Wintergedichte ✓ Gedichte über den Winter

Bild von Tannen im Winter

Der Winter mit all seiner Schönheit, aber bisweilen auch mit seinem Schrecken, eingefangen in klassischen und modernen Gedichten.

"Wintergedichte" spielten schon in der klassischen Literatur eine durchaus wichtige Rolle. Es gibt kaum einen der bekannten klassischen Dichter, der nicht das Thema Winter in mindestens einem seiner Gedichte aufgegriffen, und auf die unterschiedlichste Art und Weise interpretiert hat.

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Beitrag 71 - 105 von insgesamt 234 Texten in dieser Kategorie
von Salia "Musa" Jansen

Der Sommer schläft und schnarcht ganz leis
In einer Höhle wie ein Bär
Dort oben in der Atmosphär,
Zurückgezogen aus dem Weiß.

Lässt Nebel walten, trüb und grau,
Und Wolken wandern, stumm und sanft,
Durch kahle…

von * noé *

Leise hört man Vogelwispern
aus verschneiten Zweigen,
ganz verhalten, eher schüchtern,
sie wollen sich nicht zeigen.

Ein Glitzerhauch ziert Wintermorgen
in seinem schönsten Kleid.
Unter der Schneeschicht…

von Marina Berin

Die Sonne macht sich wieder rar,

Schneeblond sind die Kleinstadtdächer.

Der Radiosender berichtet: Die Januar-

Luft ist zu kalt für die Atemwege.

Und auch meinen Hautzellen schmeckt 

Der Winter nicht.

von Michael Dahm

Die Hagebutte ist des Feldrands Zier
in einer knöchern Winterwelt,
sie stillt des Auges Farbengier,
wenn kein Licht das Land erhellt.

Es zeigt kein grünes Blatt im März,
dass ein Baum zu leben scheint,
und ich…

von J.W. Waldeck

Orkanböen geborstener Berge
vergessen Geisterseelen
am Alpenrand ohne Verstand
die hauchdünne Adern schneiden
scharfer Meeresscherbe

das blasse Blitz-Eis
schneeweht Flockensärge
zu einsamen Sturmwitwen…

von * noé *

Ganz flach scheint dieses Morgenlicht,
als müsst sich's überwinden,
als könnt es vor Verwirrung nicht
den richt'gen Zugang finden.

Wärme hat es nicht mitgebracht,
die hat es wohl vergessen,
auf seiner Reise…

von Jürgen Wagner

Heut‘ schüttelt sie die Betten aus
Frau Holle dort im Himmelshaus
Die alte Mutter mag man ehren
Sie wird uns immer was bescheren

Die Welt ist heute weiß und kalt
Und zauberhaft sind Flur und Wald
Wenn wir…

von Annelie Kelch

Eingeigelt
unterm Komposthaufen -
Winterschnarch

von J.W. Waldeck

der Kristallwald
existiert!

wo keine Menschen sterben
wo kein Atemzug Leid verheißt
wo kein Gott Prüfungen erteilt
und Reinheit nur
sich offenbart
als einzige Natur

die gläsernen Stämme

von Perdita Klimeck

der tag fällt leise
in den schnee
und kahle äste
träumen liebe

trauerschön
und doch
so wunderleicht
steigt ein vogel auf

und nimmt sie mit
die sehnsucht -
rotwund in
klares weiß…

von Sigrid Hartmann

B linkende Lichter: Streufahrzeuge
L egen einen Teppich aus Salz
I nseln, knisternd
T aut das Eis
Z eit zieht sich endlos
E isige Straßen
I rritieren
S chaffen Chaos

von Annelie Kelch

Die Zeit steht still, das weite Land liegt brach,
ein fremder Gott stoppt momentan die Uhren.
Ein altes Ehepaar traut sich nicht aus dem Schlafgemach:
Eisige Kälte herrscht in Zimmern und auf Fluren.

Die Vögel wollen…

von Michael Dahm

Die Amseln schauen wie Geister stumm
aus der Hecke kahlem Bart
und der Horizont der trist und stumm
scheint in Ewigkeit erstarrt.

Eis ´ge Tränen treibt der Wind
aus den Bäumen und auch mir
die zusammen…

von Walter W Hölbling

der zauber
des vollmondlichts
in einer frostigen dezembernacht
ist fast unwiderstehlich

er lockt dich
sein fahler glanz
wirft tiefe schatten
voll ungeahnter möglichkeiten
sie wachsen
wollen…

von Annelie Kelch

Im Winterfrost vergeht den Flüssen die Lust am Fließen.
Das Wasser kräuselt sich nicht mehr und friert zu Eis.
An den Ufern sieht man statt Gräsern Hundekot sprießen,
der in Tütchen geschaufelt gehört, wie ein jeder wohl weiß.…

von Annelie Kelch

W ill endlich die Zweige der Bäume sich biegen sehen unterm Firn
I hr seid stark genug und bereit für das weiße Winterkleid
N ur Reineke Fuchs ist dann noch unterwegs
T ritt doch in seine Fährte: ein einziges Slalomrätsel ...…

von Annelie Kelch

Das erste Schneegeriesel
weckt krause Träume:
Schlittenland, sagt er.

