Entscheidungen - Eine Novelle von Gabriel Saadi Becker

von Gabriel Becker
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Prolog: Superguy

Der Wind sauste Superguy durch das Haar, als er auf dem Dach eines fünfzigstöckigen Hochhauses kniete und gen Horizont blickte. Die Sonne war gerade am Aufgehen, sodass zuerst vereinzelt Sonnenstrahlen seine Stiefel trafen, dann nach oben wanderten und sein Knie, seine Brust und schließlich seine Augen trafen. Es war so hell, dass jeder normale Mensch seine Augen zusammengekniffen hätte, um weniger Licht hineinzulassen. Doch er dagegen weitete seine Augen. Es schien, als diente das Licht als Energiequelle, mit der er weiter sehen und schärfer auflösen konnte. Er schloss die Augen und lauschte den Geräuschen, die der Wind hertrug. Von weit her war ein Flugzeug wahrzunehmen, welches über ihm hinwegflog. In der Tiefe beschleunigten und bremsten hupende Autos. Neben ihm zwitscherte ein kleiner Spatz fröhlich und sorgenfrei. Ein Adler kreiste in weiter Ferne und machte sich mit schrillen Schreien bemerkbar. Pfeilschnell stürzte er hinab. Der Spatz – immer noch am Zwitschern – rührte sich nicht. Nur noch wenige Meter waren nun zwischen dem Greifvogel und dem Opfer. Er spreizte seine Krallen und machte sich bereit zum Zugreifen. Viel zu spät würde der Spatz die brenzlige Lage realisieren. Wie gelähmt würde er dort sitzen und seinem eigenen Tod in die Augen sehen. Es ist so, dass sich die Seele in den letzten Sekunden – kurz vor dem endgültigen Ende - fest an den Körper klammert und alle Sinne mitnimmt, die sie kriegen kann. Hätte die Seele doch nur mehr Zeit gehabt, sich zu entfalten ... Der Adler krisch laut und griff zu. Der Wind sauste Superguy erneut durch die Haare. Ein leichtes Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab und versprach Hoffnung. Er öffnete seine Hand. Ein nervös zitternder Federflaum wurde mit Sonnenlicht überschüttet. Langsam wurde das Zittern ruhiger. Der Flaumballen wölbte und senkte sich, es war der Spatz, welcher tief ein- und ausatmete. Er hob den Kopf und schaute wild umher. Seine Sinne waren alle hellwach und versorgten die Seele mit Lebensfutter. Er kletterte aus der Hand und hopste ein paar Schritte, ehe er davonflog.
Superguy hob seinen Blick zum Adler. Dieser kreiste erneut, auf der Suche nach Beute. "Und wieder hat das Spiel Täter gegen Opfer begonnen, erneut beschütze ich das Leben vor Gefahren", sagte er und stand auf. Es war eine leichte Entscheidung für ihn gewesen, den jungen Spatz vor dem Angriff des Adlers zu bewahren. Eines Tages würde der Adler erfolgreich sein, doch bis dahin konnte der Spatz leben und seine Seele mit Erfahrungen nähren. Superguy war rechtschaffend und von der Ansicht überzeugt, er stelle mit seinem durchweg guten Charakter das Ideal der guten Seite dar.
Sein roter Cape wedelte im Wind und hob sich deutlich von seinem blauen Anzug ab. Er neigte sich nach vorne und sah nach unten. Geordnet fuhren die Autos durch die Straße. Hier und da ein Hupen, ansonsten alles ruhig. Doch dann raste ein schwarzer Audi R8 gefährlich scharf zwischen den freien Lücken der Wagen hindurch. Auf dem Beifahrersitz saß eine junge Frau. Hastig ließ sie das Fenster herunter. "Hilfe!", schrie sie. "Eine Frau in Not!", erkannte Superguy sofort. Er benutzte seinen feinen Sehnerv und zoomte in das Auto hinein. Er erkannte die Situation: Sie hatten sich gestritten. Es war ein sehr komplexer Streit gewesen. Gefühle wie Zorn, Entgültigkeit, Angst; aber auch Hoffnung leiteten sein Handeln. Die Frau wollte aussteigen, doch der Fahrer hielt nicht an. Unabdinglich fuhr er, mit dem Fuß immer auf dem Gaspedal, und einer Pistole in seinem Schoß liegend.
Blitzschnell lief Superguy die Häuserschlucht hinunter und auf dem Asphalt weiter. Er war schneller als alle Autos und überquerte in Sekundenschnelle 5 Kreuzungen. Mit großer Anstrengung näherte er sich langsam dem Audi R8, welcher nun aber mit Höchstgeschwindigkeit fuhr, da sich die Straße geweitet hatte und nun genug Platz für Manöver mit hoher Schnelligkeit bot. Superguy konnte fast nicht mehr mithalten. Doch dann bemerkte er, dass parallel zu der Straße in den Seitenstraßen Polizeiwagen fuhren. Wenn er den Raser nur etwas drosseln könnte, wären die Polizisten in der Lage, sich mit ihren Vehikeln vor den Audi R8 zu setzen.
Superguy wusste, was zu tun war. Er bündelte seine ganze Energie in die Beine, um noch weitere 10 km/h rauszuholen. Er konnte den Wagen überholen und sich vor ihn begeben. Erschrocken bremste der Fahrer ab und verlor an Geschwindigkeit. Das Ende der Straße war in Sicht. Die Polizei hatte Zeit gewonnen und war gerade dabei, eine Wagensperre aufzubauen.
Superguy setzte sich nach rechts ab und sprang auf das Dach eines Eckgebäudes. Der R8 musste eine Vollbremsung machen, sodass er wenige Zentimeter vor den Polizeiwagen und den Polizisten, welche alle ihre Waffe auf den Fahrer richteten, mit quietschenden Reifen zum Stehen kam. Der Mann wurde von zwei Beamten aus dem Wagen gezogen. Dass er mit seiner in Griffweite liegenden Waffe nicht auf die Polizisten geschossen hatte, beweist, dass für ihn noch Hoffnung besteht, seine Degeneration zu heilen. Er wurde in Gewahrsam genommen und die Frau in Sicherheit gebracht.
"Und erneut sorgt Superguy für Recht und Ordnung", sagte er und lächelte zuversichtlich. Ein wahrer Superheld!

