Eine Wochenendliebe 1978-2020 - Page 5

Bild von Willi Grigor
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einen neuen Tag.

Spinn doch nicht

Früh raus an einem hellen, schönen Morgen,
ich fühl mich dann so wie ein kleines Kind.
So fröhlich frei und gänzlich ohne Sorgen,
weil kleine Kinder gänzlich sorglos sind.

Ich heb die Hand und grüße meine Bäume,
die Vögel und die Fische in dem See.
Ich grüße in die Wälder in die Räume,
und alles, was dort ist, doch ich nicht seh.

Die Frau erscheint, jetzt kann ich es ihr zeigen
wie achtungsvoll die Bäume zu mir sind.
"Sie jeden Morgen sich vor mir verneigen
und winken mit den frühlingsgrünen Zweigen..."

"Mann, spinn doch nicht, sie biegen sich im Wind!"

Tote Schatten

Wenn vor dem Wald der Bäume Schatten
- am Morgen diese sie nicht hatten -
nach Osten hin unendlich werden,
verschmelzen sie mit allen Schatten,
um Teil der dunklen Nacht zu werden.

Die Sonne ihren Zug nie endet,
umkreist die Erde, nie sie wendet,
gibt Licht und Wärme gern den Tagen.
Der Nacht sie tote Schatten spendet,
hört aus dem Dunkel nicht die Klagen.

Unerwarteter Besuch

Schweden ist ja so ein Land,
ich glaube das ist längst bekannt,
da leben viele kluge Schweden,
die fließend ihre Sprache reden.
Und jede Menge solche welche,
die gar nicht reden, das sind Elche.

Dort gibt es viele Seen voll Wasser,
Felsenwälder und, noch krasser,
Bären, Wölfe und, genau,
hier lebe ich mit meiner Frau.

Ganz versteckt, hier find´ uns keiner,
nicht einmal vom Postamt einer.
Da hilft auch nicht das GPS,
wir haben keine Postadress´.

Es ist ein heiler Rückzugsplatz
für mich und meinen lieben Schatz.
Wo diese Hütte sich befindet
wissen ein paar Eingeweite
und, das weiß ich erst seit heute,
neuerdings zwei andre Leute.

Wir tranken, was wir öfter machen,
Kaffee mit so süßen Sachen
an einem Tisch mit grüner Decke.
Da kamen um des Hauses Ecke
zwei Frauen, ich dachte Mann oh Mann.
Zum Glück hatt ich die Hose an.

Es waren zwei Jehovas Zeugen.
Sie fingen an uns zu erklären:
Wenn auch wir zwei Zeugen wären,
kämen wir ins Paradies,
und zwar nicht wie hier auf Zeit,
sondern für die Ewigkeit.

Die Damen konnten gut parlieren
aber gar nichts garantieren.
So blieben wir beim Konkurrenten,
einem diesbezüglich kompetenten.
Bei dem ist auch noch vieles offen,
doch ist´s egal auf wen wir hoffen.

Liebe Damen von Jehovas Zeugen,
ihr konntet uns nicht überzeugen.
Vielen Dank, auf Wiedersehn,
demnächst im Himmel, wir werden sehn.

Unverdient geschenkt

Schauend, hörend, an gar nichts denkend,
an einem Morgen ganz allein.
Den Sinnen ihre Freiheit schenkend,
dann seh und hör ich lupenrein.

Ich sehe das so Unscheinbare:
Wie Wiesendunst sich wiegend legt.
Ich sehe Luft, die Unsichtbare,
durch Blätter, die sie leicht bewegt.

Ich höre das doch Unhörbare:
Das Glucksen, wenn die Meise schluckt,
den Liderschluss verliebter Stare,
wenn einer auf den andern guckt.

Ich fühle all das Wunderbare,
das man nur fühlt, wenn man nicht denkt.
Auf diese Weise ich erfahre:
Auch unverdient kriegt man geschenkt.

Vier Ureinwohner und zwei Menschen

Ein Troll, der stumm an einem Waldrand wohnt,
ein Star, der schaukelnd auf dem Wipfel thront,
ein Schaf, das leise auf der Wiese grast,
ein Fuchs, der schleichend seine Beute jagt,
ein Typ, der höllisch laut vorüberrast,
ein Mensch, der still des Typen Laut beklagt.

Wenn Lenz vertreibt die Kühle

Es ist das Spiel der Winde
im neugebor'nen Laub,
der frische Duft von Rinde,
die Spur im warmen Staub.
Es sind die ersten Wellen
im See, wenn Eis vergeht,
das Rauschen wacher Quellen,
wenn warm ein Luftstrom weht.
Es ist das mystisch Knistern
des Waldes grüne Kleid,

dass Keime wieder flüstern:
"ER kommt, es ist soweit",

dass SIE verstreut Gefühle
auf Felder, Wald und Flur.

Wenn LENZ vertreibt die Kühle,
belebt sich die NATUR.

Und leise, stumme Töne,
von Menschen nie gehört,
begleiten all das Schöne
im FRÜHLING, ungestört.

