Dichtung ✓ klassische & moderne Dichtungen

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von marie mehrfeld

Beim Abendspaziergang
zwischen den Jahren über
verschneite Dörfer hinaus,

ein letztes Mal Hand in Hand,
bevor du verschwandest aus
meinen Tagen und Nächten,

bevor ich verstummte,
folgtest du mir ohne…

von marie mehrfeld

Wie die Vermisstenlisten wachsen im späten Herbst - es schmerzt. Und das Bewusstsein ihres Fehlens auch. Was scheint verschwommen und was klar? Handeln wir besser aus dem Bauch? Was ist gelogen, was ist wahr?

Wir suchen Licht. Fragen…

von Sigrid Hartmann

Blaue Blume in der Nacht
Hast du vor der Tür gewacht
Warst in dunklen Stunden da
Warst mir in den Träumen nah

Hast die Tage mir erhellt
Hast von deiner Welt erzählt
Tränen haben dich berührt
Hast mich in…

von Annelie Kelch

Ich möchte über alle Blätter schweben, die am Boden liegen
Geopfert hat der Baum sein eigen Fleisch und Blut
Dem Gott, der unerkannt in jedem Stamme ruht
Dem Wind, begierig, kahle Äste in den Schlaf zu wiegen.

Ich möchte…

von Volker Harmgardt

Ich gehe durch die Nacht
und keiner geht mit.
Der Nordwind bläst und
die Zeit vergeht.
Die Alleebäume rauschen
vorbei und flüstern von Liebe.
Wunderdinge spüren der
Blüten Kraft.
Der halbe Mond…

von Leo Rottmann

wenn nähe weicht
sich hass einschleicht

verlass den raum
er stört den traum

vom gleichgewicht
im gegenlicht

sich lieben zählt
du hast gewählt

nun steh dazu
find deine ruh

und sag es…

von marie mehrfeld

Grenzen, sie sind ein Teil unsres Lebens,
wir rennen gegen sie an, meist vergebens,
meine sind Mauern der Furcht vor dem Tod,
sie wollen mich lähmen, bereiten mir Not,

und diese Begrenzungen, das ist wahr,
sie sind…

von marie mehrfeld

Du kannst nur Du sein, das ist gewiss, kannst nur gestalten,
wenn Du verstanden wirst und auch gehalten,

wenn Du es spürst, weil Du genau hinhörst, da ist ein Rufen,
das Dich begleitet durch alle Stufen,

das über allen…

von marie mehrfeld

sanft flatterst Du, unhörbar leicht, Dein Schmettern einem Lufthauch gleicht, als ob Dein Flügelschlag gehaucht, selbst Deine Seele, unverbraucht,

bist himmelfarben, silberblau, ich ahne es, weiß nichts genau, mich trügt der Sinne Schein…

von Ella Sander

Das Leben tätowiert viele Geschichten,
In jeden Geist, ins Herz, führt jede Hand;
Die Seele wünscht ein liebevolles Fristen,
Nicht nur im Himmel, auch auf Erden-Land.

Die Sehnsucht träumt in allen Herzen,
Von Liebe…

von marie mehrfeld

deine dunkelblau klirrende und
zugleich schmeichelnde Stimme war es,
die mich gefangen hielt in den Netzen

theoretischer Gedankenwelten,
ernährt hat sie mich und mir
vorübergehend den Durst genommen,

doch…

von marie mehrfeld

Du meisterhaftes Ahornblatt, die Farben wundersam, so satt,
ich hab mich auf dem Weg gebückt und hob Dich auf - und war beglückt,

nun halt ich Dich behutsam fest, in einem Buch wirst Du gepresst,
so hast Du Jahre noch, für…

von marie mehrfeld

solange Fenster und Türen
vernagelt sind, staut sich die
Glut, hirnrissig, aufgeweicht,
Sprachfluss geistlos verknotet,
versiegelt, betrübt verstummt,

bis oben verdrahtet, Worte
der Lust stecken geblieben,…

von marie mehrfeld

Im letzten Schnee draußen,
nachts. Schlummernd, bewacht
von glühenden Katzenaugen.
Ich und Du. Gesichtergeflüster.
Mit geschlossenen Augen
halten wir uns fest im Arm.
Nun nie mehr loslassen.

Ihr…

von Lisi Schuur

Wenn alle Brücken zugemauert sind
hat Hoffnung aufgegeben.
Und wenn du mit verschränkten Armen stehst,
versperrst du den direkten Weg.
Ich möchte dich in meine Arme nehmen,
und suche lange schon nach einem Steg.…

von marie mehrfeld

jung war ich, noch blind und taub
und suchte den Atem der Zeit
und das Rauschen der Ewigkeit

in deinen verschatteten Augen,
du nahmst meine Hand, erklärtest
mir Farben und Formen, lehrtest

mich sehen, staunen…

von marie mehrfeld

der Dämmerung graues Grau über dem Brachland der Öde
verschleiert die klare Sicht zurück in vergessenes Glück,

