Entscheidungen - Eine Novelle von Gabriel Saadi Becker - Page 12

Bild von GabrielSaadiBecker
Mitglied

Seiten

vögelt sie nun, bis er keinen Bock mehr auf sie hat. Armes Ding. Robin müsste auch hier irgendwo sein... Ah da ist er!" Bianca hatte ihn etwas weiter links entdeckt. Er flirtete gerade mit einer jungen Blondine. Wir waren am Eingang angelangt. "Hallo Bianca, schön Dich zu sehen!" - "Wow, Butch, lang ist's her. Butch war der Türsteher, ein großer Farbiger, der momentan einen herzerwärmenden Eindruck machte. "Wo ist Domenique? Du weißt Süße, wenn Du ihn endlich verlassen hast, bin ich für Dich da." - "Oh Du großer, süßer Teddybär. Du weißt allerdings genau, dass Du Blödsinn redest. Ich bin glücklich mit Domenique zusammen." Während sie das sagte, blickte sie mich fast fragend an, als ob sie selbst nicht wüsste, ob das die Wahrheit war. "Deine Augen sagen was anderes." Er gab uns zwei Nummern. "Die fünfundvierzig und die sechsundvierzig sind mittig rechts vor der Bühne, viel Spaß wünsche ich euch."

Wir und alle anderen gingen durch einen wunderschön beleuchteten Torbogengang. Die Decke war dunkelblau, einzelne, projizierte Sterne waren zu sehen. Je tiefer man den Blick senkte, desto heller wurde es, bis man von dem warmen, auf den Pflastersteinen reflektierenden Licht geblendet wurde. Biancas und meine Hand berührten sich ab und zu. Wir sahen uns tief in die Augen. Tiefe Sehnsucht nach guten Zeiten las ich ihr ab. Sie war lebensmüde geworden und hoffte auf einen Mann, der gut zu ihr war. Sie wusste genau, dass sie für mich ein offenes Buch war und das gefiel ihr so an mir. Wir hatten bis jetzt noch nicht viele Worte gewechselt, und doch war ich ihr vertraut.
Der Torbogen endete, wir schritten in eine riesige Halle ein und mussten uns ersteinmal orientieren. Es gab eine geräumige Bühne mit einem DJ-Pult in der Mitte, welches mit Seilen an der Decke befestigt war. Längs zu der Bühne waren lange Tische mit Stühlen mit hohen Sitzlehnen aufgebaut, die für Könige und Königinnen gebaut waren. Vereinzelt saßen schon Menschen, die meisten jedoch standen noch in Gruppen oder gingen an die Bar, welche seitlich rechts durch einen tiefen Gang zu erreichen war. Wir wollten uns gerade an unsere Plätze setzen, als hinter uns jemand lauthals begrüßt wurde: "Marten! Mensch schön Dich zu sehen." - "Fabienne, lass Dich umarmen. Das habt ihr hier toll organisiert!" - "Schau mal Raphael, da ist Marteria." Ich drehte mich suchend um, ich hatte keine Ahnung wie er aussah. "Da, Du Doofkopf", sagte sie mit einem Schmunzeln und drückte meinen Kopf frech in die richtige Richtung. "Ah, jetzt seh' ich ihn auch. Sorry, ich bin gerade etwas verstrahlt." Bianca lachte, und ich wusste nicht mal warum. Später erklärte sie mir, dass ich unwissentlich einen seiner Songs zitiert hatte. Mensch Raphael, know your facts! Marteria unterhielt sich mit einer Blondine, eine wahnsinnig hübsche, junge Frau, eine glatte Zehn. Wie ein Engel. Moment mal! Diese Frau kannte ich. Es war die Blondine aus dem Zugabteil auf meiner Reise nach Stuttgart. Damals hatte sie sich in grotesker Sprache mit jemandem über ein Event unterhalten, auf dem Marteria und auch Robin Schulz sein würden. Ich war geplättelt. Demnach musste dies hier das Event sein, von dem sie gesprochen hatte. Ich wollte mehr wissen, wartete aber noch ab. Auf den Tischen waren einmal die Platznummern und unter ihnen auch nochmal die Namen. Rechts Bianca Romanova. Ein wunderschöner Name. Vor mir Raphael Müller. Deutsch. Solide. Links davon Fabienne Stark. Na der Name passte. Und dann Marten Laciny alias Marteria. Exklusivität Einhundert Prozent.