Zwei bis drei Stunden noch, sagt er,
und alles ist weiß, gleich und rein.
Sternenlose Nächte reifen heller,
fallen in Zwielicht-Gestalt…

von Annelie Kelch

Januar -
eine Entenschar trippelt
über das brüchige Eis ...

von J.W. Waldeck

die Schmetterlinge im Bauch
werden nie die Luft schwängern

das Herz in der Brust
wird niemanden erschlagen

die Glocke tönt
doch ihr Ruf verhallt
ohne Klagen...

ein Kohlenherz
färbt den vereisten…

von Jürgen Wagner

Die Seuche war ins Haus gekommen
sie hatte Kind und Kuh genommen
auch noch die Katze weggerafft
Den Bauer hatte das geschafft

Nun saß er arm und still am Feuer
Die Zwölften kamen ungeheuer
der Wind, der fegte…

von Michael Dahm

Die Sterne stehen in trauter Ruhe
wie artige Kinder an Mondes Fuße
und Nacht lässt aus dunkler Truhe
weihräuchrigen Nebel zur kalten Buße.

Es beugt der Wind die traurigen Wipfel
des Waldes in andächtigem Rausch…

von Heinz H.-K.

Raureif wächst vom Ast
Zum Baum

Des Weges Grenze
Siehst du kaum

Der See erstarrt
Das Hüttendach ist weiß

Die Kinder ganz
Vernarrt in Schnee und Eis

Von Dächern, Zinnen
Wächst herunter…

von Annelie Kelch

Schnee
entflammt seine
kalte Mähne: verzaubert
Land, Chaos, die satten
Seelen.

von Hans-Jürgen Finke

Wenn schwere Nebel auf den Feldern liegen,
Das goldne Laub wird totes Blättermeer,
Wenn Saft und Kraft im Buchenstamm versiegen,
Wenn unter meinem Schritt die Erde schwer
Und zäh die Sohlen halten will,
Dann…

von Annelie Kelch

Dein erster Schnee fiel über Nacht Ende Dezember,
bedeckte Straßen und Felder, Tage und Stunden,
die alten, die neuen Seelenwunden.
Ein Winzling warst du an meiner Hand,
kaum ein Jahr – alt genug, das Flockenland zu…

von Sabrina Jung

Wunderkerze, Wunderkerze,
wo ist das Wunder Du Scherze,
sehe auch keine Kerze im Scherze,
bleibst halt einfach ne Wunderkerze,
ohne Wunder und ohne Kerze im Scherze,
so beginnt das Neue Jahr mit ner Wunderkerze.

von Oliver Schrot

Mia sitzn beim Ofn

weu, da Winta schneibt koid

gspier nua dei Haund

wia fest si mi hoit

rundherum dunkö

dazwischen de Stern

leise atmest im Schlof

i hob di so gern.

von Corinna Herntier

Ein leises Stapfen! Hört ihr’s Kinder?
Wer schleicht denn da um unser Haus?
Sagt, ist das schon der Nikolaus?
Kommt her, wir schauen zum Fenster raus!
Nanu! Der trägt ja ‘nen Zylinder!

Nein, nein, das kann er gar…

von Annelie Kelch

Eisig dämmert der Morgen.
Unter deinen Füßen wimmert
die gestrandete Weißglut des
Himmels ‑ fleckfrostig und fahl,
wie die Plastikrose aus
seiner lieblosen Hand.

Sei getrost: Du kommst
trotz allem voran…

von Jürgen Wagner

Ohne Federn kommt's geflogen,
setzt sich auf den kahlen Ast
Ohne Füße, ungelogen,
kommt die Frau, die nach ihm fasst
ohne Hände, feuerlos brät,
mundlos gleichwohl nichts verschmäht,
frisst ihn langsam,…

von Annelie Kelch

Die Weide wäscht ihr langes dünnes Haar im Fluss.
Sie friert dabei so arg, dass der kleine Wind kommen muss.
Unter seinen eisigen Schwingen schaudert die Weide noch mehr.
Ach, Haare zu trocknen im Winter, Jungfer Weide, ist…

von Michael Dahm

Ist Frühling schon draußen
und treibt er die Blätter?
Sind die Schwalben schon da
und trocknen die Bretter?
Ist nichts von dem wahr,
dann lasst mich noch schlafen,
ich lass mich von Gott,
nicht vom…

von Ingrid Herta Drewing

Im Radio wird die Winterzeit besungen;
romantisch, leise schwebt herab der Schnee.
Es singt ein Jungenchor aus vollen Lungen
andächtig, wie so still ruh‘ starr der See.

Du schaust hinaus und siehst, nur Regen nieselt.…

von Corinna Herntier

Umgeschult

Weihnachtswichtel – das sind Luschen …!
Latschen lahm in ihren Puschen,
meistens noch auf etwas kauend
und müde aus den Augen schauend.

Große Hilfe?! War einmal!
Geschenke basteln? Welche Qual!…

von Annelie Kelch

Sechs in der Früh: Ich wecke meinen Tag,
lasse ihn durchs Fenster schauen.
Unzählig viele Tage gibt es auf der Welt.

Deiner beginnt schon um Vier,
heut' liegt eine neue Woche vor dir -
wie eine Straße, die man…

Seiten

Auch moderne Wintergedichte benutzen dieses literarische Motiv um den Winter mit all seiner Schönheit, aber bisweilen auch mit seinem Schrecken, einzufangen. In einem Gedicht zum Thema Winter kann sich die Atmosphäre absoluter Kälte entladen- es kann aber auch Geborgenheit und Wärme einfangen. Gerade diese Gegensätzlichkeit macht den Winter als Thema so interessant und bietet Raum für den Ausdruck von Emotionen und Gefühlen.