Dichtung ✓ klassische & moderne Dichtungen

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von Wolfgang Borchert
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von Andrea Kupkow
von Olaf Lüken
von Soléa P.
die schönsten Dichtungen
von Angélique Duvier
von Volker Harmgardt
von Kurt Tucholsky
von Jürgen Skupniewski-Fernandez
Mitglied

Ist es Tag?
Ist es Nacht?
Ich weiß es nicht.
Ist es noch Traum?
Ist es schon Zukunft?
Verschlief ich die Gegenwart?
Ich weiß es nicht.
Und doch wenn ich
Der Welt entrückt
Fühl ich mich frei…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Oh! Staune, wie Dein kristallin äderndes
Flüstern – im Angesicht verschleierte
Gabe – wirkt wie warmwertweitendes
Umarmen: nie ungerührt unberührt

Unbeschreibbar schreibend wie laukalt
In Asche unverkohlende Schrift…

von Lisi Schuur
Mitglied

Dass ich so oft dich denken muss
weil mich die Sehnsucht übertreibt
hab dich in Regen eingehüllt
mit Bambus dich vertauscht

dort wo der Garten anders spricht
weil Azaleen sich erzählen
da findet sich genügend…

Rezitation:
Lisi Schuur 12/2016
von Mara Krovecs
Mitglied

ich laufe ruhelos durch meine räume,
die kerzen brennen, musik im hintergrund.
durchs fenster scheint ein mond und milde träume,
verblassen wieder, der schmerz reißt stunden wund,

in denen ich dich atmen sah und deine…

von Volker Harmgardt
Mitglied

Trugbild oder Abbild -
Das ist die Frage.
Mit meinen Phantasien gehe
ich sorgsam um,
doch was tummeln sich für
Aussagen in den Medien:
Amerika zuerst, ein Sultanat im
vorderen Orient ist ausgerufen,…

von Soléa P.
Mitglied

Golden schwebt ein Sonnenstrahl,
auf die nass schimmernde Erde.
Streift des Waldes Tannenspitz
und auf dem Weg zum feuchten Gras,
auch buntes Laub er nicht vergaß,
das schütter und müde am Aste sich krallt –

von Soléa P.
Mitglied

Mit Friede lockt der Himmel –
schnurstracks geh ich auf ihn zu.
Höre Stimmen – mystisches Singen,
das Herz beginnt im Rhythmus zu schwingen –
der Körper sich zu heben,
schwebe –
und mach' die Augen zu.

von Sigrid Hartmann
Mitglied

Denk ich an das Gute
Und schau in die Welt
Dann werde ich sauer
Weil’s Gute nicht zählt

Vielleicht geht’s den anderen
Genauso wie mir
Mit bösen Gedanken
Vertreibt man’s Gute von hier

Den Kreis zu…

von marie mehrfeld
Mitglied

meine Einsamkeit
trägt ein dunkles Kleid,
Leben rinnt dahin,
finde keinen Sinn,

fühl verloren mich
so ganz ohne dich,
kalter Regentag,
hör was ich dir sag,

Worte fließen nicht,
schreibe…

von marie mehrfeld
Mitglied

müde blättert sich das liedlose Licht dunkelgrauer
Nebelworte von der Wand, und die Hand vor dem
Mund, dass ich nicht schreie zwischen deinen von

zornigen Krähen zerhackten Wortgefechten mit den
falschen Propheten, die…

von Joachim Ringelnatz
Bibliothek

Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im Geringsten.
Ich merke nur: die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,

Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff,…

von marie mehrfeld
Mitglied

Klare helle WunderWorte sind im Traum zu mir gekommen
als Geschenk, dass ich sie horte, haben mir den Schlaf genommen,
hindern mich am trägen Dösen, wollen Freude mir bereiten
und mir sanft die Zunge lösen, bringen Glanz aus…

von Ella Sander
Mitglied

Im Schnellen der Zeit,
das Leben verrinnt;
Du bist schon entwachsen
der Wiege, mein Kind.

Die Anmut der Jugend,
sie kleidet Dich gut;
stehst fest auf dem Boden,
zeigst Würde und Mut.

Im Anfang so…

von Ralf Risse
Mitglied

Es rennen die Tage ineinander,
Nächte liegen aufgestapelt.
Schübe, deren Inhalt ähnlich,
einzeln sicher unerwähnlich.

