AU 2008 05 Sugarloaf Mountain

Bild von Willi Grigor
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Allein auf einer einsamen Rinderfarm

Dies war nicht im Outback,
in dem ich schon war,
doch war's weit vom Meer weg,
wo Wege sind rar,
wo hörbare Stille
sanft schmeichelt das Ohr,
australische Grillen
nachts singen im Chor.

Lesen Sie das ganze Gedicht unter
literatpro.de/gedicht/210717/sugarloaf-mountain

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Nach genau einem Monat "Vorspiel" in Singapur, Perth, Fremantle, Albany, Melbourne und bei der Sohnfamilie in Brisbane stand jetzt ein neuer Platz auf dem Programm. Wir sahen ihm mit einer gewissen Vorfreude entgegen.
Am 1. März nahmen wir früh am Morgen ein Bad im Pool, aßen Frühstück auf der Terrasse und starteten um 10 Uhr 30 mit der gesamten Familie ins Hinterland zu der einsamen Rinder-Farm “Sugarloaf Mountain” (Zuckerhutberg), ca. 150 km von Brisbane entfernt, wo Gullan und ich zehn Tage verbringen werden. Als wir vor über einem Jahr mit der Internetsuche nach Wohnungstauschpartnern zugange waren und auf diese Stelle trafen, waren wir ganz begeistert. Dies versprach etwas ganz anderes zu werden als die schmucken Wohnhäuser auf relativ kleinen Grundstücken an oder nahe der Küste, wo mindestens 90% aller Australier wohnen. Vor unserem Abflug nach Australien wussten wir bereits, dass es auf dem ca. 110 Hektar großen Grundbesitz nur dieses Haus gibt. Es steht an der Flanke eines "Zuckerhutberges" in der Mitte des Anwesens, der eine von weit her zu sehende Landmarke für das ansonsten ziemlich flachen Gebietes ist. Nun waren wir gespannt, ob unsere Erwartungen erfüllt werden sollten.

Kurz vor Toowoomba, nach ca. 120 km Fahrt in Richtung Westen, kam ein kurzer aber steiler Anstieg auf ein Hochplateau. Dieser natürliche Wall findet sich an vielen Strecken Australiens sobald man das Küstengebiet in Richtung Inland verlässt. Dieser steile Bergrücken war ein großes Problem für die ersten Einwanderer, die in das Inland vordringen wollten, um ihr Glück und fruchtbares Land zu suchen. Alles musste von den Menschen getragen werden, es gab ja keine Zug- oder Tragtiere, geschweige denn Straßen!

Da wir unsere Reisekasse auffüllen mussten, fuhr Axel in das Zentrum von Toowoomba und fand schnell einen Geldautomat.
Toowoomba hat 110000 Einwohner und ist nach der Hauptstadt Canberra die zweitgrößte australische Stadt, die im Inland belegen ist. Soweit man hier von Inland sprechen kann: Toowoomba ist 150 km und Canberra 120 km von der Küste entfernt. Die einzige Stadt im ”richtigen” Inland ist Alice Springs, das ziemlich genau mitten in Australien liegt, mit einem Abstand zu den Küsten zwischen 1000-2000 km. Aber in Australien wird alles ”Inland” oder ”Hinterland” bezeichnet, das weiter als 50 Kilometer von der Küste entfernt liegt.

Man spürte, dass die Temperatur hier aufgrund der höheren Lage um einige Grad niedriger als in Brisbane war.
Wir fuhren weiter nach Westen und sahen bald in der Ferne einen typischen Zuckerhutberg, der ”unser” Berg sein musste. Wir folgten der Wegbeschreibung, die wir hatten, fuhren ein paar Kilometer auf einer staubigen Sandstraße und standen bald vor dem einfachen Tor an der Einfahrt in Richtung Berg. Der ganze Grundbesitz war eingezäunt wegen der vorhandenen Rinder und dem Bullen.
Wir sahen schon das Haus einen knappen Kilometer weiter oben. Wir öffneten das Tor mit dem ansehnlichen Schild "Sugarloaf Mountain" und fuhren langsam den grasbewachsenen Pfad nach oben.

Sugarloaf Mountain
Kurz vor dem Haus fuhren wir an einer etwa dreißigköpfigen Rinderherde vorbei. Ich dachte an mein Kindheitsdorf Segringen und “meine” fünf Kühe, die ich als Kind beim Sesslerbauer hütete. Die Besitzer Jeanette und Greg kamen uns entgegen und wir begrüßten uns. Wir bewunderten die großartige, weite Aussicht. Wir waren aber nicht ganz in der Wildnis, wir konnten die Landstraße, auf der wir kamen, und einzelne Häuser in der Ferne ausmachen. Wir waren etwas erstaunt, dass alles so grün aussah und wir erfuhren, dass es im Januar mehr als normal geregnet hatte. So grün ist es nicht alle Jahre. Es war klar: hier wird es uns gefallen!

