Justine oder vom Missgeschick der Tugend - Page 15

von Donatien Alphonse François Marquis de Sade
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auch von Gott, der einst diese Verirrungen an elenden arabischen Nestern bestraft haben soll, die kein Geograph jemals gekannt hat. Da müßte man vorerst die Existenz eines Gottes annehmen und davon bin ich weit entfernt. Dann müßte man sich vorstellen, daß dieser Herr und Schöpfer des Weltalls sich erniedrigt hat, nachzusehen, ob die Menschen ihr Glied in eine Scheide oder in einen Popo einführen! Welche Kleinlichkeit! Welch Unsinn! Nein, Justine, es gibt keinen Gott. Nur in der Werkstatt des Schreckens und des Kummers schuf der unglückliche Mensch das Phantom, das er Gott nannte. Und wozu benötigen wir diesen Weltbeweger, wenn vernünftiges Naturstudium uns zeigt, daß die ständige Bewegung das oberste Gesetz ist? Wenn Alles sich aus sich selbst in Ewigkeit fortbewegt, so hat doch der Ordner, an den Sie glauben, höchstens einen Tag lang gearbeitet. Nun, wie können Sie einen Gott verehren, der sich heutzutage als unnütz erweist? – Aber kehren wir wieder zurück, Justine Glauben Sie nicht länger, daß die Hand dieses unnützen Phantoms die arabischen Dörfer vernichtet hat, von denen wir sprachen. Da sie auf einem Vulkan aufgebaut waren, wurden sie, wie später die Städte in der Nähe des Vesuvs und des Aetna, durch ein Naturphänomen eingeäschert, das rein physikalischen Ursachen entspringt und nichts mit den Sitten der Stadtbewohner zu tun hat. Sie sagten, die menschliche Gerechtigkeit habe die Gottes nachahmen wollen. Aber ich beweise Ihnen eben, daß es nicht die Gerechtigkeit Gottes, sondern ein Naturphänomen war, was diese Städte zerstörte. Und jetzt, nachdem ich Philosoph war, will ich Ihnen als Rechtsgelehrter sagen, Justine, daß dieses Gesetz eine alte Verordnung des heiligen Ludwig ist. Heutzutage begnügt man sich aber mit einer vorübergehenden Bestrafung. Und sobald der Mensch einmal auf einer höheren[34] philosophischen Stufe stehen wird, wird er selbst diese unnütze Einschränkung fallen lassen, und man wird erkennen, daß, da wir nicht Herr unserer Neigungen sind, wir für sie ebenso wenig zu büßen haben, als dafür, daß wir krumm oder schief gewachsen sind!«

Eisenherz geriet in Flammen, während er diese klugen Gedanken entwickelte. Er lag ausgestreckt neben Justine gerade in der Stellung, in der er sich an ihr zu befriedigen wünschte Unmerkbar hob er die Röcke unserer Heldin auf, die halb aus Furcht, halb weil sie den Verlockungen nachgab, nicht sich zu widersetzen wagte. Kaum sah sich der Schuft als Herr der Situation, als er sofort das erhitzte Glied befreite, das bloß auf die Bresche wartete, um sich hineinzustürzen. Mit seiner rechten Hand lenkte er seine Rute, während er mit der linken Justine an sich heranzog, die sich darauf beschränkte, sich ein wenig zu sträuben und das zu retten, was ihr als das Wertvollste erschien. »O Himmel!« rief er jetzt aus, »ich habe sie,« und mit einem kräftigen Stoß verletzte er das kleine, zarte Loch, das er durchbohren wollte, derart, daß die erschreckte Justine einen Schrei ausstieß, aufsprang und zur Gruppe der Dubois stürzte. »Was ist das?« rief die Hure aus, die eben einschlief, nachdem die drei Männer sie müde gemacht hatten. »Ach, Madame, ich bin es,« erwiderte die zitternde Justine, »Ihr Bruder ... er will ...!« – »Ja, ich will ficken!« rief Eisenherz aus, indem er sein Opfer verfolgte und sie rauh ergriff, »ich will dieses kleine Mädchen von hinten bearbeiten, was immer es koste!« – Justine war jetzt der größten Gefahr ausgesetzt, wenn nicht Wagengerassel von der Landstraße her hörbar geworden wäre.

