Übers Kino: Filme aus dem Jahr 2015 - Page 2

Bild von Klaus Mattes
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konzipiert, deutsch „Gaunerkomödie“ oder auch „Rififi“ genannt. Hierbei baldowert, unter der Leitung eines charismatischen Anführers, eine Ganoventruppe einen sehr verwickelten Coup aus, das gelingt dann auch, alle Sicherheitsmaßnahmen werden geknackt und die Autoritäten sehen deswegen dumm aus. Filme wie „Topkapi“, „Ocean’s Eleven“, „Der Clou“, „Der rosarote Panther“ oder auch „Thomas Crown ist nicht zu fassen“. Vieles im Jahr 2015 wirkte wie gut abgeschaut, nirgends hätte man sogleich gerufen: „Das ist ganz auf der Höhe seiner Zeit!“ (Nämlich welcher? Sie hat immer noch keine Vorstellung über sich selbst.) Ob nun der Erdbebenfilm, „James Bond“, „Star Wars“, „Mad Max“, „Terminator“, „U.N.C.L.E.“, ob der Russenkrimi, das ethische Dilemma aus den Reagan-Jahren, das gepflegte Lesbenmelodram, ob Zombies, ob ein im Wald verirrtes Klein-Dino, die verzweifelt lustige Berliner Kieznacht ... Bei „The Walk“ dürften Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“ und seither wenig Geglücktes) der Tatsachencharakter und dieser Profikult, wie er sich auch in „The Program“ oder „Steve Jobs“ offenbarte (egal, wie krank Typ oder Plan sein mögen, tolle Leistung ist es immer) angesprochen haben. 1974, noch vor der Eröffnung, war auf einem Stahlseil zwischen den zwei Türmen des World Trade Centers ein Franzose hin und her gegangen. Seine Akrobatennummer in den frühen Morgenstunden und das einhergehende Aufsehen sind die „Beute“ des Coups von „The Walk“. Genregemäß gilt es eine lang und zäh ausgebreitete Phase des Planens, Trainierens, Täuschens und Anschleichens zuvor durchzuhalten. Dem autobiografischen Buch des Franzosen Philippe Petit (passender könnte diese Figur kaum heißen) verpflichtet, unterdrückt Regisseur Zemeckis die von der Filmfirma sicher vorgeschlagene Storyänderung zu einer Love Story des „Chefs“. Und das, obwohl mit Charlotte Le Bon die freundliche Schöne so nah wäre! Aus begreifbarer Hysterie, so schnell nicht wieder der gewohnte Niemand werden zu wollen, fordert Philippe Petit Fortuna gegen Ende hin ein ums andere Mal heraus, turnt die 400 Meter in 417 Meter Höhe mehrfach vor und zurück, wobei ihn, den Nebencharakter des Filmwerks als Slapstick, auf den Dächern der Türme zappelige „Keystone-Cops“ vom NYPD erwarten. Somit wird dann, was die längste Zeit einfach nicht so komisch war, wie es mal hatte werden sollen, zumindest noch ganz schön spannend.

