Kurzgeschichten & Kurzprosa ✓ short storys - Komprimierung von Inhalten

Bild von Prosa Kugeln mit Kurzgeschichten

Der Begriff der 'Kurzgeschichte' (im Englischen 'Short Story') und im erweiterten Diminutiv 'Kurzprosa', birgt für den Konsumenten, der nur aus 'Spaß an der Freud´' liest, einige Schwierigkeiten. Romane sind lang, Erzählungen sind kürzer … Shortstories und Kurzprosa also noch kürzer?

Sie finden hier eine große Auswahl von Kurzsgeschichten zu allen Themen.

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Beitrag 1 - 35 von insgesamt 1681 Texten in dieser Kategorie
von Monika Jarju

WER SPRICHT MICH IM SCHLAF?

Im Traum
sprechen die halben Sätze
den ganzen Sinn,
zerlegen die rohen Wörter,
wenden den Inhalt,
verschieben das Gefüge
der Nacht.

*

Weiße Seidenbänder,

von Sigrid Hartmann

Stille erfüllt den Raum. Das gleichmäßige Ticken der Wanduhr schafft es nicht, sie zu durchbrechen. Es ist ein Teil dieser Stille. Ab und zu gleitet das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos hindurch. Dann ist da wieder nur das Ticken, tick, tack…

von Annelie Kelch

Ich erinnere mich noch genau an jenen Tag, an dem ich meine erste Lüge aussprach. Es geschah an einem kalten Wintermorgen, kurz vor Weihnachten. Der Schnee auf den Wiesen vor der Elbe lag mindestens einen halben Meter hoch: eine eisige weiße…

von Monika Jarju

Die zwei Frauen, die wuchernde Büsche und stille Bänke umrunden, stehen plötzlich vor mir. Die Jüngere beugt sich über mich. „Was lesen Sie?“ sagt sie zu mir und lugt in mein Buch, mich abschätzig musternd. „Aha, Gedichte. Eva Strittmatter? Die…

von marie mehrfeld

Jetzt bleib ich einfach hocken auf der Gartenbank und atme die unerwarteten Schneeflocken ein, die auf meinen geschlossenen Lidern schmelzen und sich mit ein, zwei nicht erklärbaren Tränen mischen, lasse die Gedanken laufen, in Wartestellung bin…

von Monika Jarju

In der Strandbar ein Maifeuer, Leute in Liegestühlen lauschen dem Liedsänger.
„Du gehst durch die Nacht, um mal zu schauen, ob einer von den drei Millionen
in deiner Stadt dich versteht." Und du gehst durch den Abend, die Luft ist…

von Monika Jarju

Andere kamen hinzu, vergrößerten die Runde, ihn aber spürte ich Kommen
an seinem ruhigen steten Gang, seinem stillen sich Dazugesellen, erkannte ich ihn –
und erschrak inmitten von Geplauder, Gelächter und ausschweifenden Gesten.…

von Monika Jarju

BAHNHOF
Ich stehe auf einem Bahnsteig, als plötzlich hinter mir ein Schnellzug
vorbeirast. Ein donnerndes Geräusch, der Bahnsteig bebt. Die
Erschütterung löst etwas in mir. Schnell drehe ich mich um.
Berlin-Warszawa-…

von Monika Jarju

Wohin verführen uns die Straßen der Welt? Mitten durch
unsere Sehnsüchte, unser Verlangen nach Leben, Lieben,
Lebendigkeit. Von Sehnsucht zu Verlangen, von Illusion zu
Traum erfinden wir uns neu auf den Straßen. Nur wer sich…

von Monika Jarju

In einem Hamburger Kino sehen wir einen Film
über zwei Kinder, die hundert Meter unter der Erde
im Metro-Schacht leben. Die Schulleitung verbietet
ihnen den Wohnort. Vorzeitig verlassen wir den Film
und schleichen uns…

von Monika Jarju

AUSZUG AUS "KIWI KERNE"

In meinem Träumen komme ich weit herum

Kann ich mit Sicherheit sagen,
ob ich an einem Ort war oder nicht?

