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Beyond the veil: Das Auge des Milikles - Page 6

Bild von Q.A. Juyub
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sodass die Spitze aus dem Rücken des Opfers drang. Mit raubtierhafter Grazie und Geschwindigkeit bewegte sich Harmodios sich zu seinem jetzt am Boden befindlichen Gegner, riss ihm den Speer aus der Brust und nagelte ihn mit einem gewaltigen Stich durch den Hals förmlich am Boden fest.
Gemächlich begab sich ‚Ker‘ -so wurde unser Transmensch übrigens aus verständlichen Gründen von der Killerelite der danaeischen Söldner nach der Göttin des Todesschicksals genannt- zu seinen Gefährten zurück, ohne von den dumpfen Massen belästigt zu werden, die erst die jüngsten Ereignisse verdauen mussten. Schließlich aber ging ein Ruck durch die lydonische Soldateska und mit einem wütenden Geheul, das an ein Rudel völlig irrer Wölfe erinnerte, ergriffen die Kriegsknechte ihre Waffen.
„Bolýar, samsyklar! Kim uruş hudaýynyň saçyny çekse, özümi jezalandyraryn!“
Mit Stentorstimme rief Pharnabessos seine Kriegsknechte zur Ordnung, die ihre Waffen niederlegten und sich kleinlaut an ihre Lagerfeuer begaben.
„Es ist gut, Nauarch! Das war einzigartig! Eurer Kriegsgöttin wird kein Haar gekrümmt, sie könnte noch von großem Nutzen für mich sein.“
Mit neuem Missvergnügen registrierte der in seiner Blutlust befriedigte Offizier und Gentleman, dass Achillas und Harmodios sich nach überstandenem Abenteuer einen leidenschaftlichen Kuss gaben.
„Ob nun Kriegsgöttin oder nicht, das ist pervers!“
„Warum könnt ihr dumpfen Barbaren nicht begreifen, dass Liebe unter Männern etwas ganz Natürliches ist?“
Mitleidig sah Alkastos den homophoben Offizier an, der wiederum schüttelte emotional überfordert sein quadratisches Haupt.
„Verschone mich mit Deinem dekadenten Geschwafel, Nauarch. Es wird Zeit sich zur Ruhe zu begeben. Euer Schlaf ist mir heilig, deshalb habe ich meinen Männern befohlen, auch jedes Gespräch von euch, und sei es noch geflüstert, in meiner Abwesenheit zu unterbinden. Also, ruht wohl!“