The Program
Der englische Filmer Stephen Frears war mit „Gefährliche Liebschaften“, „High Fidelity“ oder „The Queen“ schon weit oben. Aber mehrfach auch reichlich täppisch unterwegs, bei „Philomena“ im Jahr davor zum Beispiel. 2015 gestaltete er mit „The Program“, seinem Lance-Armstrong-Film, einen überraschend dichten, zupackenden Sportfilm, bei dem man auch als Tour-de-France-Totalignorant das Gefühl kriegte, den Geist des Fahrradextremsports zwischen Belgien und den Alpen wehen zu sehen. Leider fiel an den Kassen der Film eher durch. „The Program“ ist nah dran an der Schinderei, am Regen und Matsch in Flandern, nie gesehenen Städtchen und Landschaften in Belgien, Frankreich und Italien, bei den Einheizern vorn, die am Berg vorweg fahren, bei dem chaotischen Medientross. Dinge, die einen noch nie interessiert haben, machen mit einem Mal Spaß. Der Film lehnt sich an das Tatsachenbuch eines irisch-englischen Sportjournalisten an, den Chris O’Dowd zuerst unauffällig, dann immer hartnäckiger verkörpert. Eines Tages sieht der Amerikaner Lance Armstrong ein, auf Grund der Sauerstoffwerte, die sein Blut bei enormer Körperbelastung aufnehmen kann, wird er nie bei den Siegern sein. Wenn aber einer einen Nachteil, für den er gar nichts kann, ausbremst, muss das im Grunde doch legal sein. Lance wird zum Mann, der niemals verliert, zum größten Epo-Junkie der Welt. Wieder und wieder sehen wir ihn und das Team Tests fälschen, bis hin zu Transfusionen von extern aufbewahrtem eigenen Blut knapp vor der Blutentnahme für die Tests. Der mahnende Zeigefinger des Films zeigt aufs kriminogene Geflecht aus Veranstaltern, Leistungssportlern, Managern, Reportern, Talkmastern. Hauptsache das Volk kriegt Helden. (Wenn dann noch der FIFA-Thriller kommt!) Armstrongs Abstieg beginnt, als er sich wie ein launischer Gott aufführt, den Leuten im eigenen Stall ihren Anteil von der Beute nicht mehr gönnt. Das Filmende ist aber daneben: Angesichts der Krebsdiagnose spielt Lance Armstrong mit dem Gedanken an Suizid, aber nein, geht ja nicht, er ist doch Lance, der nie verliert, also auch nicht gegen den Tod. Das der Augenblick, ab dem er den Aufklärern bei der Aufdeckung seines eigenen Betrugs hilft. (Wer’s glaubt ...)

Teil C

Amerikanische Erotikverzwingungen
Filme, in denen man sich, nach langer Zeit mal wieder, geschämt hat, drin gewesen zu sein. Und nicht, weil sie skandalös waren, sondern weil sie eine piefige, spießige, verklemmte Pseudo-Offenheit transportierten.

Magic Mike XXL
Erinnert man sich an den ersten Teil von „Magic Mike“ als nicht allein öfters komischen, sondern sogar proletarisch glaubhaften Film über einen bemuskelten Zimmermann aus Florida, der den Weg zum Stripper findet und seinen Spaß hat, erinnert man sich einer unverkrampft, aber auch ein wenig dämlich gezeichneten Figur, die zum (damals) zweiunddreißigjährigen (aber jünger aussehenden) Channing Tatum perfekt passte. „Magic Mike XXL“ ist nun nicht dasselbe in Übergröße, vielmehr eine peinliche Busreise entlang der südöstlichen Atlantikküste der USA, von einer lebenslustig aufquiekenden Bullenbeschau-Veranstaltung zur anderen. Alles, was an Männern, die halbnackten Mädchen Dollarscheine in die Höschen stecken, Einladungen für hinterher aussprechen, jemals peinlich war, wird hier zweifach umgedreht und soll dann mit einem Mal Befreiung sein. Ladies sind es, die hier alle Kohle haben, außerdem zum Teil auch noch schwarze und ältere. Obwohl der Mike so jung schon auch nicht mehr ist, nur ganz Fitnessstudio-durchtrainiert. Dauernd wird über Sex geredet, weitaus länger als gemacht. Ach Gottchen, welch ein Film, wie frei und komisch und voll bekloppt. Irgendwann hält man ihn für irreal.

Fifty Shades of Grey
„Fifty Shades of Grey“ nun aber ist am entgegen gesetzten Eck der USA, ganz im Nordwesten. Dort herrschen heute noch die Männer und werden die Körper der Frauen darum gnadenlos begehrt. Aber wieder ist es ein Film, den schlaue Buchhalter auf die Ansichten kleiner Kassiererinnen hin domptiert haben. Eigentlich nur diese gute Aschenputtel-Geschichte von dem einen Prinz, der ein kleines Mädchen ins Märchen erheben wird. Allerdings, jeder weiß es schon, ist der Prinz hier auch der Sadist und also vom SM. Was anscheinend so viel heißt wie, er fesselt sie, schlägt sie windelweich, sie soll es mögen. Dazu kommt es in diesem Film, der sich ganz der Darstellung luxuriöser Einrichtungen und edler Garderobe widmet, allerdings

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