Das Feuer

von Christine Jakob
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Das Feuer ...

Mein hund und ich waren allein daheim
als irgendwo beim grillen jemand nicht aufpasste und ein buschfeuer
zog deswegen erbarmungslos durch über 8000 hektar von wäldern
unser grundstück ansonsten im grün strotzend
war von dem stinkenden dichten rauch geradezu umzingelt
und als die hubschrauber unermüdlich mit den wasserbomben
hin und her donnerten erschien das gebiet eher wie ein kriegsschauplatz
doch zugleich freute ich mich jedesmal erleichtert
wenn wieder einer über mir lärmte

später als man mir sagte
ich sollte für alle fälle die notwendigsten sachen packen
da wurde mir so richtig gehend schlecht
und bis heute ist es mir ein rätsel wie ich an so vieles
denken konnte um mein auto damit vollzupacken
als erstes mußte ich für meinen treuen freund unserem vierbeiner
der eigentlich mehr die größe eines kälbchens hat den raum einrichten
und mein bescheidener flitzer ist sehr beschränkt was den platz anbelangt
immer wieder fand ich dinge die für mein herz wichtig erschienen
dennoch ich verlor nie den mut schließlich war dieses brodelnde inferno
etwas weiter entfernt und mein schmerz er gehörte nun den tieren
die diesen mächtigen flammen nicht entfliehen konnten

so vergingen
fast zwei wochen wo ich startbereit in unruhe verbrachte
aber dann stand wieder einer dieser tapferen männer
der feuerwehr vor mir und meinte
heute nacht mußt du mit größter sicherheit weg
wie es aussieht wird der wind nicht abdrehen
und wir können nun nichts mehr dagegen machen
er bemerkte wohl mein ängstliches gesicht
und legte tröstend seinen arm um mich
ich empfand es sehr beruhigend jemanden zu sehen
und er vermittelte mir in diesem augenblick etwas kraft

so hielt ich mich
mutig wach denn durfte ja nicht einschlafen
aber alles mögliche streifte durch meine gedanken
unser ganzes leben hier ich begann es noch mehr zu lieben als zuvor
jeden strauch den ich pflanzte das vogelbad und sogar das haus
wo ich oftmals herumnörgel weil wir ewig daran basteln
doch jetzt spürte ich die hitze und sah die flammen hörte das laute krachen
von explodierendem gehölz und ganz plötzlich fing bitterlich zu weinen an
während ich mich ins gras fallen ließ inmitten diesen bildern der verwüstung

dieses schreckliche gefühl
dass eventuell morgen schon nichts mehr übrig ist
von unserem werk welches wir mit eigenen händen in den jahren
aufbauten es war mir noch fremd und ich verstand nicht wirklich
wie ich damit umgehen sollte doch zugleich wurde es mir bewußt
in welcher winzigkeit wir menschen total unwichtig werden
es schien alles über mir einzubrechen

nach einer weile aber
komischer weise fasste ich mich irgendwie
und fand eine eigenartige stärke in mir von der ich zuvor
keine ahnung hatte sagte still gar zu mir selbst
du hast kein recht dich zu bemitleiden wo so viele lebewesen
täglich grausamkeiten erleben nun bist du es eben mal
und eine befremdende zugleich seltsame ruhe entwickelte sich
weil ich mich ergab im annehmen wobei ich gestehe
das mir beten selten so leicht aus der tiefe meiner seele gelang
wie in dieser situation

ich verbrachte die ganze nacht
mit dem dramatischen schauspiel der vernichtung
unaufhaltsam um mich wütend
doch irgendwann wurde es tag und wie ein wunder hatte sich
der wind gedreht und ich mitsamt den wildtieren die mich hier
täglich besuchen wir durften leicht aufatmen
dann endlich nach vier wochen die ersehnte entwarnung zumindest für uns
aber wieviele von tieren und pflanzen mußten sterben
nur weil EINER nicht aufpasste und sein leichtsinn
schaufelte ein schreckliches massengrab ...

mein großer respekt gilt den frauen und männern
die jedes jahr ihr leben im kampf gegen das feuer einsetzen ...

Wahre Begebenheit

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Kommentare

28. Aug 2015

... mein großer Respekt , Dir !

Vielen Dank für's erzählen ...
und ich hoffe auf mehr Achtsamkeit (nicht nur in dieser Ecke der Welt) .

Liebe Grüße
Eva

28. Aug 2015

Liebe Christine!

Brandstiftung und Zündelei
Setzten schon oft das Böse frei...
Dreist Dummheit hat viel angerichtet -
Doch Du hast hier sehr klug berichtet!

LG Axel

28. Aug 2015

Liebe Christine, ich habe Tränen in den Augen, so sehr hat mich dein Bericht ergriffen. Und es sind auch Tränen der Erleichterung, dass dieser Kelch dieses Mal an dir/euch vorbeigegangen ist. Ich habe ja eine Zeit auf Sardinien gelebt und auch da ist das in jedem Jahr wieder ein großes Thema. Wenn die Macchia brennt, sind es da auch nicht "nur" Pflanzen, die gefährdet sind. Ich habe - in etwa nur - eine Ahnung davon, was in den Betroffenen vorgehen muss.

29. Aug 2015

Ganz lieben Dank euch allen ... liebe Regina, liebe Eva lieber Axel und liebe Noe! ps. ja liebe Noe, leider brennen bei uns hier auch viele Häuser ab und oftmals gibt es für die Menschen kein eintfliehen und zu viele Feuer sind gar absichtlich gelegt! Wir hatten hier alle Glück denn der Wind drehte sich dann mehr zur Richtung des Waldes.Mir ist es allerdings immer wieder ein Rätsel wie die Leute es herausfinden wo so ein Riesenfeuer angfing und vor allem wie!
Es war sehr beängstigend zumal ich allein die Stellung halten mußte, die Nachbarn sind ca. 2 km entfernt! Aber umso mehr war der Ausgang erfreulich! Liebe Grüße euch allen über die Welt!