Zwei Welten

von PAscal Malbrun
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Man stelle sich eine Welt vor, welche durch Sorgen, Leid und Misstrauen, dunkel geworden und setze sie der uns wohl bekannten Welt gegenüber. So gebe es auf beiden Seiten, der Unseren und der düster-dunklen, einen Mann. Jedereiner identisch in Physiognomie und Psyche. So ist nun nicht nur des Mannes Erscheinung und Verhalten ebenbildlich, wenn nicht sogar gleich, sondern das gesamte Sein in seiner Vollkommenheit, identisch, mit dem leisen Unterschied, dass nun die Eine dunkel und die Andere hell in Farbe und Verhalten ist.
So beginnt nun das Experiment, dessen Resultat zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorauszuahnen ist. Doch zu allererst ist es von Nöten die Testumstände vorzustellen.
Es werden die vorher erwähnten zwillingsgleichen Männer, auf die Probe gestellt, welche sich nur durch ihre Charakterzüge unterscheiden. Gleichermaßen, doch trotzdem unterschiedlich werden beide getestet. 
Doch was ist es was des Testes, Ergebnis, Resultat sein soll? Man weis es nicht! Man testet ohne Grund, ohne zu wissen was. Einfach drauf los, so beginnt es. Es gibt ein Treffen, jeweils in einem anderen Raum, einem anderen Ort, einer anderen Welt. Es werden Hände geschüttelt, man setzt sich. Zeitgleich, plötzlich, überraschend. Es geht ein Licht auf. Das Einzige was das Licht an Ort und Stelle hält, ist eine Glühbirne aus Glas, handgeblasen, feurig heiß.
So schwingt sie hin und her und wieder hin und her, bis sie schlussendlich zum Stillstand kommt. Der Schwerkraft zugewandt, alleingelassen von jedweder anderen Beleuchtung, schwebt das Bündel Farbe, auch Licht genannt über den Köpfen der zwei Probanden, in seinem Glaskäfig an zwei gegensätzlichen und doch gleichen Orten.
Einander gegenüber erscheint mit dem hellen, schallenden Ton einer läutenden, goldenen Glocke, ein Mann, sitzend auf einem ebenfalls goldenen Stuhl, Beine überschlagend, bequem sitzend. Dieser Mann, dessen Erscheinung so plötzlich wie erwartend war, hatte goldenen, überkreuz geschnürte, extravagante Schuhe, dessen Ausmaß, unübertrieben riesengroß, spitz zulaufend, in die Länge gezogen.
Fährt man nun den Körper, beginnend mit den Schuhen, mit den Augen nach, so ergeben sich die Konturen, eines bequemlich sitzenden Riesen, welcher in seiner Gelassenheit, seiner Haltung nach zu urteilen, auch hätte schlafend sein können. Dieser gänzlich naheliegenden Vermutung des schlafenden Riesen, wurde durch das durch eine Maske unkenntlich gemachte Gesicht, unterstützt. Nun hatte diese Maske, geheimnisvoll wie sie war, zwei Gesichter welche beide, unterschiedlich doch auch gleich, repräsentativ für die Umgebung, einmal funkelnd hell, einmal schaurig-dunkel, dem gegenüber sitzenden Manne, auffallend doch gleichzeitig gleichgültig bejahend, zur Kenntnis genommen.
So ist es des stillen Beobachter´s Aug, welcher die Maske, näher beschreibend, auf der einen Seite, ein breites Grinsen, auf der anderen, ein schaurig grimmiger Blick, vermerkt, zur Kenntnis genommen, ins unendliche Nichts der Gedanken, eingeordnet und dann so plötzlich wie das Merkmal gekommen, verpufft, mit leisem Geräusch, oder dumpfen Schlag.
Um zurück zu unseren beiden Protagonisten zu kommen, bietet es sich an, den Raum, in dem sie befindlich, gleich doch unterschiedlich, gänzlich zu beschreiben. So ist es der Raum, der fließend, in die Umgebung übergehend, doch auch stabil in seiner selbst, viereckig, quadratisch, gradlinig. 
An dieser Stelle fragt man sich: „ Was ist es, was den Raum fließend macht, obgleich er fest verankert, dem Baume gleich, verwurzelt ist?“
So ist es wie bei dem Spiel „Go“, mit dem Raum. Einerseits ist der Raum keinen Regeln unterworfen, er spielt nach Gefühl, gleichermaßen verändert er sich; andererseits entstehen Muster. Mit Stimmung verändern sich diese Muster und somit auch der Raum. Als Spielpartner hat der Raum unsere Probanden, welche gelassen, dem Riesen gleich, auf dem Stuhle sitzend, seelenlos blickend, in die Ferne schweifend, gehalten, doch auch nicht gehalten durch die fließende Wand, welche metamorphosisch, Farbe, Materialität und Beschaffenheit, je nach Gefühl und Muster des Spielpartners, verändert, verformt, die allgemeine Stimmung des Raumes, des Ortes, der Welt, der Welten wandelt.
