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Senryu ✓ Gedichte, Erklärung und Aufbau

empfohlene Senryu
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Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

gemeinsam - einsam
Bund von Vaterländer, der

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Idee der Freiheit
segelt aufs offene Meer -
auch da…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Freiheit für alle
Stacheldrahstpur endet rot
genähtes…

Senryu
von Monika Castrovillari Seyer
Mitglied

In deinen Augen
spiegeln sich meine Ängste
wohin führt…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Am hellichten Tag
bespitzeln sie Freund und Feind!
Wie…

Senryu
von Monika Laakes
Mitglied

Geheimnis Weihnacht
überdauerst alle Zeit
als ein…

Senryu
von Monika Laakes
Mitglied

Schwein, du kluges Tier,
anders, als uns’re Mächt’gen,…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Two in One schmelzen
zu neuem Kern – Herzfusion.
Null…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Wer hoffnungsschwangernd,
mit Finger am Sonnenstrahl,

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Die aus dem Herzen
Geflüchteten sind es - ein
Volk…

Senryu
von Monika Castrovillari Seyer
Mitglied

Alternde Liebe
geht gemeinsam Hand in Hand
vertraute…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Ihr Kinder des Lichts
lebt Glückstrahl aus Mutterherz

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Das Schwert der Liebe
erwidert Ruf nach Frieden:
„…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Ruhende Hände
auf silbernem Haar, fühlen
wachsendes…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Die das Herz treffen
Stimme mit ein in ihr Lied
Finde…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Teleprompter streikt
Zielgruppenappel erzeugt

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Schönheit stirbt nicht nur
im Alter durch Traurigkeit,…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Witzwiederholer
lacht sich ins Fäustchen, Baby
im…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Suche nicht den Sinn,
am Boden, der blutgetränkt

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Wort der Religion
strahle wie Mutter zu Kind
im Tempel…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Mund lacht, Auge weint
die schönste Form des Scheiterns…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Hungertodgebiet
Unter dem Wüstensand liegt
die einst…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Rette sich wer kann!
Kopfüber stürzen Träume
in Fluss…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Am Ende der Zeit
die Brücke zum Paradies
ein…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Hunderte Flaschen
Ein-Mann-Empfangskomitee
sammelt…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

gut gemeinter Rat
eilt Nervenfasern entlang
es folgen…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Wie dunkle Seite
des Mondes - erdabgewandt,
lebt…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Bei Brot und Spiele
hält die Welt den Atem an
Angst…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Zorn blickt in Spiegel,
der Abgrund gleich nebenan,

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Jenseits von Eden
fallen Schatten und Bomben

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Los, komm schon, Flieger!
Verkünder des Untergangs,

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Beinflüsterer weckt
Beziehungstöterlüge
noch das eine…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Farbe bekennen!
Flaggen auf halbmast gesetzt,

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Bettler zieht hungrig
von Tür zu Tür, vertraut dir:
„…

Senryu
von Marcel Strömer
Mitglied

Los! Lösche das Licht!
Kippe Wasser in den Wein,

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Erklärung, Aufbau und Beispiele des traditionellen Senryu (Senryū)

Debon (1984, S. 411) nennt die Senryu „Siebzehnzeiler, die keine ‚haiku‘ sind“. Die Darstellungen über Entstehung und Entwicklung sind widersprüchlich. Ich folge den grundlegenden Ausführungen Blyths.
Formel dem Haiku gleich, dreizeilig mit 17 Silben in der bekannten Aufteilung 5 - 7 - 5, steht seine inhaltliche Prägung in der Tradition des Renga und zwar in der Mindless-Form, dem mushin-renga, ‚herzloses Kettengedicht‘, das den humorvollen, witzigen und an Wortspielen reichen Stil bevorzugte und sich im Volk großer Beliebtheit erfreute (Blyth 9. A. 1984, Vol. I, S. 42). Es wurde in der umgekehrten Silbenfolge 7 - 7 / 5 - 7 - 5 von zwei Autoren geschrieben. Dabei galt es, den dreizeiligen Vers in unerwarteter und überaschender Weise an den vierzehnsilbigen Vordervers anzuschließen. Diese Form des mushin-rengas hieß maekuzuke „Vordervers-Anschluß“ (Debon 1984, S. 410).

