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Beyond the veil: Das Auge des Milikles - Page 5

Bild von Q.A. Juyub
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Allerdings entstand in den Reihen der neuen Besatzungsmitglieder, die in Toleranz- und Sozialverhalten ihren auf Bäumen lebenden Ahnen deutlich unterlegen waren, durch des Harmodios Transsexualität nicht geringe Verwirrung. Vornehmlich kommandierte Ephialtes und wurde gelegentlich vom Kapitän abgelöst, da dieser sich eher auf die schwierigen Teile ihrer Passage konzentrierte, während Pharnabessos die Danaer stets wachsam im Auge behielt. Erst am Abend des dritten Tages wurde das Schiff an einer günstig gelegenen Stelle an Land gezogen, da vorher die Mannschaft bei geworfenem Anker sitzend auf den Ruderbänken und im begrenzten Schiffsraum nächtigen musste. Dies stellte durchaus eine unübliche Praxis dar, aber der lydonische Kommandant bestand darauf, Landkontakt möglichst zu vermeiden, da die Mission unauffällig durchgeführt werden sollte und man die danaeischen ‚Schutzbefohlenen‘ so besser überwachen konnte.
Nachdem man also den Archeron am Strand befestigt hatte, schlugen die unfreiwilligen Gefährten eine Art Lager auf, das eigentlich nur aus verschiedenen Feuern bestand. Dabei ließ man die Danaer, die jedoch kreisförmig von lydonischen Lagerstätten in einigen Metern Abstand umgeben waren, für sich. Allerdings leistete der lydonische Anführern ihnen Gesellschaft, um, wie er arrogant lächelnd bemerkte, seine bescheidenen Kenntnisse der Danaeischen Sprache zu verbessern. Als Achillas und Harmodios Pharnabessos im Laufe einer etwas zähen Konversation darum baten, sie zum Zwecke eines persönlichen Geschäftes intimer Natur zu entschuldigen, erteilte dieser mit verächtlicher Miene seine Erlaubnis, natürlich nicht ohne die vermeintlichen Turteltäubchen freundlich zu warnen, doch nicht den außerhalb aufgestellten Wachen zur Vermeidung letaler Missverständnisse zu nahe zu kommen. Nach Abgang der beiden zärtlich verbundenen Freunde, hielt dann auch der oberste Palastwächter den verbliebenen Danaern einen ebenso besserwisserischen wie homophoben Vortrag über Dekadenz schwächlicher Kulturvölker, der jedoch allenfalls ein mildes Lächeln über den großsprecherischen Barbaren auslöste. Nach einer guten halben Stunde kehrten die Beiden, begleitet von hämischen Ausrufen der umgebenden, lydonischen Kriegsknechten, zu ihren Gefährten zurück.
„Ach, ihr Sahneschnittchen, ich fühle mich doch jetzt wie Daidalos!“
In Wahrheit hatten die beiden Liebenden auf ein intimes Zusammensein verzichtet und etwaige Fluchtmöglichkeiten ausgespäht. Harmodios meinte mit seinem Kommentar, dass eine Flucht so gut wie ausgeschlossen war, da der berühmte Daidalos sich und seinem Sohn Flügel bauen musste, um der strengen Gefangenschaft des legendären Königs Minos fliegend zu entkommen.
Obwohl Pharnabessos das Statement zunächst in einem sexuellen Kontext verstand und ein sardonisches Lachen ausstieß, beschloss Alkastos den Lydonier, den man beileibe keinen Dummkopf nennen konnte, nach der Heiterkeitsattacke abzulenken.
„Was haben da eigentlich Deine Männer zu kreischen gehabt, als die Beiden zurückkamen?“
Ein verächtliches Grinsen umspielte noch immer die Mundwinkel des Kommandanten, das sich jedoch jetzt vertiefte.
„Die Männer fragen sich, ob ihr Danaer eigens eure Hure hier mitgebracht habt und wer als nächster über das Mädchen steigt!“
„Ihr Lydonier trieft ja förmlich vor rhetorischer Brillanz, aber man sollte Harmodios nicht zu sehr reizen.“
Mit grenzenloser Verachtung betrachtete der homophobe Barbarenführer den Nauarchen und beschloss den aufmüpfigen Danaern eine Lektion zu erteilen.
„Ach ja?"
Befehlend wandte sich Pharnabessos an einen riesenhaften Lydonier, der nach Neandertalerart dumpf in die Flammen eines benachbarten Lagerfeuers starrte und nur begrenzt die Ähnlichkeit mit einem menschlichen Wesen besaß.