Der Raum ist, war und wird somit der Mittelpunkt des Seins, des Geschehens, des Seins sein und bedingt diese in ihrem vollkommenen Sein in der Gegenwart, in der Vergangenheit, in der Zukunft, von jetzt an, von früher und auch später.
Zeitlos, zeitlos ist dieser Raum und somit alles. Es vergeht, es vergeht nicht. Keine Regeln. Alles ist gebunden an das „Nichts“ und an das vollkommene „Alles“, welche sich bedingen, in ihrer vollkommenen Größe und doch auch nicht, da es zwei unterschiedliche Wörter, Dinge, Sachen sind, welche unbeschreiblich, so nah, so klein, so groß, so nah, so klein so groß…
Man verliert sich und doch auch nicht. Es gibt Grenzen die zerfließen, welche die starr sind und welche die es gar nicht gibt. In unserem Fall, nun das weis man nicht so genau. Ist es nicht besser, wenn man es nicht weis, im Ungewissen bleibt, das „Nichts“ durchstöbert, auf der Suche nach dem „Etwas“? So gibt es doch Etwas in diesem Raum, ob es Realität oder Fiktion ist, sei dahingestellt. Doch es lässt sich darüber schreiben.
Ist es also Realität wenn es dem Intellekt entspringt? Ich denke schon. Somit wird hier ein reales Experiment beschrieben, dessen Resultat ebenfalls real, wenn auch nicht wissenschaftlich beweisbar, ist.
Nennt man nun das Experiment, „Gedankenexperiment, so spielt es sich im Intellekt, also in der Transzendenz, welche Ursprung in der Realität hat ab. Somit ist das transzendente Experiment dessen Resultat ungewiss, und dessen Beginn, ohne Grund eingeführt, ein reales Experiment geworden, dessen Ergebnis ein wissenschaftlicher Beweis, gar die Bedeutung eines Gesetzes, hinsichtlich des Ausmaße und der Wichtigkeit annehmen könnte, wobei es für beide Welten, der Unseren und der düster-dunklen, gelten würde.
Nun kann das Experiment weitergehen und wir kommen zurück zu unseren beiden Probanden und warten gespannt auf das Ergebnis.
Gleichzeitig, widerwillig, plötzlich, heben beide Probanden die Hand. Diese kommt nach kurzer Zeit zum Stillstand. Die unfreiwillig eingenommene Position scheint komisch und bizarr. Der Stille Beobachter folgt dieser eigentümlichen Bewegung bis hin zu den Fingerspitzen, die sich in einer derartigen Form spreizen, sodass ein klarer heller und zugleich dumpfer Ton erklingt. Zeitgleich zu diesem Ton ändert sich die Maske des Riesen in die jeweilig andere Gestalt und Form der anderen Welt.
Die beiden Probanden bleiben unbeeindruckt und verharren in der vorher eingenommenen Position und starren den Riesen unentwegt an. Zwischen den Riesen und dem Probanden scheint es eine Wechselwirkung zu geben, welche Geist und Psyche zu verändern scheint. Bei einem machen sich schauerhafte Gefühle breit. Er erleidet an Angst und panische Attacken. Der andere erfreut sich an Glücksgefühlen und einer positiven Stimmung, was für die beiden unbekannte Gefühle sind.
Doch das bemerkenswerte ist es, dass sich beide an die neuartigen Gefühle gewöhnen, sie mit jedweder Faser ihres Seins umspannen und vereinnahmen. 
Es scheint als ob der Riese unseren Probanden vervollkommnet hat, ihn eine andere Seite aufgezeigt, gar verbessert hat und das nur indem er seine Maske änderte.
Auch der Raum nimmt wieder Gestalt an und hört auf zu fließen. Alles scheint seine Form anzunehmen, alles scheint geregelt und perfekt. Die beiden Welten, sie vereinen sich. Es gibt auch nur noch einen Probanten, welcher beidseitig lebt, mit beiden Polen, beiden Gefühlen. Das Experiment, dessen Resultat ungewiss war, und dessen Beginn so plötzlich wie unerwartet war scheint geglückt. Das Chaos ist besiegt. Der Mann geht seinen gewohnten Gang.

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