Wie viel JA in dir verwurzelt,
wie viel NEIN daran gewachsen?
Welche Ecken man umschiffe,…

von marie mehrfeld
Mitglied

unter meinem Baum sitzend, eingeritzt in die vom Alter zerfurchte Rinde die Namen derer, die zu uns gehörten in Zeiten heller Gesänge, zerbrechlicher Träume,

Gefühle ziehen Bahnen in banger Erwartung gespiegelter Phantasien, nicht…

von Lisi Schuur
Mitglied

In Fußbodenritzen
der Staub
der vergeblichen Kämpfe
umgefallene Stapel
nicht gelesener Bücher
liegen wie anklagend
auf dem Boden
da ist keine Bettschwere
die verschwinden lässt
--
die…

von marie mehrfeld
Mitglied

Wir löschen letztes Wintergrau, weil wir es wissen, ganz genau
das ist der Sinn der Osterzeit, zum Neubeginn sind wir bereit,
ob wir Muslime sind, ob Christen, ob Juden, Hindus, Atheisten,
ob wir nun Arme sind, ob Reiche, wir…

von marie mehrfeld
Mitglied

die Trauer nagt
an meiner Stirn,
die Furcht, sie frisst
sich in mein Hirn,

ich weiß es nicht -
was kommt danach,
ob es dort Nacht
sein wird, ob Tag,

sind wir im Schatten-
reich allein,…

von marie mehrfeld
Mitglied

nur die Fingerspitzen, die sich zärtlich
berührten, wenn sich tagsmüde Glieder
liebend wärmten zur Nacht, in der Stille
unausgesprochenen summenden Seins,

die Unwiederbringlichkeit deines Blicks,
deiner Augen, und…

von Uwe Röder
Mitglied

Unsre Seelen
haben gegenseitig
sich erkannt in Lieb und Leid.

Wirst du die
meine in dir aufbewahren,
noch für kurze oder lange Zeit?

Ich will
die Liebe deiner Seele
tragen wie ein warmes Kleid…

von Rainer Maria Rilke
Bibliothek

Ich glaube an alles noch nie Gesagte.
Ich will meine frömmsten Gefühle befrein.
Was noch keiner zu wollen wagte,
wird mir einmal unwillkürlich sein.

Ist das vermessen, mein Gott, vergib.
Aber ich will dir damit nur…

von Annelie Kelch
Mitglied

Noch liegt Tau auf dem grünen Gras der Deiche;
die Kastanie an der Auffahrt schweigt – noch ist alles still.
Müd' fallen die Blätter der alten knorrigen Eiche;
und ich muss zur Schule; nein, nicht doch: Ich will!

Die Kühe…

von marie mehrfeld
Mitglied

mein Trauerland, es hängt
im Meer der Trockentränen fest,
im langen Schlaf,

mir fehlt Verstand, ein
warmes Nest, stumm schieben
Wolkenberge die schweren

Schatten auf mein Haus,
der weite Himmel…

von Heinrich Heine
Bibliothek

Am blassen Meeresstrande
Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
Die Sonne neigte sich tiefer, und warf
Glührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und…

von Annelie Kelch
Mitglied

Ich mag die wandelbaren Tage, wenn der Nebel fällt
und sich in Schwaden gräuliches Gefieder regt ...
die Luft, wie sie die blauen Hügel, scheinbar unbewegt,
umwirbt, umschmeichelt und beseelt umfangen hält…

von Angélique Duvier
Mitglied

Einmal noch
möchte ich
auf der Bühne stehen,
den tosenden Applaus
genießen.

Einmal noch
sehen, wie
sich der Vorhang hebt,
das Publikum
spüren.

Den Faden weben,
durch Räume…

von Soléa P.
Mitglied

Dunkle Tage, sie werden kommen –
schälen sich träge aus der Nacht.
Die Sonne schafft's nicht durch den Nebel.
Machtlos ist sie – ohne Kraft.

Schatten, alles vegetiert im Schatten,
Farbkleckse, sind nicht zu sehen.…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Von Nebelgittern weich verhangen
Himmellauernd Sichelfang darein
Im Singen mischt sich leises Lachen

Jener Blick

Tief erfasst wie unerklärlich
ausgebrochen lispelnd reisend
aufgeblitzt aus jenem feinsten…

von Jürgen Skupniewski-Fernandez
Mitglied

Mein Herz schlägt links,
mein Herz schlägt rechts,
mal bleibt es still,
mal in der Mitte gefangen.

Meine Gedanken sind leicht,
meine Gedanken sind schwer,
mal bleiben sie leer,
mal von Wolken verhangen…

von Soléa P.
Mitglied

Beruf oder Berufung –
er weiß es nicht,
sieht im Badspiegel sein Gesicht,
das blass und müde ihn angähnt –
er dreht das kalte Wasser auf,
im selben Moment stockt der Atem –
sprunghaft steigt der Blutkreislauf…

von Ella Sander
Mitglied

Wenn Schneegeflocktes schüchtern taut
Und sich in zierlich Rinnsal findet,
Küsst es die Kälte fort. Vertraut,
Dass Leben sich in ihm neu bindet.