Wahrscheinlich war ich
an allen möglichen Orten,

im Traum.

von Monika Jarju

Verirrte Vögel flattern im Zimmer umher, fliegen durch die Terrassentür wieder hinaus.
Ich sehe ihnen nach, im verwaschenem Himmelsblau ballen sich düstere Wolken.
Vögel jagen kreischend über den Hof, schießen dicht über meinen Kopf…

von Monika Laakes

Vielleicht ist doch noch etwas von dir hier. Gewiss, die Erinnerung an eine kleine große Frau. Das letzte Treffen dort, am Eckcafe, mit Blick auf das Wasser, und immer die Hunde dabei, unsere Kameraden, dir und mir unendlich ans Herz gewachsen.…

von Monika Jarju

Ich lief und lief vorbei an gläsernen Kuben, in einem Meer aus Stein,
und São Paulo lief mit. Licht zersplitterte an Fassaden, Häuserfronten
aus gefrorenen Wellen umgaben mich, ich irrte in einer wilden Geometrie.
Von Ferne…

von Annelie Kelch

„Benny, du hast deinen Tannenzweig vergessen“, rief seine Mutter ihm nach.
Benjamin, der schon den Bürgersteig entlangmarschiert war, wandte sich um: Seine Mutter stand vor der Haustür und winkte mit dem waldgrünen kleinen Tannenzweig, den…

von marie mehrfeld

War es so? Gebar Maria ihren Sohn vor 2000 Jahren in einem Stall? Legte die junge Mutter ihr Kind in eine Futterkrippe? Lagen da unter dem Himmelszelt hütende Hirten auf dem Feld? Sprach ein Engel im Sternenlicht zu ihnen, fürchtet euch nicht…

von Susanna Ka

„Bis morgen“
Raunt der Paketmann in einem Werbespot, mit dessen Inhalt er eigentlich gar nichts zu tun hat.
„Bis morgen“
Er übergibt einer Schönen ein Paket und rote Herzchen flattern über dem Bildschirm. Die sanfte…

von Monika Jarju

Im Innenhof des Seouler Gartens, von der Veranda des Pavillons, betrachte ich die hügelige Felslandschaft, eine Vegetation aus Kiefern, Bambus, Eichen und Ahorn. Der Eindruck von Fremdartigkeit ist so groß in mir, dass ich in einem magischen…

von Sigrid Hartmann

Weint nicht um mich. Ihr seid Kinder, die mit dem spielen, was sie finden. Alles, was ihr für euer Spiel nutzt, ist ein Teil von mir, Luft, Wasser, Feuer und alles das, was mich zu dem macht, was ich bin.
Ihr verbindet es und erkennt nicht…

von Monika Jarju

Regen plätschert zwischen den Fenstern, grünbleich meine Sicht,
Wind schlägt geräuschlos die Buche. Beruhigung zieht in den erhitzten
Sommertag. Vormittag verwandelt die stille Straße in ein geschäftiges
Fließband, auf dem die…

von Monika Jarju

Die Häuser sind alt, beinahe schwarz, von ihnen geht eine Dunkelheit aus, die alles Licht verschluckt. Der raue Verputz bröckelt, hellere Schichten treten darunter hervor wie Geschichten aus einer früheren Zeit. Im Gemüsegeschäft brennt ein…

von marie mehrfeld

Sonniger später Märznachmittag auf dem großen Friedhof, der geschichtsträchtigsten und geheimnisvollsten Region meiner Stadt. Wieder einmal bin ich unterwegs in dieser grünen Oase mit ihrem vielfältigen alten Baumbestand und fülle meinen…

von Monika Laakes

Mein Hund. Verschwunden im ausgedehnten Weizenfeld. Nur ab und zu ragt die Rute weit hinten als etwas Gelbes, Bewegliches heraus. Dann ein eleganter Sprung. Und weiter die Hatz, zitternde Halme, hier und da unverhofft das Auftauchen der…

von Eva Klingler

Zum dritten Mal beginnt sie zu erzählen.
Bruchstücke.