Kapitel 1

Ich war kein Superheld. Dafür war mein Standpunkt zu diffus. Aber ich hatte eine Gabe. Denn ich konnte in einem mit Menschen gefüllten Raum anwesend sein, ohne bemerkt zu werden. Ich war zwar immer physisch anwesend, also als Körper wahrnembar, jedoch konnte ich mich als Person so stark zurücknehmen, dass sie mich nicht mehr als anwesend wahrnahmen. Somit war es mir möglich, mich in des Teufels Küche zu begeben und gefährliche Informationen aus Gesprächen zu erfahren, bei denen es nicht vorgesehen war, dass irgendjemand außer dem engsten Kreis, den Eingeweihten, mithört. Ich war Detektiv und Autor. Meine Gabe benutzte ich als Inspiration zum Schreiben und Veröffentlichen von Fiktion, Romanen und Kurzgeschichten, die ich unter meinem Kürzel "RM" veröffentlichte. Enthüllungsstories von Geheimnissen, die unbedingt an die Öffentlichkeit kommen müssten, die die Gesellschaft, in der wir leben, gravierend aufrütteln würden, veröffentlichte ich selten. Denn für eine gute Story musst Du dreist sein, vom Scheitel bis zum Zeh. Du musst bereit sein, Fehler zu machen, um einen

Ich würde mich sehr über Kritik jedweder Art freuen, um mich zu verbessern. Haut es frei heraus:-)

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