Als Beispiel für das maekuzuke ein Gedicht von Sōkan:

Kirtaku mo ari
kiritaku mo nashi

Nusubito wo
toraete mireba
waga ko nari

Erschlagen könnt ich ihn
aber dann doch wieder nicht.

Erwischt wurde der Dieb
und als ich näher hinsah,
war es mein eigener Sohn.

Debon (1984, S. 411)

Der zweite Traditionsstrang, der das Senryu prägte, ist das kyōka, das ‚komische Waka‘, ‚Trollgedicht‘, oder auch kyōku, das ‚Trollvers‘ oder ‚verrückter Vers‘ – ein satirisches Hokku (Blyth 1960, S. 13).

Sōkan wa
doko e to hito no
tōtareba
chito yōji ari
anoyo e to ie

Should Poeple ask
Where Sōkan has gone
Then answer,
"He has gone on some business
To the next world."

Blyth (1960, S. 13)

In den 300 Jahren nach Sōkan sind ständig humoristische Gedichte geschrieben worden, in den letzten 100 Jahren vornehmlich in der Hokku-Form; sie waren jedoch kaum bekannt und auch wenig geachtet. Das änderte sich erst durch Karai Hachiemon (1718-1790).

Karai Hachiemon war offiziell ernannter Sammler und genoss als solcher ein hohes Ansehen. Weniger seinem eigenen dichterischen Talent als vielmehr seiner ausgiebigen Tätigkeit als kritischer Beurteiler und Selektor verdankte er seine Popularität. Diesem Umstand und der Vorliebe Karai Hachiemons für das kyōku ist es zuzuschreiben, dass diese Gedichtart entdeckt wurde und Berühmtheit erlangte.

...
Hachiemon begann seine Sammeltätigkeit 1757; der erste Teil der Anthologie erschien 1765; bis zu seinem Tode 1790 umfasste sie 24 Bände. Der ausführliche Titel lautet: ‚Imosegawa Yanagidaru‘, vom ersten Wort das Ende und vom zweiten der Anfang ergeben die japanische Lesart für Senryu, gawa-yanagi, das übersetzt Flußweide heißt. Diese Wortkombination wählte Hachiemon zum Pseudonym. Erst nach seinem Tod wurde der name auf die gedichtform übertragen.

Sein Lebenswerk und der Umstand, dass das Haiku sich inzwischen zu einer hochgeistigen Gedichtform gewandelt hatte, machten das Senryu ungeheuer populär, denn es bot jedermann die Möglichkeit literarischer Betätigung, der außer der formalen Begrenztheit keine Einschränkungen auferlegt waren.

Das Senryu lebt von „Hyperbolen, Metaphern, Personifizierungen, Kalauern und Verballhornungen; es liebt die respektlose Verspottung, die Travestie und die Parodie“ (Debon 1984, S. 412), versprachlicht Ironie, Satire und Dummheit, menschliche Schwächen, alltägliches Einerlei und banale Nichtigkeit. Der Sprachstil ist umgangssprachlich geprägt, liberal, niemals moralisierend oder anklagend, dafür spöttisch, ja zuweilen zynisch und anzüglich (Blyth 1960, S. 7):

Nusumi yori
kuretaru hana wa
ori-nikushi

It is more difficult
To break off a branch he is given
Than to steal one.

Blyth (1960, S. 166)

Wenn man einen Blütenzweig stiehlt, so nimmt man soviel, wie man haben möchte, aber wenn man ihn geschenkt bekommt, fürchtet man, unbescheiden zu sein und zuviel abzubrechen.

Dorobō no
kaeri ni marui
tsuki wo home
Yasharō

On the way back
From stealing,
He praises the round moon.

Blyth (1960, S. 221)

Dieses ist ein Beispiel dafür, dass das Senryu sich jeder moralisierenden Äußerung enthält. Der satirische Unterton ist sehr zart. Der Dieb hat durch den erfolgreichen Diebstahl alle seine Materiellen Wünsche erfüllt. Nun, auf dem Heimweg, erwacht seine geistige Natur, und er betrachtet den Vollmond mit ruhigem und friedlichen Sinn.

[Auszüge aus "Das deutsche Kurzgedicht - in der Tradition japanischer Gedichtformen" ISBN 3 88996 144 4; Mit freundlicher Genehmigung von Margret Buerschaper]