Der furchtlose Eisenherz verließ alsbald sein Vergnügen, um seiner Pflicht nachzugehen. Er weckte seine Leute auf und eilte anderem Verbrechen nach.

»Ah! Alles geht gut!« rief die Dubois aus, die erwacht war und jetzt mit Aufmerksamkeit lauschte. »Das sind die Schreie. Nichts macht mich vergnügter als diese sicheren Zeichen des Sieges. Sie beweisen mir, daß unsere Leute Erfolg hatten und ich ruhig sein kann.« – »Aber die armen Opfer, Madame,« sagte unsere schöne Abenteuerin. – »Was liegt an ihnen! Es muß immer welche auf Erden geben ... Und die, die im Heere sterben?« – »Ah, dafür gibt es Gründe.« – »Unendlich weniger wichtige wie hiefür. Nicht um leben zu können, geben Tyrannen ihren Heerführern Befehl, ganze Nationen zu erdrücken. Aus Stolz geschieht das. Wir wollen bloß leben können und das rechtfertigt unsere Handlungen.« – »Aber Madame, man arbeitet, man hat einen Beruf.« – »Ach was, mein Kind, dies hier ist der unsere, ihn üben wir seit unserer Kindheit aus, in ihm sind wir erzogen worden. Und dieser Beruf war ein ursprünglicher bei allen Völkern der Erde. In ganz Griechenland war der Diebstahl geachtet, und noch heute belohnen ihn viele Völker, weil[35] er gleichzeitig von Mut und Geschicklichkeit Zeugnis ablegt.« Und die Dubois hätte zweifellos eine größere Rede über diesen Gegenstand gehalten,6 wäre nicht die Truppe mit einem Gefangenen in der Mitte zurückgekehrt.

»Der wird mich für die Härte Justines entschädigen,« sagte Eisenherz, der ihn führte; und man erkannte jetzt im Mondenschein einen wunderschönen fünfzehnjährigen Knaben. »Ich habe seine Eltern getötet,« sagte der Verbrecher, »seine kaum zehnjährige Schwester vergewaltigt und so glaube ich, daß es nur gerecht ist, wenn ich ihn in den Hintern ficke.« Während dieser Rede drehte er den Strohhaufen um, der unserer Truppe als Obdach diente und bald hörte man dumpfe Schreie sich mit geilem Stöhnen mischen. Nach und nach wandelten sich die ersteren in Röcheln, das bewies, daß der kluge Schuft, der von seinem Verbrechen keine Spur hinterlassen wollte, gleichzeitig das doppelte Vergnügen genoss, den Gegenstand der Wollust zu ficken und zu ermorden. Als er zurückkam, war er mit Blut bedeckt. »Beruhige dich jetzt, Justine,« sagte er. »Ich bin jetzt ruhig und du kannst es auch sein, bis neue Wünsche in mir nach neuen Greueln verlangen.« – »Brechen wir auf, Freunde,« sagte er zur Truppe, »wir haben 6 Personen getötet, die Leichname liegen auf der Straße; es wäre möglich, daß es für uns schon in einigen Stunden hier nicht mehr sicher genug wäre.« Nun wurde die Beute geteilt. Eisenherz wollte, daß Justine seinen Anteil bekomme, der sich auf 20 Louis belief. Man mußte sie zwingen das Geld anzunehmen, da sie davor zurückschauderte solches Geld anzunehmen. Nun brach man auf.

Am nächsten Tag, als sich die Diebe im

Veröffentlicht / Quelle: 
Marquis de Sade: Die Geschichte der Justine. 1906

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Kommentare

01. Jan 2018

ICH darf das leider ja nicht lesen -
Sonst ha(u)t mich Krause! Mit dem Besen ...

LG Axel

02. Jan 2018

Das las ich bereits mit knapp dreizehn Jahren ganz "allein zu Hause".
Zum Glück gab 's bei uns keinen Besen wie die Bertha Krause.

LG Annelie

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