Eigentlich habe ich keine Zeit. ( Was für ein Satz )

Der Laden ist voll, verlangt nach (un)persönlicher Perfektion.
Kunden - Kassa - Ware - Staub.
Letzteres…

von Willi Grigor

Ganz am Anfang meiner Zeit war auch ich vollkommen neutral. Das änderte sich mit der Zeit. Die Zeit kümmert sich um solche Dinge.
Sie kümmert sich um alles. Wir meinen oft, dass wir oder unsere "Vorgesetzten" unsere Entscheidungen treffen.…

von Kurt Tucholsky

Es war einmal ein Kaiser, der über ein unermeßlich großes, reiches und schönes Land herrschte. Und er besaß wie jeder andere Kaiser auch eine Schatzkammer, in der inmitten all der glänzenden und glitzernden Juwelen auch eine Flöte lag. Das war…

von Luise Maus

Das Fenster ist geöffnet
weit ins Dunkel der Nacht
und ungeduldig wart' ich
dass die Morgenröte erwacht.

Da ist sie! scheu schaut sie
vom Horizont zu mir und ich
spüre, auch Röte steigt auf in mir.

Noch…

von Michael Dahm

Etwa eine Woche vor dem Heiligen Abend war er plötzlich da, ganz selbstverständlich, als wäre ihm alles in Fleisch und Blut übergegangen, klappte er seinen Angelstuhl auseinander, holte eine alte aufgeschnittene Bierbüchse aus dem speckigen…

von Monika Jarju

Als jäh Kinderstimmen im engen Hofkorridor
meine Hirngespinste zerreißen, höre ich hin.
„Kikeriki“, kräht ein Kind, ein anderes miaut
wie eine Katze, ein Junge bellt, ein viertes schreit:
„Mama, Papa!“ Der Hund brüllt: „…

von Karin Steuck

So treu und geduldig, fast weise.
Wartest, schaust dich zu mir um. Als wären wir schon immer zusammen.
Eine Stille umgibt dich.
So weiß deine Pfoten und dein Gesicht. Und dann plötzlich Gold und erdiges Braun.
Was soll…

von Monika Jarju

Verlassen liegt die Straße da, eine leere Straßenbahn fährt an mir vorüber,
dann ein Nachtbus ohne Fahrgäste. Tische und Stühle in Vorgärten, offen stehende
Fenster, in der Tiefe der Räume Bettzeug, sorglos schlafende Bewohner. Angler…

von Willi Grigor

Ohne das Gehirn läuft wohl nicht viel im menschlichen Körper. Es ist irgendwie überall mit dabei. Aber ist das auch immer gut?
"Das Gehirn ist das Organ, das uns zum Menschen macht, uns unsere Identität gibt. Es ist somit unser wichtigstes…

von Angélique Duvier

Die Fahrt und die Dunkelheit hatte mir meine Orientierung genommen.
Mit einem Ruck kam das Fahrzeug nach langer Zeit zum Stehen, ich lauschte gebannt und halb ohnmächtig vor Angst. Eine Wagentür schlug zu, von draußen erklang ein

von Monika Jarju

Er ruft im Traum seine Mutter an.
„Was soll ich jetzt tun?“ – fragt er.
„Ich rede mit deinem Vater,
ruf in fünf Minuten wieder an.“ –
Er erwacht.

von Annelie Kelch

Manchmal stelle ich mich vor die große Glasscheibe des Balzac Coffees im Hauptbahnhof und starre auf die Öffnung, die zu den Gleisen führt.
Dann springt mich die Sehnsucht an wie ein Sandwich, das mit Karacho aus einem Toaster schnellt, und…

Seiten

Ginge es einzig um die Länge (den Umfang) eines literarischen Werkes, könnte man - auch im Falle der Kurzgeschichten - vielleicht eine am physikalischen oder geometrischen Prinzip angelehnte literarische Maßeinheit anwenden. T1 (Text mit maximal 1 Zeile), T10, T5000, T2.000.000 … usw.

Da dies niemand wirklich möchte, verschwimmen die Bezeichnungen im Prosabereich viel mehr als im lyrischen oder (fürs Theater gedachten= dramaturgischen) Bezug.
Der Wert eines Kurztextes bleibt dabei unberührt: Anekdoten, Aphorismen, Sketche, Skizzen, Kurzgeschichten, Kurzprosa … die Möglichkeiten sind mannigfaltig.