Ein deutlich wahrzunehmender Herzschlag ertönte. BADUMM. BADUMM. BA. DUMM. Die Menschen setzten sich, es wurde still. Andächtig beobachteten wir Robin Schulz, welcher aus der Dunkelheit der Bühne nach vorne an den Rand, vor das DJ-Pult trat. Er hielt einen Redenzettel in der Hand. Er winkte rüber zu Bianca, sie lächelte. Der Herzschlag verstummte, der Spot auf Robin war die einzige Lichtquelle.
"Ich möchte euch eine Frage stellen. Eine Frage von elementarer Bedeutung. Wann fühlt ihr am meisten, dass ihr lebt? Ist es etwa, wenn ihr euch am heißen Essen die Zunge verbrennt oder wenn euch der Meerrettich in die Nase steigt? Ist es, wenn ihr zu lange in die Sonne schaut und für Minuten nicht richtig sehen könnt? Oder wenn euch nach harter körperlicher Arbeit die Schwielen auf den Händen schmerzen? Wenn ein Düsenjet eure Ohren quält? Schmecken, riechen, sehen, fühlen und hören. Sind diese fünf Sinne in einem Moment vereint, fühlt ihr euch am lebendigsten. Mein oberstes Gebot ist es, diese Sinne zufriedenzustellen, den Hedonisten unter uns einen grandiosen Abend zu ermöglichen. Verbrennt euch nicht am heißen Essen und gebt acht vor dem Merrettich". Die Menge lachte und musterte vereinzelt das Essen. "Eure Sinne werden nun mit dem besten Variete´ der Stadt reizüberflutet. Eine wunderbare Gruppe, die darauf spezialisiert ist, auf moderne Musik zu performen. Dank geht an unseren noblen Geldgeber Domenique Betz raus, der diesen Abend in dieser Art erst ermöglicht, leider aber nicht anwesend ist." Die Menge klatschte rhythmisch, Robin Schulz setzte sich hinter sein Pult und wurde mit ihm nach oben gezogen. "Weshalb hat er Dir zugelächelt?", fragte ich Bianca. "Weil ich für ihn die Rede geschrieben habe. Das ist mein Job." Sie zwinkerte mir zu und bedeutete mir, nach vorne zu schauen, denn es ging jetzt los.

Robins Bässe drangen passend zum Klatschen in den Raum vor. Sie waren sehr dicht und massiv, sodass sich unsere Herzschläge verlangsamten. Er schwebte nun weit über uns, nur sehr sanft war er mit Licht bedeckt. Unten auf der Bühne tat sich etwas. Männer in komplett schwarzen Anzügen und schwarzen Hüten schritten rhythmisch auf die Bühne. Sie stellten sich in Reihe auf. Die Musik baute sich auf: Der Bass wurde intensiver, schneller, heller und ein Ton wie eine Turbine wurde immer höher. Es schien, dass sich irgendeine Art von Energie aufbaute, denn die Männer hatten plötzlich eine weiße Aura. Bianca deutete auf kleine Kameras vorne an der Bühne, die die Bewegungen einfingen, welche dann in Form von Auren auf einer Leinwand hinter den Männern wiedergegeben wurde. Aber damit hatte ich nicht gerechnet: Robin spielte einen Remix von UNKLES "Burn

Ich würde mich sehr über Kritik jedweder Art freuen, um mich zu verbessern. Haut es frei heraus:-)

Seiten

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.