Entscheidungen - Eine Novelle von Gabriel Saadi Becker - Page 7

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dann wird sie mir in der Hand umgedreht, bevor ich abdrücke."
Er petzte die Lippen zusammen, lockerte sie wieder und sagte: "Kein Ehrgefühl. Verstehst Du jetzt, warum ich nicht rechtlich gegen sie vorgehen kann?" Ja ich verstand es. Jetzt war es offensichtlich. "Welche Sicherheiten bietest Du mir?" Domenique griff erneut nach etwas in seiner Tasche, beugte sich nach vorne und legte einen Vertrag auf den Tisch. "Ich gewährleiste, dass alles, was Du veröffentlichst, auf keinen Fall zu Dir zurückverfolgt werden kann. Wir veröffentlichen über ein Internetportal, dass einem Freund gehört. Von dort aus verbreitet sich die Nachricht wie im Schneeballsystem durchs Netz und bewirkt, dass sich Investorenverbände wie Dawson & Janson ehrenhaft verhalten. Ich bezahle dich zur Hälfte im Voraus, die andere Hälfte kriegst Du, wenn Deine Arbeit fertig ist". Er deutete mit seinem Finger auf eine Zahl im Vertrag: "5000 Euro im Voraus, 5000 Euro nach getaner Arbeit." Das war mehr als das Fünffache von dem, was ich sonst verdiente. Als ich gerade fragen wollte, wer mir garantiert, dass Domenique sein Wort halten würde, legte er einen Bündel Zweihunderter auf den Tisch. "Du kannst sofort anfangen." 5000. Wäre ich Donald Duck, Dollarzeichen stünden mir in den Augen. In Saus und Braus leben, mal wieder Ausgehen, ein, zwei, drei, vier, zehn Drinks ausgeben. Alles war möglich. Und alte Rechnungen bezahlen. Inzwischen hatte sich einiges angesammelt in den letzten Monaten. Ich griff das Geld und nahm es an mich. "Gut, dann wäre das geklärt", sagte Domenique, und rief die Bedienung, um zu zahlen. "Du wirst von mir hören, sobald ich etwas über Frau Schmitz in Zusammenhang mit Dawson & Janson in Erfahrung bringen konnte." - "Ich weiß", sagte er mit einem aufgesetzten Lächeln. "Für die Ehre oder wie?" Ich nickte. Wir verabschiedeten uns und gingen verschiedene Wege. Ich glaubte, Domenique wusste gar nicht, wie ernst ich diesen Auftrag nahm.