du einsamer blattloser Baum, gezeichnet vom jähen Verfall,
stürzen wirst bald selbst du und dich nicht mehr…

von marie mehrfeld

Ein süßer Duft hielt Wacht im Garten, verströmt von hundert Rosenarten, die laue Sommernacht, sie schwebte, und meine Seele atmete, sie lebte,

gleich konnten im Duett wir singen, du kamst von einem fremden Stern, ich hörte deine Stimme…

von Joseph Freiherr von Eichendorff

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So…

von marie mehrfeld

lauern Gespenster vergilbter Zärte
in Spinnenetzen meiner Gestrigkeit,
du, im Nackten erstarrte Leinwand,

so unbeschrieben und weiß und kalt,
sollst mir hellblaue Bilder spiegeln,
die mich berühren, verführen,…

von Else Lasker-Schüler

Auf die jungen Rosensträucher
Fällt vom Himmel weicher Regen
Und die Welt wird immer reicher.

O mein Gott mein, nur alleine
Ich verdurste und verweine
In dem Segen.

Engel singen aus den Höhen:
»Heut ist…

von marie mehrfeld

Erinnerungen an Momente des Glücks sind von so
zerbrechlicher Schönheit, dass sie verblassen in

unseren Spiegeln, wenn wir sie nicht lächelnd pflegen
und streicheln im Morgengrau, wenn die Seele sich

öffnet und das…

von marie mehrfeld

Du bist gegangen, und für lange Zeit war ich tief in mir selbst gefangen,
die Schwermut deckte alle Farben zu mit ihrem dunklen nassen Tuch, er
ist noch da, der Schmerz, doch seit der Südwind weht, erwacht mein Herz
zu neuem…

von Soléa P.

In stillem Tal,
unter Gottes ferner Sonne,
verweilt im angenehm warmen Wind,
„Sie“, unbekümmert wie ein Kind –
wiegend, blühend, vor sich hin.
Nichts ahnend, dass ihr Ende naht,
an einem spätsommerlichen…

von Jürgen Skupniewski-Fernandez

Im Adagio des
aufblühenden Tagesglühn,
Schleier mondsilberner Fäden
den Vorhang ziehn,
blaues Himmelherz,
taufeuchtes Wimpernpaar,
Lebensfeuer,
Horizonte glühn.
So nah!
Näher warst Du

von marie mehrfeld

Die stete Sicht auf Glück, das einstmals war, vergesst sie bloß, denn man kehrt nie zurück in jenen warmen Schoß, nun ist der Mond der Koffer, die niemandem gehören und der Verspätungen, die nicht mehr stören, der fremden Orte, nie gewagten…

von Joseph Freiherr von Eichendorff

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein…

von Angélique Duvier

Möge der Wind
dein Leid verwehen.
Möge der Regen
deine Tränen
ins Meer spülen.

Möge Rosenduft
deine Schmerzen
vertreiben
und die Sonne
immer für dich
scheinen.

Möge dein Traum…

von Annelie Kelch

Der Weg, der längst vergangen, steht im Wege mir,
Unter Ruinen rosten Brunnen, darin meine Liebe rauscht.
Erröten wird das Ohr dir, wenn du ihren Worten lauscht:
Ich stell die Weichen für den Schicksalszug zu dir.

Was du…

von marie mehrfeld

ein Netz aus Nähe
und Treue gestrickt
und immer wieder
aufs Neue geflickt,
im Rinnen der Zeit
ergraut verblichen,

lautes Gelächter dem
Lächeln gewichen,
ich bin verwundert
ein…

von Ella Sander

Es wandert ein Flüstern in allen Dingen,
Bleibst Du nur stehn, da hörst Du sie singen;
Öffne Dein Herz, dann kannst Du es sehn,
Die Rufe des Lebens wirst Du verstehn.

Siehst Du das offene, weitblaue Meer?
Es ist…

von Soléa P.

Der letzte Sand rinnt durch die Uhr,
unsere Zeit – abgelaufen?
Was hatten wir uns alles geschworen,
doch manches ging auf dem Weg verloren!

Deine Augen sprechen Bände,
erzählen von Aufbruch und neuen Ängsten,

von marie mehrfeld

Sieh, wie der alte Mond mit seinem bleichen Schein
sich schleicht in unsre Seelen ein, die schlafend suchen
nach dem einst’gen Glück, von wehem Mut sind sie

getrieben, sie sehnen sich danach zurück, geliebt zu
sein und…

von marie mehrfeld

So viel Beton und Teer, kaum kleine Felder mehr,
zu wenig’ Winkel, Hecken, wo Hasen sich verstecken,
Igel und Vögel zagen, und selbst wir Menschen klagen,

wir brauchen reine Luft und auch der Blumen Duft,
wo Vögel…

von marie mehrfeld

Die Rumpelkammer mit Spinnenweben
verrät mir dein Wesen, dein Innenleben,
am Nagel, da hängen die alten Klamotten,
zerlöchert sind sie, zerfressen von Motten,

die zärtlichen Briefe, vergilbt, unversiegelt,
darin…

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