An meinen Lehrer

von Joachim Ringelnatz
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Ich war nicht einer deiner guten Jungen.
An meinem Jugendtrotz ist mancher Rat
Und manches wohlgedachte Wort zersprungen.
Nun sieht der Mann, was einst der Knabe tat.

Doch hast du, alter Meister, nicht vergebens
An meinem Bau geformt und dich gemüht.
Du hast die besten Werte meines Lebens
Mit heißen Worten mir ins Herz geglüht.

Verzeih, wenn ich das Alte nicht bereue.
Ich will mich heut wie einst vor dir nicht bücken.
Doch möcht ich dir für deine Lehrertreue
Nur einmal dankbar, stumm die Hände drücken.

Veröffentlicht / Quelle: 
Gedichte. Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, 1910, Seite 50

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gelesen von Fritz Stavenhage / wortlover

Interne Verweise

Kommentare

11. Dez 2017

Dieses feinfühlige Gedicht von Ringelnatz erinnert mich etwas an die eigene Schulzeit in Düsseldorf.

Übersetzung ins Schwedische:

Till min lärare

Jag var en pojk, ej en av dina snälla.
Jag trotsade ditt ord var gång, i stort,
var ej bra på att lyda, men att skälla.
Först nu ser mannen vad den pojken gjort.

Men ej har du, magister, helt förgäves
försökt att forma mig med all din kraft.
Du har planterat mina bästa värden
i hjärtat, där jag inga såna haft.

Förlåt, om jag det gamla inte ångrar.
Jag vill mig nu som då för dig ej bocka,
dock gärna för din läraryrkes trohet
blott en gång tacksamt, stumt din hand fast trycka.

© Willi Grigor, 2017

12. Dez 2017

Danke, Axel, für den unerwarteten Kommentar.
Kann ich dem entnehmen, dass du im Schwedischen bewandert bist?

Herzliche Grüße
Willi

03. Aug 2018

Dies ist, wonach ein guter Lehrer trachtet
Nicht jeder Schüler ihn dafür hoch achtet