Kapitel 3

Ich checkte die Adresse, ab in die U-Bahn und los ging's. Nächster Halt: Universität. Nächster Halt: Osterfeld. Nächster Halt: Vaihingen. Ausstieg in Fahrtrichtung links. Von weitem sah ich schon den großen, gläsernen Turm in Form eines Caros: Der Chelsea Turm, Industriestraße 80. Er war bestimmt 100 Meter hoch und aus Recherchen hatte ich herausgefunden, dass Dawson und Janson sich in den Stockwerken sieben bis dreizehn niedergelassen haben. Zählte man nach, waren jedoch vierzehn Stockwerke im Turm untergebracht. Auf einer Tafel in der Empfangshalle waren jedoch nur dreizehn aufgelistet.
Ich setzte mich auf eine Bank im Wartebereich und wartete. Auf irgendetwas. Die Empfangsdame musterte jede einzelne Person, welche aus dem Aufzug austieg oder in selbigen einsteigen wollte. Personen ohne Ausweiskärtchen oder Anmeldung hatten keine Chance, in den Aufzug zu gelangen. Denn dieser wurde erst von der Dame am Empfang freigeschaltet. Nach und nach kamen unterschiedlichste Menschen und zeigten ihren Ausweis am Empfang. Ein älterer Herr, der kaum noch seinen Anzug ausfüllte. Ein Mann in den mittleren Jahren mit einer Halbglatze, ein Mann in den mittleren Jahren mit weißem, vollem Haar, ein Mann in den mittleren Jahren und so weiter. Dann hielt ein Bus vor dem Gebäude. Die Fahrgäste stiegen nacheinander aus und liefen in die Eingangshalle zur Empfangsdame. Brav erfüllte diese ihren Job und checkte jede ankommende Person. Plötzlich stand ein Pulk von Menschen vor ihr und alle wollten den Aufzug benutzen, ich konnte die Empfangsdame nicht mehr sehen. Ich stand auf und mischte mich in die Mitte des Pulks. Dabei achtete ich darauf, stets hinter einem der etwas größeren und massigeren Männer zu stehen. Keiner der Anzugträger beobachtete mich. Schon viel zu oft hatten sie sich dieser Routine unterzogen. Auch die Empfangsdame war unaufmerksam geworden, da es wohl noch nie den Versuch gab, ohne Ausweis an ihr vorbeizukommen. Somit war ich die erste Person überhaupt, die dieses scheinbar rechtschaffene Unternehmen vor Ort infiltrierte. In Gruppen von maximal 8, manchmal auch 9 Personen, wenn ein paar dünnere dabei waren, transportierte der Aufzug die Mitarbeiter nach oben. In der nächsten Gruppe war ich. Ich passte mich der Gruppe in Mimik und Gestik an, sodass ich fortan einen gespielt freundlichen Gesichtsausdruck mimte und meine Hände zusammenfaltete. Nach und nach verließen vereinzelt Mitarbeiter den Aufzug. Dabei wurde stets nett genickt. Als insgesamt nur noch 3 Personen im Aufzug waren und wir uns bereits den sechsten Stock erreicht hatten, entschied ich mich, die siebte Etage zu betreten. Die Türen öffneten sich und wir alle drei stiegen aus. Ein vorteilhafter Zufall, so würde mich keiner der Mitarbeiter später auf einem höheren Stockwerk wiedererkennen. Vor mir war ein großer Büroraum mit vielen Tischen und Telefonen und Computern darauf. Wild durcheinander drangen die Stimmen der Telefonisten und sonstiger Mitarbeiter zu mir, sodass ich kein einziges Wort verstehen konnte. Alle waren beschäftigt und grinsten ins Telefon, artikulierten miteinander und kommandierten mit erhobenen Armen untereinander. Mit viel Konzentration gelang es mir, ein einzelnes Gespräch wahrzunehmen:"Hallo hier ist Markus Rot von der Dawson & Janson Investorengruppe. Sie haben uns am 05.03. elektronisch per E-Mail kontaktiert und um ein Darlehen gebeten. Gerne möchte ich mich mit Ihnen über ihre Kreditwürdigkeit und Ihre Sicherheiten unterhalten. Haben sie einen Moment Zeit für mich?" So und ähnlich liefen hier viele Gespräche ab. Ich begann, durch den Mittelgang zu laufen, links und rechts von mir die Tische mit den Telefonisten. "Die Dawson & Janson Gruppe unterstützt Sie gerne bei Ihrem Projekt" – "Wir können Ihnen natürlich weiterhelfen. Wenn Sie möchten, richte ich einen Termin für nächste Woche ein, damit wir alles wichtige besprechen können. Schon nächste Woche werden Sie Zugriff auf ein recht üppiges Darlehen haben." - "Das ist richtig, je nach Profit variiert auch der Anteil, den Sie an uns zahlen müssen. In der Regel beläuft sich dieser auf vierzig bis fünfzig Prozent."

Das alles waren stinknormale Kundengespräche. Ich lief durch die Gänge, beobachtete aber nichts außergewöhnliches, eine Gruppe beim Pausemachen sprach über kleinere Fauxpas, aber über nichts, was Dawson & Janson belasten würde. Ich ging einen Stock höher. Wieder ein großer Büroraum, aber diesmal waren die Scheiben abgedunkelt. Von den etwa hundert Deckenlampen waren vielleicht dreißig in Betrieb. Männer in schwarzen Anzügen saßen an schwarzen Tischen.

Ich würde mich sehr über Kritik jedweder Art freuen, um mich zu verbessern. Haut es frei heraus:-)

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