Wo die weiche Stille ruht

Wenn spät im Herbst der Tag sich neigt,
kein Hauch von Wind im Baum sich zeigt,
dann ist der See ein Spiegel, glatt,
und doppelt seinen Rand.

In ihm die weiche Stille ruht,
die einem Menschen Gutes tut,
der seine Kraft verloren hatt',
durch sie sie wieder fand.

Zu Gast bei der Birke

Die Birke lädt zum Abendmahl,
ich bin ihr Freund, ihr Gast.
Der Sonne letzter Abendstrahl
lässt glänzen ihren Ast,
der jedes Jahr zu sterben droht,
doch jedes Mal nur fast.
*
Die Birke lädt zum Trauerfest,
ich bin ihr einz'ger Gast.
Sie mich ihn nochmal streicheln lässt,
den nunmehr toten Ast,
dem bald sein letztes Schicksal droht -
wenn ihn ein Sturm erfasst.

Zur Nachtschicht bereit

Ich sitze und schau auf die glitzernden Wellen,
ein Schauspiel geschaffen von Sonne und Wind.
Die gleißenden Blitze an zigtausend Stellen,
im ständigen Wechsel des Standortes sind.

Die Sonne verschwindet und mit ihr die Wellen,
die beide ein Grund für die Blitzlichter sind.
Das Wasser sich kräuselt an einzelnen Stellen,
der See wird ganz ruhig, es fehlt ihm der Wind.

Ich kenne den Ablauf und schau ob sie kommen,
es dunkelt ganz langsam, es ist ihre Zeit.
Sie haben den See schon zur Hälfte durchschwommen,
zwei Biber im Anmarsch, zur Nachtschicht bereit.

Ich sitze und lächle, mein Tag sagt ade,
die Frau gibt ein Zeichen, das Essen ist klar.
Diese zwei Stunden mit Blick auf den See,
sind fast immer gleich und stets wunderbar.

Zwei ruhige Gesellen

Ich sitz im Schatten einer Birke
an "meinem" kleinen See.
Mit einem Steinwurf ich bewirke,
dass Ring an Ring auf ihm ich seh.

Ganz langsam sie nach außen fliehen
und werden größer sowie mehr.
Ins Nirgendwo die Wellen ziehen,
verschwinden ohne Wiederkehr.

Am Waldesrand am andren Ufer
erahne ich ein stattlich Tier.
Es wird zu einem stillen Rufer,
schickt Zeichen über'n See zu mir.

Durch einen Schritt des stolzen Elches
der Wasserflächenspiegel springt.
Ein "König" steht im Nass des Kelches
und senkt und hebt den Kopf und trinkt.

Ich sitz und warte auf die Wellen,
die eines Waldes Fürst mir schickt.
Wir zwei sind ruhige Gesellen,
von Freiheit und Natur beglückt.

Zwischen Grün und Blumen

Sie saß in ihrem kleinen Garten,
im Schatten unter einem Baum.
Sah sie die kleinen, weißen Wolken
auf ihrem Weg im Himmelsraum?

Sie reagierte auf mein Winken,
ihr feines Lächeln mich empfing,
als ich zwischen ihren Beeten
mit leichten Schritten zu ihr ging.

Wir saßen zwischen Grün und Blumen
neben einem Zaun aus Holz.
Hier war ihr Heim, ihr kleines Reich,
auf ihren Garten war sie stolz.

Sie lebte hier mit ihrem Bruder,
genauso wie es früher war,
mit Hühnern, Schafen und zwei Kühen,
ein anspruchsloses Bauernpaar.

Acker-, Stall- und Waldarbeit
hinterließen ihre Spuren.
Schmerzen schon bei Kleinarbeit,
doch sie dachten nicht an Kuren.

Ihr Leben lief in gleichen Bahnen,
'Was auch immer kommen mag'.
Sie waren glücklich und zufrieden
bis zu ihrem letzten Tag.

Wenn ich heut am Haus vorbeigeh´,
es steht schon viele Jahre leer,
das Paar ich in der Haustür seh´.
Mein Sinn ist froh, mein Herz doch schwer.

Das Kinderherz, das lacht

Der Wind mimt gerne eine leichte Brise,
den Bienen, Hummeln dieser Hauch gefällt,
zu sehn die Blumen aufrecht auf der Wiese,
den Blütenstaub, der aus den Blüten quillt.

Zwei Kinder rennen barfuß durch die Weide
den Schmetterlingen lachend hinterher.
Sie halten an am Netz aus Spinnenseide
und fragen sich: "Wo kommt die Seide her?"

Der laue

© Willi Grigor, 2021

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Interne Verweise

Kommentare

29. Aug 2021

Friede den Hütten, Krieg den Palästen -
Dank den Birken - mit all ihren Ästen!

LG Axel

29. Aug 2021

Wo Bäume, Birken, Linden
sich still zusammenfinden,
die schwersten Fragen schwinden,
die tief im Herzen ruhn.

Die Birke dankt Dir, Axel, mit all ihren Ästen.

LG
Willi

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