Läuterung 007 : Das Leben kommt vorbei

Bild von Klaus Mattes
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So langweilig war mir heute. Ich musste eine Prosaarbeit, betitelt „Sonnenspiegel“ lesen. Für die Zerstreuung. Von einem mir sehr unbekannten Internet-Schriftsteller namens PeterPanic. Googlet bitte gleich nach PeterPanic. Vielleicht sind im Internet weitere Texte zu kriegen.

Man muss, wie euch allen klar sein wird, als Schriftsteller unheimlich hart sein zu sich selber, immer die Lieblingsstellen austilgen, immer den halben Text wegkürzen, bevor man ihn unter fremde Augen lassen kann.

Es ging mir durch den Sinn, während ich „Sonnenspiegel“ von, wie gesagt, PeterPanic, las. Sein Text bräuchte nur noch einen, der ihn auf den Punkt brächte. Was folgt, ursprünglich ist keines dieser Wörter von mir gekommen! Jedes einzelne hatte sich in „Sonnenspiegel“ von PeterPanic gefunden. Nur habe ich, wie in einem Steinbruch, keinen Stein auf dem andren gelassen. Erst habe ich die Hälfte gestrichen. Dann habe ich das Verbliebene umgestellt und in sich selbst gedreht. Noch einmal: Von meiner Hand stammt nicht ein einziges Wort dieser kleinen Geschichte. Ich muss das sagen, bevor mir etwa Plagiieren unterstellt wird.
Alles heißt:

Das Leben kommt vorbei

Stille machte sich breit. Tapeten lösten sich von den Wänden. Da klopfte das Leben an, trat ein und blieb die ganze Nacht.

Es kommt nicht oft vor, dass das Leben mich besucht. Mich lässt man lieber allein. Es gibt Menschen, die mehr von diesem Besuch gehabt hätten.

Das Leben versuchte mich zu streicheln. Ich lehnte ab. Warum es kam, verriet es nicht. Reden war mir lieber; über alles haben wir geredet. Stunde um Stunde verging. Mondlicht strahlte durch die Fenster. Neidisch. Ich habe das Leben gefragt, wie es grausam sein kann. Es amüsierte sich.

Es lag am Boden und versuchte, sich zu wärmen an meinem Körper. Mitleid überkam mich.

In den Armen der Sonne sah ich Mondlicht verbrennen. Da bemerkte ich, der Morgen war angebrochen.

Der Tanz verging schnell. Schnell wie seit Jahren jeder andere Tag. Ich weiß nicht, wie alt ich bin, mache mir nicht die Mühe.

Es wurde Abend. Das Mondlicht war grell wie nie. Ich zitterte. Hatte ich die Fensterklappe nicht geschlossen? Kleinste Schattenquadrate tanzten zur Ekstase. Mitten auf dem Boden leuchtete ein Punkt. Tausend Kerzen brannten in einer Sekunde. Gedanken waren Fragmente. Ich öffnete meine Tür und sagte: „Hallo.“
Liebevoller ging nicht.

Ich nahm das Mondlicht in den Arm. Hatte es nie bemerkt, dass es kalt war?