Die Schmetterlinge frieren nicht mehr.
Wie warmer Frühlingswindhauch…

von Annelie Kelch
Mitglied

Über lichtzarte Pusteblumen, die
durch dunkle Tage schweben,
gießt sich die Regenrinne des Aprils.
Ich möchte mir ein Seidenkleid
aus veilchenblauen Sternen weben ...
und weiß doch längst: Die Sonne legt
sich…

von Yvonne Zoll
Mitglied

wiesen wissen wie entfernt vermessen
frieseln fort nach eigenem vergessen
wie gefallen wesen währenddessen
flocken treibend wärmt täglich wessen

bald ausgelassen nieselnd wölkt ins aus
im fieber früher schatten…

von marie mehrfeld
Mitglied

nur die Fingerspitzen, die sich zärtlich
berührten, wenn sich tagsmüde Glieder
liebend wärmten zur Nacht, in der Stille
unausgesprochenen summenden Seins,

die Unwiederbringlichkeit deines Blicks,
deiner Augen, und…

von marie mehrfeld
Mitglied

Statt nur zu träumen vom Glück erhoffter Zeit,
verklärt durch Bilder der Vergangenheit,
will ich das Jetzt, den Augenblick genießen,
blicke nach draußen, sehe Gräser sprießen

und wie am Himmel Wolkenberge ziehen,

von marie mehrfeld
Mitglied

mein Denken an euch in der Nacht, es dröhnt,
wenn euer Schreien nach Gerechtigkeit,

nach Brot, nach Wasser, nach Liebe
meine Trommelfelle zertrümmern will

und sich alle lichten Gefühle des Lebens
in scharfe Stücke…

von Soléa P.
Mitglied

Wenn ein Teil im Stillen liegt –
du nichts mehr wahrnehmen kannst,
Frequenzen – Wellen, hoch sensibilisiert,
pirschen sich immer wieder an dich ran.
 
Auch meine Stimme trägt den Schall –
Vibrationen hin zu dir…

von Else Lasker-Schüler
Bibliothek

Dass uns nach all' der heissen Tagesglut
Nicht eine Nacht gehört . . .
Die Tuberosen färben sich mit meinem Blut,
Aus ihren Kelchen lodert's brandrot!

Sag' mir, ob auch in Nächten Deine Seele schreit,
Wenn sie aus…

von Uwe Röder
Mitglied

Wer Hass von
seiner Kanzel klirrt -
wer es auch sei,
der irrt!

Denn wenn ein
Schöpfer existiert,
dann ist er anders,
nicht vertiert.

von Uwe Röder
Mitglied

Du siehst die
nicht vorhandnen
Mängel an dir
zu genau.

Ich hätte dich zu
hoch gelobt,
dich wunderbare
Frau?

Mein Du-bist-fein
sinkt in dir ab,
zum Schleim-Grund
aller Komplimente…

von Soléa P.
Mitglied

Aus dem Nichts, schälst du dich,
konturlos dein maskulines Gesicht,
ziehst wie Rauch zu mir herüber,
der Raum, im Kerzenlicht, wirkt düster,
schwebst, nicht greifbar, über allem –
tust mir gut und so gefallen …

von Rainer Maria Rilke
Bibliothek

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise…

Rezitation:
Lotte Lehmann liest "Ich lebe mein Leben" / 1961
von Joachim Ringelnatz
Bibliothek

Hinaus an den Strand will ich gehen,
Wenn keiner wacht
Das wilde Meer zu sehen
Und die heilige Nacht.

Und wieder faßt mich das alte Weh –

Am Strand tanzt ein Boot.
Das lockt mich hinaus in die tosende See,…

von marie mehrfeld
Mitglied

winkst Du mir zu
aus dem Fenster gegenüber
als hätte es den galligen Streit
von gestern nie gegeben

Gedrucktes quillt aus dem Kasten

die Welt rüstet auf
der Krieg er hockt in den Genen
und immer noch…

von Christian Morgenstern
Bibliothek

Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Wer vom Ziel nichts…

von Angélique Duvier
Mitglied

Beseelt vom schönen Klange,
möcht ich mein Herz dir schenken,
heimlich im Gartengange,
will ich ins Moosbett sinken.

Dich herzen und liebkosen,
solang, bis Sterne funkeln,
berauscht vom Duft der Rosen,

von Ella Sander
Mitglied

Wenn ich als Kind durch Wälder streifte,
War jeder Forst ein Zauberwald:
Brennende Nesseln waren böse Geister,
Bezwungen von Feen in Blumengestalt.

Und wenn ich heut' den Wald betrete,
Schau' ich mit lächelndem…

von Uwe Röder
Mitglied

Es war schon spät, nur
finster war es noch.

Ich schlich zu Papas Bett
und seinem Nasenloch

und bohrte mit dem Finger
ihm ein größeres hinein.

Doch das schien
falsch zu sein.

Beim Wegziehen der…

von marie mehrfeld
Mitglied

bis hin zu den vergilbten
Briefen der frühen Tage
verlor alles seinen Schatten

stolze Vögel der Nacht
lassen Schwingen wehen
über den Dächern alter Dörfer

menschenleer zum Bersten
voller Erinnerungen…

von Rainer Maria Rilke
Bibliothek

Wir bauen an dir mit zitternden Händen
und wir türmen Atom auf Atom.
Aber wer kann dich vollenden,
du Dom.

Was ist Rom?
Es zerfällt.
Was ist die Welt?
Sie wird zerschlagen
eh deine Türme Kuppeln…

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