Das Haus/die Farm ist Jeanettes früheres Elternhaus, ihre Eltern betrieben hier eine Schafzucht. Jetzt wird es von Jeanette und Greg als Ferienhaus benutzt, sie vermieten es an interessierte Touristen oder machen damit Wohnungstausch, so wie mit uns. Die Rinder sind kein Schlachtvieh, sie halten sie, damit das Gras in Schach gehalten wird. Sie sind das ganze Jahr über hier. Im Winter wird ihnen zusätzliches Heufutter gebracht.

Das Haus war außen und innen sehr gepflegt und geräumig: Große Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, 3 Schlafzimmer, Lesezimmer mit vielen Büchern, sehr gepflegter Duschraum, Toilette, Waschküche mit Dusche. Ans Esszimmer schloss sich eine kleinere, an das Wohnzimmer die große Terrasse an. Von diesen beiden Räumen/Terrassen hatte man eine grandiose Aussicht nach Süden, Osten und Norden!

Wie bei fast allen Häusern auf dem Land, besteht die Wasserversorgung aus Regenwasser, das man in mehreren, riesigen Zisternen sammelt. Ein Jahr ohne Regen geht an, aber wenn es dann nicht regnet hat man ein Problem. Es war das erste Mal, dass wir Regenwasser benutzten. Es war einwandfrei und vollkommen geschmacks- und geruchsneutral.
Wir tranken Kaffee auf der Terrasse. Danach verabschiedeten sich unsere Gastgeber und fuhren nach Hause. Sie sagten, dass sie ein- oder zweimal kommen werden, um nach den Kühen zu sehen, außerdem wollten sie uns gern mit ihrem Allrad-Auto zu einer Gelände-Tour einladen, was wir dankend annahmen. Ich sage es schon jetzt: Dies wurde ein besonderes Erlebnis für uns.

Es war geplant, dass unsere Sohnfamilie Axel, Cheron und Isaac (ICA) die erste Nacht bei uns schlafen. Bis dahin hatten wir aber ein ausgefülltes Programm. Zuerst mussten wir Proviant für einige Tage einkaufen. Das nächste Geschäft gab es in dem kleinen Ort Oakey, ca. 10 km entfernt. Der Waschbrett-Sandweg dorthin führte durch eine karge Gegend und war staubig. Das Geschäft lag direkt am Anfang des Ortes und hatte alles was man so braucht.

Susans Winzerei
Auf dem Rückweg zu unserer Farm wollten wir noch Susan einen Besuch abstatten. Jeanette und Greg hatten uns von ihrer guten Bekannten erzählt. Sie betreibt eine kleinere Winzerei mit einer kleinen Gaststätte nur einige Kilometer von unserem Haus entfernt. Als wir ankamen hatten wir ein unerwartet schnelles Wiedersehen mit Jeanette und Greg: sie hatten dort eine kleine Plauschpause eingelegt. Susan, eine junge Frau, die versucht hier ein rentables Weingut aufzubauen, war auch da und sie machte mit uns eine Weinprobe. Wir kauften einige Flaschen. Vor dem Haus standen eine Reihe mächtiger Olivenbäume

© Willi Grigor, 2009 (Rev. 2017)

Weites, stilles Land. Foto Willi Grigor

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Interne Verweise

Kommentare

15. Jul 2017

Ich lese das heute Abend, Willi. Habe jetzt nicht die Zeit dafür; aber ich weiß jetzt schon, dass deine Story lesenswert ist.

Liebe Grüße,
Annelie

15. Jul 2017

Ich will es dir gerne glauben.
Auch dir ein schönes Wochenende.

Herzliche Grüße
Willi

15. Jul 2017

Ich habe deinen Erlebnisbericht eben gelesen, Willi, jedes Wort, und er hat mir sehr gut gefallen. Das könnte ich mir auch gut vorstellen: Mit vielen Tieren auf einer Farm zu leben, jeden Abend in den Sternenhimmel zu gucken - und darüber zu schreiben. Aber ich weiß auch, dass ein solches Leben mit sehr viel Arbeit verbunden ist.

Liebe Grüße und ein wunderbares Wochenende
zu dir und deiner Frau nach Schweden,
Annelie

15. Jul 2017

Liebe Annelie,

mir hat alles, was wir in Australien in insgesamt einem Jahr erlebt haben, außerordentlich gefallen. Ich habe diesem Land einiges zu verdanken, u. a. hat es mich zum Schreiben gebracht. Deshalb freut es mich ebenso außerordentlich, das das was ich schreibe, doch einigen Lesern gefällt.

Ich sende deine Grüße gern an dich und den deinen zurück

Willi

15. Jul 2017

Ja, ich hab es grad gelesen:
Und es ist lesenswert gewesen!

LG Axel

15. Jul 2017

Danke Axel, dass du die Geschichte lesen wolltest und mit einem deiner lesenswerten Zweiteiler weiterempfiehlst.

Ich wünsche dir ein liebenswertes Wochenende

Willi

15. Jul 2017

Spannend, Willi. Da mir dieser Kontinent leider unbekannt ist, folge ich neugierig deinen Spuren und reise ein wenig mit. Danke dafür.

Liebe Grüße - Marie

15. Jul 2017

Ich freue mich sehr auf deine Begleitung, Marie. Es stehen noch einige Stationen aus.

Herzliche Grüße
Willi

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