Zelt trat, das nur wenige Meter hinter der Bühne aufgestellt war. Kai ging lächelnd auf Kora zu.
„Wie schön, dass ihr alle gekommen seid, Kora“, sagte er, musterte aufmerksam Koras schönes blaues Kleid und ihr welliges, frisch gewaschenes blondes Haar, nahm ihre Hand und zog sie auf die Bühne.
„Und das hier ist Gilbert, unser Gitarrist und zugleich die größte Schlafmütze aller Zeiten.“ Er wies mit der Hand auf den schlummernden jungen Mann im Liegestuhl.
„Und wo hast du deine Freunde gelassen, Kora?“
Kora sah sich suchend um und zeigte dann auf Konny, der auf einem Baumstumpf saß und alles andere als glücklich aussah. Er schien sich entsetzlich zu langweilen.
„Das da ist Konny, mein Bruder“, sagte Kora. Kai nickte Konny freundlich zu, und Konny erwiderte verlegen seinen Gruß.
Kröger und Mutti waren inzwischen in ein Gespräch vertieft. Wahrscheinlich

Collage zum Rockkonzert

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Kommentare

13. Sep 2017

Dank, Axel, dir, für deinen Kommentar. Ich habe heute absichtlich mehr Text eingestellt, weil ich die Befürchtung hatte, es könnte euch anderenfalls langweilig werden. Es müsse wieder irgendetwas geschehen, die Handlung müsse weitergehen. Aber die Handlung geht ja weiter, sie bereitet vor, ihr Lieben; denn dieser Krimi ist nicht allein eine Kriminal- sondern auch eine Feriengeschichte, von Teenagern erlebt. Freundschaft, Liebe, Verrat, familiäre Verhältnisse spielen fast eine ebenso große Rolle wie der Mordfall. Zu kurz kommen sollte allerdings auch auf keinen Fall, wie sich das Leben auf einem Gutshof abspielt, eng mit der Natur verbunden. Auch das wollte ich schildern.

LG Annelie

13. Sep 2017

Wenn dein Jugendkrimi fertig ist, wirst du ihn sicher veröffentlcihen. Dann werde ich mit großem Interesse die gesamte Geschichte lesen, liebe Annelie. Die Inhalte von Fortsetzung zu Fortsetzung kann ich nicht so gut abspeichern. Deine Illustration gefällt mir wieder sehr.
Liebe Grüße - Marie

13. Sep 2017

Danke, liebe Marie, ich werde mich beeilen damit, habe noch so viele Geschichten im Kopf. Ehrlich gesagt, bin ich froh, wenn diese Geschichte, die schon so lange bei mir (herum-)liegt, endlich fertig ist. Eigentlich soll noch ein Folgeband erscheinen, aber das werde ich mir noch gründlich überlegen. Momentan grübele ich über ein kleines Kinderbuch: "Hauke Hasenfuß wird prominent". Es soll sehr lustig werden, damit wenigstens einige Kinder auf der Welt etwas zu lachen haben.

Liebe Grüße und einen schönen Abend,
Annelie

13. Sep 2017

Ein gigantisches Literaturwerk, das nur einen Verlag
finden muss !!!
Ich mag es lesen und finde es sehr gut !
LG an die Schreiberin,
Volker

13. Sep 2017

Lieber Volker, danke vielmals für dein Lob, das ein bisschen sehr übertrieben ist - gigantisch, das hört sich ja fast an wie "Krieg und Frieden". Aber ich freue mich selbstverständlich sehr, dass du es lesen magst. Ich werde dich, Marie, Axel und Willi als aufmunternde, treue Unterstützer erwähnen, auf der zweiten Seite oder wo auch immer, sofern ich es drucken lasse.

LG Annelie

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