„Enkiddu, Danaean gyzy bilen hezil edip bilersiňiz. Utan, gözümiň öňünde!“
Langsam erhob sich der unförmige Tiermensch und bewegte sich schwerfällig auf die Danaer zu.
„Verdammt, Pharnabessos, was hast Du diesem Untier gesagt?“
„Das er sich euer Mädchen vornehmen und es vor meinen Augen ordentlich durchbumsen soll. Enkiddu ist zwar nicht schwul, führt aber kadavergehorsam jeden Befehl aus, Nauarch.“
Achillas machte Anstalten sich wutentbrannt zu erheben, wurde aber durch eine zärtlich feminine Handbewegung seines Liebsten gestoppt. Lieblich lächelnd schritt nun Harmodios dem freudig nach Zyklopenart vor einer Menschenfresserei grunzenden Riesen, der sich bereits wohlig das Gemächt rieb, voller knisternder Erotik entgegen, während die kriegsknechtlichen Massen vor Vergnügen johlten und geiferten.
„Sieht so aus, als ob eure Hure zur Abwechslung mal einen richtigen Mann braucht!“
Die höhnische Mimik des offizierlichen Voyeurs verwandelte sich in leichtes Erstaunen als er in die seltsam grinsenden Gesichter der Danaer blickte. Freilich nahm die Verwunderung noch zu, als der tiermenschliche Romeo einige Minuten später nach einer Serie gezielter Tritte und Schläge besinnungslos im Sand lag, während sich die dekadenten Kulturmenschen die Bäuche vor homerischem Gelächter hielten.
„Der war nun wirklich groß, aber ich stehe nicht so sehr auf stinkende Barbaren.“
Des unwilligen Liebhabers feminine Stimme drückte freundliches Bedauern aus. Unbehelligt von den förmlich erstarrten Waffengefährten des Enkiddu kehrte er langsam zu seinen Leuten zurück.
„Harmodios liebt zwar das schöne Geschlecht und nicht die Frauen, aber er ist der beste Kämpfer, der mir jemals begegnet ist.“
Alkastos hatte sich als erster von der heiteren Runde wieder gefangen und gedachte, die Lage ein wenig zu deeskalieren.
„Das will ich sehen!“
Wieder wandte sich Pharnabessos an einen seiner Männer.
„Siz o ýerdemi! Naýzaňy Danae jandaryna zyň!“
Der erhob sich, griff nach seinem in der Nähe liegenden Speer und warf ihn in Richtung des Rückkehrers in den Sand.
Mit kriegslüstern blitzenden Augen erteilte der Kommandant zwei anderen seiner Kriegsknechte Befehle.
„Gyzy öldüriň, aňsatlaşdyryň! Emma jelepiň gitmegine garaşyň!“
Zwei weitere Krieger erhoben sich, ergriffen Schild und Speer, um sich kampfbereit aufzustellen.
„Bevor Du fragst, Nauarch. Ich habe meinen Männern befohlen, eure Amazone zu töten. Er soll den Speer nehmen und gegen die beiden kämpfen.“
Mit einem genervt gelangweilten Seufzer, der an ein kleines Mädchen erinnerte, das man wiederholt zu einer extrem stumpfsinnigen Tätigkeit zwang, setzte sich Harmodios wieder in Bewegung, ohne die vor ihm liegende Waffe überhaupt zu beachten. Die beiden Speerkämpfer hingegen näherten sich professionell mit Bewegungen synchron auf beiden Flanken, um ihren Gegner in die Zange zu nehmen.
„Ja will der sich denn nicht bewaffnen?“
„Deine Männer, Hauptmann, sind so gut wie tot. Harmodios ist vom Kriegsgott gesegnet.“
„Ach was, Nauarch. Das hier wird eher schnell beendet sein.“
Wie es Pharnabessos nicht ganz richtig vorausgesehen hatte, dauerte der eigentliche Kampf keine Minute. Als die Kombattanten sich schließlich erreichten, stachen beide Lydonier mit ihren Speeren gleichzeitig von den Seiten zu und trafen die Luft. Derweil hatte sich der Danaer blitzschnell mit einer tänzelnden Ausfallbewegung hinter den Mann rechts von ihm gebracht und seinen unbehelmten Kopf mit titanischer Kraft so gedreht, dass er sich das Genick brach. Bevor der Sterbende noch den Boden erreichte, entriss er ihm seinen Speer und schleuderte ihn Achilles gleich in die nicht durch das Schild gedeckte Brust des verbleibenden Gegners,

Sollte eigentlich ne Kurzgeschichte werden, aber Inspiration und die Götter haben anderes beschlossen.
Allen einen schönen Pfingstmontag und bleibt gesund!
LG
JU

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