*

Die nächsten drei Wochen der Reise verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Wie bereits in den Tagen davor, wurden Anlandungen möglichst vermieden. Allerdings zwang der begrenzte Laderaum ihres Schiffes die Reisenden dazu, regelmäßig ihre Vorräte aufzufüllen. Das geschah durch den Handel mit kleinen Fischerdörfern, deren misstrauischen Einwohnern -die danaeischen Gewohnheiten der Zeit beinhalteten eher die gründliche Ausplünderung der hilflosen Barbaren- man erfolgreich die Mär von Luxusgüterhandel mit Amphipolis, dessen mächtige Seestreitkräfte gewaltig etwas gegen fremde Piraten hatten, aufband. Natürlich machte der Archeron, um nicht aufzufallen, einen großen Bogen um alle größeren Ansiedlungen. Letztendlich landete man auf Rat des Nauarchen, den Pharnabessos widerwillig akzeptierte, auf einer der kleinen Inseln, die sich unweit des Eingangs zur Wasserstraße, die zu den Säulen des Memnon und zum Eingang des Meeres von Skotadi führte, bereits am Vormittag an. Nachdem das Lager in gewohnter Weise aufgeschlagen wurde, versammelte Alkastos seine Gefährten inklusive des ungeliebten Anführers der knechtischen Bodentruppen, um die Details der Passage durch die Meerenge zu besprechen.
„Um es kurz zu machen beschreibe ich euch, was uns erwartet. Schließlich sollen mich auch alle verstehen!“
Der Nauarch warf dem lydonischen Kriegsherrn einen kurzen, spöttischen Blick zu, den der wiederum säuerlich erwiderte.
„Bei den Säulen des Memnon handelt es sich, wie fast allen hier bekannt sein dürfte, um zwei Felseninseln, die sich am Ende des Daenisponts, also dieser Meerenge, befinden. Danach erreichen wir offene See und können unbehelligt unserer Wege ziehen. Leider haben wir es in der Mitte der Wasserstraße mit einer derartig starken Strömung entgegengesetzt zur Fahrtrichtung zu tun, dass wir es mit dem Archeron nicht schaffen, dagegen anzukommen. Es bleibt also nur eine Passage entlang der West- oder Ostküste und selbst da müssen wir gegen die Strömung tüchtig anrudern. Auf die Winde können wir uns nicht verlassen, da es entweder windstill ist oder wir auf der Leeseite sind. Wie die anwesenden Seeleute wissen, versperrt uns im Westen Amphipolis mit seiner starken Flotte und regelmäßigen Patrouillen den Weg, sodass uns eigentlich nur der Weg die Ostküste entlang zur Verfügung steht. Hier haben wir es allerdings mit tückischen Riffen und Untiefen zu tun. Trotzdem sollten wir heute Nacht den Weg wagen!“
Mit unzufriedener Miene meldete sich nun Pharnabessos wichtigtuerisch zu Wort.
„Und warum nachts? Ich frage mich auch, warum wir nicht die ungefährlichere Westpassage nutzen sollten, wenn wir schon in der Dunkelheit unterwegs sein müssen?“
„Ich vergaß, dass einige triviale Details hier nicht allen bekannt sind. Um mit der letzten Frage anzufangen: Die Amphipoliten sperren die Durchfahrt zwischen ihrer Stadt und der westlichen Felseninsel nachts mit einer Schiffskette. Da es sich bei den Bürgern von Amphipolis auch nicht um dümmlich seeunkundige Barbaren handelt, haben sie auch an der Ostküste einige Schiffe stationiert. Unglücklicherweise ist unser Archeron, wie auch anwesenden Landratten klar sein dürfte, auch kein Kriegsschiff und nicht mit einem Rammsporn ausgestattet. Trotzdem würde ich es ja mit meiner alten Mannschaft versuchen, aber leider ist die gegenwärtige Crew zwar in der Lage einigermaßen den Takt zu halten, aber insgesamt gesehen nicht gut genug, um bei Gegenströmung am Gegner vorbeizukommen. Nachts jedoch, ziehen die Amphipoliten ihre Schiffe an den Strand. Die werden wegen der tückischen Gewässer den Teufel tun und bei Dunkelheit auslaufen, selbst wenn sie uns bemerken. Wenn wir uns aber hart an der Küste der östlichen Felseninsel halten, dürften wir unbemerkt passieren. Wir können dann direkt unsere Fahrt an der pontischen Küste ohne weitere Belästigungen fortsetzen. Den Göttern sei Dank ist das ein öder Landstrich, an dem Amphipolis wenig Interesse hat und mit seiner Marine verschont. Ist das jetzt allen klar oder gibt es weitere Fragen?“
„Also gut, Danaer, so soll es geschehen. Aber hüte Dich vor krummen Touren, wir behalten Dich im Auge!“
Indigniert stieß der lydonische Edelmann die widerwillig zustimmenden Worte hervor.
„Gut, dann sollten wir uns jetzt ausruhen, denn heute Nacht wird es hart genug!“
„Nicht so schnell, Kapitän. Du hast ja selber auf die außerordentlichen Schwierigkeiten unserer Passage hingewiesen. Wir sollten die Gelegenheit nutzen und uns über unseren Beuteanteil unterhalten. Ich finde 10% für mich und die 5% für die Übrigen ist viel zu wenig! Dafür, dass wir unsere Haut hier so extrem riskieren, sollte mindestens die Hälfte für uns drin sein!“
Ephialtes lächelte seinen Vorgesetzten und langjährigen Freund verbindlich an, der jedoch ließ nicht lange mit der Antwort warten.
„Ephialtes, weil Du es bist, gestehe ich Dir 15% und den anderen 10% zu. Ihr solltet bedenken, dass unser Rückweg ein Kinderspiel sein wird. Wenn wir da die Strömung ausnutzen, können uns die Amphipoliten nicht gefährlich werden.“
Nun schaltete sich auch der sonst schweigsame Archelaos

Sollte eigentlich ne Kurzgeschichte werden, aber Inspiration und die Götter haben anderes beschlossen.
Allen einen schönen Pfingstmontag und bleibt gesund!
LG
JU

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